Berlin - Der Osten steht. Baustellen auf den wichtigen Ausfallachsen im Norden und Osten der Stadt sorgen für Unmut bei Pendlern. Mit der Sperrung der Bundesstraße B2 bei Malchow Anfang 2019 droht weitere Staugefahr, schon jetzt sind die Ausweichstraßen von Autos geflutet.

Will man derzeit von Pankow nach Norden fahren, sind Nerven wie Stahlseile gefragt: Die Breite Straße ist in Richtung Autobahn wegen einer Fahrbahnsanierung komplett gesperrt. Auf der Prenzlauer Promenade ist stellenweise nur eine Fahrbahn frei, ebenso auf der Grabbeallee. Eine Baustelle mit Ampelschaltung für den Gegenverkehr bremst den Verkehrsfluss auf der Granitzstraße aus. Die Aufzählung ließe sich fast beliebig fortführen.

Vier Baustellen auf der Landsberger Allee

Denn nicht nur im nördlichen Pankow reiht sich Baustelle an Baustelle. Der Verkehr stockt auch auf wichtigen Ausfallstraßen im Osten. Auf der B1/B5 in Biesdorf ist pro Fahrtrichtung nur eine Spur frei. Auf der Landsberger Allee sind vier Baustellen gleichzeitig eingerichtet. Geduld ist auf der Märkischen Allee in Marzahn gefragt. Die BVG werkelt an den Gleisen der Straßenbahn.

Dass Straßen, Leitungen, Gleise auch repariert werden müssen, ist klar. Aber geht dies nicht koordinierter? „Unaufschiebbare Bauarbeiten, etwa die Reparatur von Versorgungssträngen, führen unvermeidbar zu Verkehrseinschränkungen“, sagt Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrsverwaltung. „Auf der Ost-West-Strecke kamen in den vergangenen Wochen aber die S-Bahn-Sperrungen hinzu, außerdem Verlängerungen von Bauvorhaben. Das war weder so geplant noch so vorhersehbar. Was es für die Betroffenen auf der Straße nicht angenehmer macht.“  Die Lage habe sich jetzt schon etwas entspannt, aber eine komplette Entwarnung gebe es auch für die nächsten Wochen nicht.

Henner Schmidt, infrastrukturpolitischer Sprecher der FDP im Abgeordnetenhaus, kritisiert grundsätzlich die mangelnde Absprache unter den Bauherren. „Regelmäßig wird durch unkoordinierte Baustellen Verkehrschaos verursacht.“ Die dringend notwendige Reform der Verkehrslenkung Berlin (VLB) sei durch die Verkehrssenatorin verschleppt worden, so Schmidt. „Ich fordere deshalb den Senat auf, die bereitstehenden Möglichkeiten zur Baustellenkoordination mutig zu nutzen und diese Aufgabe in der Senatsverwaltung effizient zu organisieren“, so Schmidt.

Ab 2019: B2 ab Malchow nur in eine Richtung befahrbar

Die zuständige VLB mit ihren 130 Mitarbeitern ist für die Koordination der Baustellen zuständig. Zuletzt häuften sich Klagen, dass die VLB Bauarbeiten teils um ein Jahr verzögere. Anfang November wurde bekannt, dass die VLB aufgelöst und bis Ende kommenden Jahres als Abteilung VI in die Verkehrsverwaltung eingegliedert wird. So soll künftig die Zahl der Schnittstellen zwischen den verschiedenen Verkehrslenkern verringert werden.

Doch eine weitere Geduldsprobe im Nordosten der Stadt verhindert auch dieser Schritt nicht. Ab 2019 wird die B2 ab Malchow für dreieinhalb Jahre nur in eine Richtung befahrbar sein. Stadtauswärts geht es ab 2019 nach Norden nur über Blankenburg in den Barnim. Und schon jetzt sind die Ausweichrouten voll.

An der B2 tauschen die Berliner Wasserbetriebe (BWB) zunächst die Trinkwasserhauptleitung aus. Insgesamt plant die Senatsverwaltung für Verkehr unter Senatorin Regine Günther dafür 6,6 Millionen Euro ein. „Anschließend beginnen dann der Bau des Regenwasserkanals und der Straßenbau. Dafür werden etwa eineinhalb Jahre Bauzeit veranschlagt“, teilte ein Sprecher der Senatsverwaltung mit.

Schönerlinder Straße wird gesperrt

Im näheren Umfeld befindet sich keine weitere Straße mit Anschluss an den Berliner Ring. Auf dem Weg nach Brandenburg passieren pro Tag 25.000 Fahrzeuge Malchow. Sie alle müssen sich jahrelang über die Rennbahnstraße, Romain-Rolland-, Blankenburger, Heinersdorfer Straße und zuletzt über den Blankenburger Pflasterweg quälen. Schon jetzt ist es hier in den Stoßzeiten brechend voll.

Und auch wer den Stress umfahren und auf die B109 ausweichen will, hat Pech. Ende des Jahres wird auch die Schönerlinder Straße auf einer Länge von 3,5 Kilometern gesperrt. Bis Dezember 2019. Eine Umfahrung soll über die Autobahn A114 geschehen. Und da beißt sich die Katze in den Schwanz, denn der Zubringer wird bekanntlich saniert und ist nur einspurig befahrbar.

„Der Stadtraum ist begrenzt“, sagt Sprecher Jan Thomsen, „daher können wir leider keine sinnvollen Empfehlungen oder gar komfortable Ausweichrouten nennen.“ Die Lösung könne aber auch nicht darin bestehen, keine dringlichen Bauarbeiten mehr zu genehmigen. Vielmehr liege sie in einem leistungsfähigen Nahverkehr, an dem diese Regierung so intensiv arbeite wie keine andere zuvor, sagt Thomsen.