Mehrere Tausend Bauern aus ganz Deutschland wollen in Berlin gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstrieren.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinBauern aus ganz Deutschland haben in Berlin ihrem Ärger über die Agrarpolitik der Bundesregierung Luft gemacht. Die Veranstalter sprachen am Nachmittag von 40.000 Demonstranten. 

+++ Demo beendet - 8600 Traktoren rollen Richtung Brandenburg +++

Unter lautem Hupen und mit Trillerpfeifen haben sich in Berlin die ersten Bauern-Protestler mit ihren Traktoren auf den Rückweg gemacht. Die Polizei wollte die Traktoren am Dienstagnachmittag in Konvois über sechs Routen aus der Stadt herausführen, wie ein Sprecher der Polizei Brandenburg sagte.

Die Polizei sprach von einer immensen Herausforderung: 8600 Traktoren waren laut Polizei nach Berlin gerollt. Teilweise bildeten sich Konvois von bis zu zehn Kilometer länge. Um die Bauern auf der Landstraße zu behalten, kontrollierte die Polizei die Auffahrten. Laut dem Sprecher waren über den Tag 500 Polizisten im Einsatz.

+++ Bauernwut: Mehr am Schreibtisch als auf dem Feld +++

Die Landwirte Hubert Zirmer und Josef Krieger kommen auch zum Protest nach Berlin.
Foto: Andreas Klug

Es gibt aber auch Landwirte, die Rede und Antwort stehen. „Weil sonst niemand unsere Probleme versteht“, sagt Bauer Hubert Zirmer (58). Er ist zusammen mit seinem Landwirt-Kollegen Josef Krieger (50) aus Straubing (Niederbayern) angereist. Nicht mit dem Traktor, sondern mit dem Bus. „Um zwei Uhr früh ging es los, acht Stunden später waren wir in Berlin“, sagt Krieger. Er leitet einen kleinen Familienbetrieb mit Ackerbau und Schweinezucht. „Es ist die zunehmende Bürokratie, die unsere Arbeit immer mehr schwieriger macht“, erklärt er. „Ich arbeite 70 Stunden in der Woche, muss die Hälfte dafür aufwenden, um Berichte darüber zu schreiben, wie der Zustand der Pflanzen ist, wie gedüngt wird und noch vieles mehr. Je mehr Vorschriften auf uns zu kommen, um so mehr sitzen wir am Schreibtisch, statt auf den Feldern zu sein, um uns um unser Getreide zu kümmern oder im Stall die Tiere zu versorgen.“

Durch die Mehrarbeit bleibt am Ende kaum noch Zeit für das Privatleben mit der Familie. „Und der Verdienst ist auch schmal“, ergänzt Zirmer. „Er liegt unter dem Mindestlohn. Wir können auch nicht mehr mit unseren Produkten herausholen, wenn Discounter die Preise drücken, um billig Fleisch zu verkaufen.“ Verständnis von den Berlin habe er bei der Demo nicht erlebt. „Im Gegenteil, eine Mutter erklärte ihrem Kind, dass die Bauern am Brandenburger Tor Rabatz machen. Ich sagte ihr nur, ob sie wüsste, woher das Fleisch wirklich kommt, das sie konsumiert. Aldi oder Netto sind es bestimmt nicht.“ (nkk)

+++ Frostiger Empfang für Umweltministerin Schulze +++

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat vor demonstrierenden Bauern für klare Regeln zum Schutz von Grundwasser und Insekten geworben - und ist dafür ausgebuht worden. Die SPD-Politikerin sagte am Dienstag bei der Kundgebung in Berlin, sie wolle, dass Landwirte „Teil der Lösung“ seien. Dafür sei man vor Ort und auf Bundesebene mit den Praktikern im Dialog. Sie setze darauf, dass auch die Bauern ein Interesse daran hätten, dass es in Zukunft noch sauberes Wasser und Bestäuber gebe. „Aber wir brauchen auch klare Regeln“, betonte sie. Zu der Kundgebung hatte die Initiative „Land schafft Verbindung“ aufgerufen. Während Schulze sprach, drehten viele Demonstranten ihr demonstrativ den Rücken zu, im Anschluss wurde die Umweltministerin ausgebuht. Bereits vor dem Auftritt hatte ein Redner ihren Rücktritt gefordert. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und wir haben die Schnauze voll von dieser ideologischen Politik“, rief jemand Schulze zu. Sie verwies darauf, dass jeder und jede Deutsche 114 Euro pro Jahr für die gemeinsame Agrarpolitik der EU zahle, über die die Landwirtschaft subventioniert werde. (dpa)

