Stefan Oertelt testet Radwege in Brandenburg

Fahrland - Der Fläming habe ihn beeindruckt, sagt Stefan Oertelt. „Guter feiner Asphalt ist das Nonplusultra für Radwege“, schwärmt er. Und im Fläming, da gebe es viel guten feinen Asphalt auf den Radwegen, weil sie oft ein Teil des Rollschuh-Parcours Flämingskate sind. „Da fahren auch die Rennradler auf den Radwegen“, sagt er, und das sehe man sonst kaum in Brandenburg.

Oertelt kennt sich aus. Mehr als eintausend Kilometer hat der 62-jährige Bauingenieur aus dem Allgäu bereits auf Brandenburger Radwegen zurückgelegt. An einem Montagvormittag Ende August steht er am Rande der Landesstraße von Fahrland nach Potsdam, führt einer Gruppe von Journalisten und Mitarbeitern des Infrastrukturministeriums – nebst Ministerin Kathrin Schneider (SPD) selbst – sein Rad vor und macht sich bereit für die nächsten tausend Kilometer.

Mit Sensor und GPS-Gerät

Oertelt ist eine Mischung aus Theodor Fontane und Daniel Düsentrieb. Er bereist ganz Brandenburg, von Wittstock bis Welzow, von Angermünde bis Ziesar. Seine Mission: gute Radwege. Sein Werkzeug: ein giftgrünes E-Bike, das er mit selbst entwickelter Messtechnik ausgestattet hat.

Im Auftrag des Landesbetriebs für Straßenwesen erfasst er, wo es rumpelt und holpert auf den Radwegen, wo Löcher klaffen oder Baumwurzeln drücken. Sämtliche Radwege entlang der Bundesstraßen ist er bereits abgefahren. Jetzt beginnt er mit den Landesstraßen.

„Wir wollen, dass Radfahren in den Alltag Einzug hält“, sagt Ministerin Schneider, während der Wind über den Acker neben der Straße fegt und die vereinzelten Radfahrer auf dem Weg nach Fahrland erkennbar zu kämpfen haben. 13 Prozent aller Wege in Brandenburg werden mit dem Rad zurückgelegt. Für ein Flächenland ist das ziemlich viel, im Bundesdurchschnitt sind es 10 Prozent. „Aber wir wollen noch besser werden“, sagt sie. Und dazu gehören eben gute Radwege.

Was sind gute Radwege?

Stefan Oertelt beschäftigt sich seit den 1990er-Jahren damit, den Zustand von Straßen zu erfassen. Vor einigen Jahren hat er begonnen, sich darüber Gedanken zu machen, wie sich seine Erkenntnisse auf Radwege übertragen lassen. Die müssen vor allem eine Anforderung erfüllen, erklärt er: „Ein Radweg muss glatt sein.“ Erschütterungen seien für Radfahrer nicht nur störend, sondern sie belasten die Gelenke.

Das wichtigste Gerät an seinem Fahrrad ist darum der Vertikalbeschleunigungsgeber am Vorderrad. Er misst die Erschütterungen, die Daten werden zusammen mit den GPS-Koordinaten gespeichert, so entsteht quasi ein Holperprofil des Radwegs.

Aber natürlich kann er nicht die gesamte Breite der Fahrbahn erfassen. Darum hat Oertelt sein Fahrrad außerdem mit einer Kamera ausgestattet, die jeden Meter ein Bild macht. Sieht er eine Holperstelle, dann drückt er einen roten Knopf am Lenker, das jeweilige Bild wird markiert, die Experten beim Landesbetrieb Straßenwesen können auf dieser Grundlage beurteilen, ob eine Reparatur nötig ist.

Das Ergebnis seiner Bestandsaufnahme entlang der Bundesstraßen: Auf zwölf Prozent der Strecken stellte er Sanierungsbedarf fest. Im Bundesvergleich ein guter Wert. Ein Grund: Die meisten Radwege in Brandenburg sind erst in den 90er- Jahren oder später entstanden.

Berlin holpert hinterher

Beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ist man verhalten begeistert über die Methodik der Zustandserfassung. „Unübersichtliche Einmündungen oder andere Gefahrenstellen können auf diese Weise nicht erfasst werden, schlechte Ausschilderungen auch nicht“, sagt die Landesgeschäftsführerin Lea Hartung. Aber es sei positiv, dass der Landesregierung überhaupt bewusst ist, dass Radwege kontrolliert und gepflegt werden müssen. „Das ist ein guter Anfang.“

À propos: In Berlin ist der Anteil des Radverkehrs deutlich höher als in Brandenburg, die Radwege aber sind zu einem großen Teil – nun ja, ausbaufähig. Plant denn Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) eine ähnliche Erfassung wie die Brandenburger Nachbarn, um zumindest einen Überblick über das Elend zu gewinnen? Offensichtlich nicht. Eine entsprechende Anfrage der Berliner Zeitung ließ die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Montag jedenfalls unbeantwortet.