Berlin - Nachdem kurz vor Weihnachten SPD-Fraktionschef Raed Saleh angekündigt hat, dass Schulen in besonders schwierigen Lagen jeweils 100.000 Euro zusätzlich bekommen, hat sich nun der Bezirkselternausschuss Steglitz-Zehlendorf zu Wort gemeldet und in einem öffentlichen Schreiben mitgeteilt, dass auch die Schulen im gutbürgerlichen Bezirk dringend mehr Geld benötigen. „Elternwünsche“ nennen die Verfasser ihr Schreiben. „Wir finden es gut, dass die Brennpunkt-Schulen mehr Geld bekommen sollen“, sagt Lieselotte Stockhausen-Döring vom Bezirkselternausschuss.

„Aber auch bei uns fehlt Geld.“ In Steglitz-Zehlendorf belaufe sich der Sanierungsbedarf bei den Schulbauten auf 165 Millionen Euro. Stockhausen-Döring verweist darauf, dass beispielsweise am Beethoven-Gymnasium in Lankwitz bereits Anfang September 2012 marode Stuckteile vom Dach auf die gut zehn Meter darunter befindlichen Fahrradständer gefallen sein. „Pures Glück, dass niemand verletzt wurde“, kritisiert der dortige Elternvertreter Torsten Pinkert. Grund für den Schaden war ein leckes Wasserabflussrohr, dass Feuchtigkeit ins Gemäuer gespült hat. Und offenbar immer noch spült. Denn leider seien die Schäden auch in den vergangenen drei Monaten nicht behoben worden, so dass nun mit weiteren Frostschäden zu rechnen sei.

Erheblicher Sanierungsbedarf herrsche auch bei den Schulsporthallen im Bezirk, zwölf Hallen sind derzeit so marode, dass sie gesperrt wurden. „Nach der Abgeordnetenhauswahl herrschte ein dreiviertel Jahr Haushaltssperre“, monieren die Elternvertreter. Erst danach konnten Bauaufträge erteilt werden. Die Folge: Mit vielen Arbeiten konnte gar nicht begonnen werden, weil zu wenig Zeit war, das Geld zu verbrauchen. Oder es kam zu Bauverzögerungen, weil die beauftragten Firmen mit dem Auftrag überfordert waren. Am Gymnasium Steglitz zogen sich die Arbeiten in die Länge, weil eine Firma mit Fensterlieferungen nicht nachkam.

Lernen auf der Baustelle

An der Max-von-Laue-Sekundarschule in Lichterfelde hielt die Baufirma die Termine nicht ein, leistete sich Fehlplanungen, bis sie vom Bezirk schließlich gekündigt wurde. Nun wurde eine neue Firma beauftragt. Die Schüler lernen derzeit auf einer Baustelle. „Es sollte bei öffentlichen Bauaufträgen eine schwarze Liste geben, auf der Firmen stehen, die schon wiederholt negativ aufgefallen sind“, fordert Stockhausen-Doering. Leider würden sich die Bezirke zu wenig austauschen. Für ganz Berlin geben die Bezirke den Sanierungsstau bei Schulbauten inzwischen wieder mit mehr als einer Milliarde Euro an – trotz diverser Konjunkturprogramme in den vergangenen Jahren. Zudem sollen möglichst alle Schulbauten behindertengerecht ausgebaut werden.