+++ Bauernprotest: „Unglaubliche Solidarität“ +++

Aus Ärger über die Agrarpolitik der Bundesregierung sind mehrere Tausend Bauern aus ganz Deutschland zu einer Kundgebung in Berlin zusammengekommen. Vor dem Brandenburger Tor sprachen Redner zum Auftakt von einer „unglaublichen Solidarität“. Das zeige, dass die Landwirte etwas bewegen könnten, wenn sie zusammenhalten. Zu der Demonstration rollten auch Tausende Traktoren in die Hauptstadt. Auf Transparenten stand: „Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert“, „Wer Bauern quält, wird abgewählt“ oder „Gemeinsam statt gegeneinander“. Der Protest richtet sich unter anderem gegen geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Die Bauern warnen vor einer Existenzgefährdung von Betrieben und fordern von der Politik eine stärkere Einbeziehung bei neuen Umweltauflagen. (dpa)

+++ Reaktionen von Berlinern auf Bauerndemo +++

Fritjof aus Berlin spielt bei einer Protestaktion von Bauern gegen das Agrarpaket der Bundesregierung vor dem Brandenburger Tor mit einem Kinder-Trecker.
Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Die Landwirte haben viele Kinder-Traktoren vor das Brandenburger Tor gebracht. Einige Berliner Kinder spielen damit. Auf Twitter diskutieren Berliner, Politiker und Landwirte über die Forderungen der Bauern. 

+++ Initiative „Land schafft Verbindung“ ruft zur Demo auf +++

Der Protest richtet sich unter anderem gegen geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Dadurch würden landwirtschaftliche Betriebe in ihrer Existenz gefährdet. Der Deutsche Bauernverband kritisierte die aus seiner Sicht zu strengen Umweltschutz- und Düngebeschränkungen. „Der Protest richtet sich gegen die Verschärfungen, die die Landwirtschaft belasten, die aber aus Gründen des Gewässerschutzes nicht erforderlich sind, sondern von vielen Betrieben als Schikane empfunden werden“, sagte der Generalsekretär des Verbandes, Bernhard Krüsken, MDR aktuell. (dpa) 

+++ Julia Klöckner: „Es wird immer mehr erwartet" +++

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zeigte Verständnis für die Kundgebung, auf der sie ebenso wie Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprechen will. „Immer mehr wird erwartet von Bauern, auch gerade von den Konsumenten, von uns Verbrauchern, aber es wird immer weniger Bereitschaft gezeigt, dafür mehr zu zahlen“, sagte Klöckner im ARD-„Morgenmagazin“. (dpa)

+++ Staus und Behinderungen bei Bauern-Demo in Berlin +++

Auch über den Potsdamer Platz rollen die Traktoren der Bauern. 
Norbert Koch-Klaucke

In der Berliner Innenstadt war der Verkehr massiv beeinträchtigt. „Auf allen fünf Demonstrationsrouten kommt es aktuell zu zahlreichen Sperrungen und langen Stau s, insbesondere im Bereich Charlottenburg, auf der Heerstraße in Wilhelmstadt, am Alexanderplatz in Mitte und auf der B96 aus Norden kommend“, twitterte die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ). (dpa)

+++ Nicht alle Bauern kommen mit Traktoren+++

Nicht alle Landwirte kamen mit Ihren Traktoren. Diese Bauern aus der Oberpfalz kam mit dem Bus nach Berlin, reisten mit der U-Bahn weiter, versammelten sich am Potsdamer Platz. „Wir waren zwei Tage unterwegs, haben unsere wichtige Arbeit liegen gelassen, um bei der Demo dabei zu sein. Es geht um unsere aExistenz“, sagte ein Bauer aus der Gruppe. (nkk)

+++ Bilderstrecke: Traktoren rollen durch Berlin +++

+++ Gedröhne am U-Bahnstein Mendelssohn-Bartholdy-Park +++

Das Gedröhne und Gehupe der Trecker hört man sogar auf dem U-Bahnstein Mendelssohn-Bartholdy-Park.
Foto:  Norbert Koch-Klaucke

Das Gedröhne und Gehupe der Trecker hört man sogar auf dem U-Bahnstein Mendelssohn-Bartholdy-Park. Geschätzt 30 Fahrzeuge fahren gehen 10.25 Uhr am Reichpietschufer unter der U-Bahnbrücke entlang, legen den abbiegenden Autoverkehr lahm. Der Krach der Traktoren - Passanten halten sich die Ohren zu. (nkk)

