Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, sie sind so verschieden wie die Stadt selbst. Was also macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und ihren persönlichen No-go-Areas. Sie verraten ihre Gastro-Geheimtipps, Shopping-Favoriten und Kiezgeheimnisse, aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat die Schauspielerin Stefanie Reinsperger unsere Fragen beantwortet. Die 34-Jährige ist seit fünf Jahren Mitglied des Berliner Ensembles und hat in dieser Zeit schon eine charakteristische Eigenschaft des Hauptstadtbewohners angenommen: Sie verlässt ihren Kiez eigentlich nie. Im Fall von Reinsperger handelt es sich um den Kollwitzkiez in Prenzlauer Berg, mit dem die gebürtige Österreicherin sehr glücklich ist: „Der Kiez ist voll mit Cafés, was bei meiner Koffeinsucht sehr hilfreich ist, und tollen Restaurants und kleinen, liebevollen Läden, was für mein Portemonnaie nicht hilfreich ist.“

1.           Frau Reinsperger, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Ich bin im August 2017 nach Berlin gezogen, zum Intendanten-Start von Oliver Reese am Berliner Ensemble.

2.          Was ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Das wechselt bei mir immer, je nach Stimmung. Einer meiner Lieblingsorte ist unser Hof am Berliner Ensemble im Frühling und Sommer, weil dort dann endlich alle Abteilungen zusammenkommen, wir uns vor und nach den Proben und Vorstellungen austauschen, gemeinsam Wein trinken und die Abende kein Ende nehmen wollen. Und der Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain ist auch so eine kleine Oase für meine Gedanken und mich, dort bin ich wahnsinnig gerne.

Volkmar Otto
Eine kleine Oase mitten in der Stadt: der Märchenbrunnen in Friedrichshain.

3.          Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

Wenn ich ganz bei mir und für mich sein will, fahre ich etwas raus. Ich hab den Liepnitzsee sehr in mein Herz geschlossen. Im Sommer kann man da so schön schwimmen, aber im Herbst und Winter auch ganz fantastisch und in Ruhe spazieren.

4.          Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Ich meide keine Ecke ganz bewusst. Aber mir ist schon aufgefallen, dass ich in Berlin eigentlich meinen Kiez nie verlasse. Das ist der große Unterschied zu meiner Heimatstadt Wien, wo alles so nah und beisammen ist. In Berlin hab ich das Gefühl, man bleibt eher so in seiner Ecke, deshalb kenne ich immer noch einige Teile gar nicht, aber nicht, weil ich sie bewusst meide, sondern weil da einfach keiner wohnt, den ich kenne.

5.           Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Puh, Geheimtipp weiß ich gar nicht. Bin ja als immer noch Fremde hier auch immer auf die Tipps der anderen angewiesen. Ich bin sehr glücklich mit unserer neuen Kantine am Berliner Ensemble, die Küche ist fantastisch und die MitarbeiterInnen sind mit Herz und Seele dabei, das ist total schön. Also kommt gerne mal vorbei! Und dann gibt es noch mein Lieblingslokal, das Ryong im Prenzlauer Berg, ein vegetarisch/veganes Restaurant mit fantastischen japanischen und vietnamesischen Gerichten.

Elliott Kreyenberg/WDR/unafilm GmbH/dpa
Zur Person

Stefanie Reinsperger kommt 1988 in Baden bei Wien zur Welt. Sie wächst teilweise in London auf, wo ihr Vater für das österreichische Außenministerium arbeitet. 2011 schließt sie ihre Schauspielausbildung am Wiener Max Reinhardt Seminar ab.

Reinsperger spielt am Burgtheater und am Volkstheater in Wien sowie am Schauspielhaus Düsseldorf, bevor sie 2017 ans Berliner Ensemble kommt. TV-Zuschauer kennen sie als Hauptkommissarin Rosa Herzog aus dem Dortmunder „Tatort“ (Foto). 2022 veröffentlicht sie das Buch „Ganz schön wütend“, in dem sie Diskriminierung und Übergriffe auf sich und ihren Körper thematisiert.

Hier kann man Reinsperger demnächst sehen: „Phaidras Liebe“ am Berliner Ensemble: 14./15.6. und 2./3.7., Kinofilm „Guglhupfgeschwader“ ab 4.8., Tatort „Liebe mich“ in der ARD Mediathek.

6.           Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Ich finde, es lohnt sich immer wieder, durch den Prenzlauer Berg zu spazieren. Hier gibt es so viele kleine, lokale Läden, die tolle Qualität anbieten und Sachen, die du nur dort bekommst. Das mag ich persönlich sehr.

7.           Der beste Stadtteil Berlins ist …

Ich bin schon sehr glücklich im Prenzlauer Berg. Die breiten Straßen, die vielen Cafés, die Parks, das tut mir hier sehr gut. Und, ganz pragmatisch gesehen, die Nähe zum Berliner Ensemble. Mit dem Fahrrad brauche ich nur 14 Minuten, bis ich da bin, das ist einfach top.

8.           Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Die Unverbindlichkeit. Ich habe oft das Gefühl, Berlin ist so eine Durchgangsstadt, in der viele eine gewisse Zeit verbringen und dann wieder gehen, das macht nachhaltige Begegnungen manchmal schwieriger. Berlin ist so groß und satt, alles ist immer möglich, aber nichts muss. Das kann Fluch und Segen zugleich sein.

9.           Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Der Autoverkehr! Ich denke, das gilt für fast jede Großstadt. Es gibt einfach zu viele Autos, dafür sind diese Städte nicht gebaut.

10.         Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Auf jeden Fall mal nach Berlin ziehen! Ich bin so froh, diese Stadt wirklich zu erleben und nicht nur zu Besuch zu sein. Berlin hat unendlich viel zu bieten, du kannst dich hier nie sattsehen und es gibt immer noch was Neues und Überraschendes. Und die Weltoffenheit hier weiß ich sehr zu schätzen.

11.         Cooler als Berlin ist nur noch …

Da muss ich als Österreicherin halt schon sagen: WIEN!!!! Auf jeden Fall Wien.