+++ Hunderte Traktoren fahren durch Weißensee +++

+++ Polizei: Verkehrsregeln einhalten +++

In Berlin und Brandenburg sorgten die Traktoren im Berufsverkehr zum Teil für Behinderungen. Auf beiden Seiten des Brandenburger Tors standen am frühen Morgen bereits erste Bauern mit ihren Fahrzeugen. Zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor war der normale Verkehr kaum noch möglich. Am frühen Morgen waren in Brandenburg mehr als 1800 Traktoren in Richtung Berlin gestartet. Weitere wollten folgen. Viele von ihnen hatten Plakate an ihren Fahrzeugen befestigt. Auf ihrer Fahrt kam es bei Überholmanövern zu zwei Unfällen. Die Brandenburger Polizei rief Autofahrer zur Vorsicht auf. „Überholen Sie nur an übersichtlichen Stellen und wenn Sie die gesamte Überholstrecke überblicken können!“, twitterte die Brandenburger Polizei. (dpa)

+++ Unfälle mit Traktoren in Brandenburg +++

Am frühen Morgen waren in Brandenburg mehr als 1800 Traktoren in Richtung Berlin gestartet. Weitere wollten folgen. Viele von ihnen hatten Plakate an ihren Fahrzeugen befestigt. Auf ihrer Fahrt kam es bei Überholmanövern zu Unfällen. (dpa)

+++ Bauerndemo rollt nach Berlin +++

Vor den beiden Landgasthäusern in Dallgow-Döberitz, gleich hinter der westlichen Berliner Stadtgrenze, war der Bauernprotest bereits am Montagabend deutlich sichtbar:. schwere Landmaschinen, Traktoren in Reihe vor der Tür, Männer mit schweren Stiefeln rauchend vor der Tür.

Dienstagmorgen ist der Protest nirgendwo mehr zu übersehen rings um Berlin und auf dem Weg in die Stadt. Die Heerstraße Richtung Stadtmitte ist eine einzige Stauzone. Auf anderen Hauptstraßen sieht es ähnlich aus. Hupend stehen die Landmaschinen hintereinander gereiht. Wer an diesem Tag unbedingt mit dem Auto nach Berlin fahren will, muss auf kleinste Anliegerstraßen ausweichen und steht dann auch dort im Stau.

Die Polizei spricht am Morgen von 5056 Traktoren, die durch Brandenburg nach Berlin ziehen. Die Sternfahrt aus allen Teilen der Republik mit dem Ziel Brandenburger Tor richtet sich gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Gegen Mittag soll am Brandenburger Tor eine Kundgebung stattfinden. Gegen neun Uhr ist der Bauernprotest auch in den U-Bahnen sichtbar. Demonstranten mit Schildern und Transparenten sind unterwegs zur Kundgebung. (jh)

+++ Internetseite der Verkehrsinformationszentrale (VIZ)  lahmgelegt +++

Es herrscht Chaos. Die Trecker-Demo in Berlin blockiert nicht nur die Hauptverkehrsstraßen der Hauptstadt. Sie hat auch die Internetseite der Verkehrsinformationszentrale (VIZ) in den Morgenstunden lahmgelegt. Wer auf der Homepage die aktuelle Verkehrslage checken will, sieht aktuell nur diese Botschaft: „Wir bitten um Verständnis, dass unser Informationsangebot wegen extrem hoher Abfragezahlen phasenweise nicht abrufbar ist“, steht dort.

Wie hoch diese Abfragezahlen sind, kann ein VIZ-Mitarbeiter auf Anfrage von der Berliner Zeitung nicht beantworten. „Seit etwa 9 Uhr fällt unsere Internetseite permanent zusammen“, sagt er.

Aktuell gibt es auf den Stadtautobahnen kein Verkehrschaos. „Es läuft erstaunlich alles normal“, sagt der VIZ-Mitarbeiter. „Es ist davon auszugehen, dass vor allem die Pendler aus dem Umland sich auf die Demonstration eingestellt haben, bereits am Stadtrand ihre Fahrzeuge abgestellt haben, dann mit der S-Bahn weiter fuhren.“

Verkehrsprobleme und Staus gibt es momentan vor allem in der kompletten City-West. „Heerstraße und Kaiserdamm und die Straßen rings um den Tiergarten sind aktuell die Brennpunkte“, heißt es beim VIZ. „In den Bezirken im Ostteil läuft der Verkehr. Ausnahme ist die B96.“ (nkk)