Für die geplante Umgestaltung des Steglitzer Kreisels ist der erste Schritt getan. Das Land Berlin hat jetzt dem Verkauf des Sockelgebäudes durch die Firma Becker & Kries an die CG Gruppe zugestimmt. Die CG Gruppe, ein mittelständisches Unternehmen aus Berlin und Leipzig, will nun auch noch den 118 Meter hohen Turm des Steglitzer Kreisels erwerben. Dort, wo früher Büros waren, sollen Wohnungen entstehen – mit Aussicht über die Stadt.

Aufgrund der Eigentumsverhältnisse am Steglitzer Kreisel ist die Umgestaltung nicht ganz einfach. Der Sockel gehörte bisher dem Unternehmen Becker & Kries, Eigentümer des 118 Meter hohen Turms ist hingegen das Land Berlin. Beide sind in einer Eigentümergemeinschaft verbunden. Will einer seinen Teil am Kreisel verkaufen, muss der andere zustimmen. Becker & Kries hatte bereits im Juli vergangenen Jahres einen Kaufvertrag über den Sockel mit der CG Gruppe abgeschlossen. Das Land Berlin hatte dem Verkauf aber nicht zugestimmt – weil es Zweifel an der Finanzierung hatte. Becker & Kries zog darauf vor Gericht und verklagte Berlin auf Zustimmung zum Kaufvertrag.

Gut eine Woche nach dem ersten Gerichtstermin am 18. Februar gab Berlin jetzt seinen Widerstand auf. Die Senatsverwaltung für Finanzen teilte am Freitag mit, dass sie sich mit Becker & Kries auf einen Vergleich geeinigt habe. Berlin stimmt danach dem Verkauf an die CG Gruppe zu, Becker & Kries zieht dafür die Klage gegen das Land zurück. Zugleich verzichtet Becker & Kries darauf, Schadensersatz infolge einer verspäteten Zustimmung zu fordern.

„Mit der Zustimmung hat die Immobilie wieder eine Perspektive“, erklärte Christoph Gröner, geschäftsführender Gesellschafter der CG Gruppe. „Gemeinsam mit dem Land Berlin und dem Bezirk Steglitz werden wir das Projekt Steglitzer Kreisel voranbringen“, so Gröner. Die CG Gruppe werde den Sockel zum 1. April übernehmen.

„Problematische Geschichte“

Jens Metzger, Sprecher der Senatsverwaltung für Finanzen, sagte: „Das Land konnte die Zustimmung zum Verkauf nicht früher erteilen, da wesentliche Nachweise zur Finanzierung des Vorhabens nicht vorlagen.“ Aus Sicht des Landes sei bei allen Entscheidungen zum Steglitzer Kreisel besondere Sorgfalt geboten. Das Gebäude sei „wegen seiner problematischen Geschichte und seiner stadtentwicklungspolitischen Bedeutung eine der wichtigsten Immobilien in der Stadt“. Oberstes Ziel des Landes sei es, dass es dauerhaft eine tragfähige Perspektive für das Gebäude gebe. „Deshalb sind hier auch andere Maßstäbe anzulegen als beim Verkauf einer gewöhnlichen Eigentumswohnung“, so Metzger. „Und deshalb musste das Land auf einen nachvollziehbaren Nachweis zur Finanzierung bestehen.“ Die CG Gruppe sah keine Probleme bei der Finanzierung. Sie erklärte, sie habe die Forderungen erfüllt, die an sie herangetragen worden sind.

Sanierung für 157 Millionen Euro

Die CG Gruppe will bundesweit sowie in Berlin in den kommenden drei bis vier Jahren rund 1,5 Milliarden Euro investieren. In Berlin baut das Unternehmen derzeit unter anderem zusammen mit Kondor Wessels das Carré Raimar in Charlottenburg mit 209 Wohnungen. Neben dem Steglitzer Kreisel will die CG Gruppe noch ein anderes Hochhaus zu einem Wohnturm umbauen: Den Postbank-Tower in Kreuzberg.

Für die Sanierung des Steglitzer Kreisels inklusive des Grunderwerbs sind im Finanzierungskonzept der CG Gruppe 157,5 Millionen Euro vorgesehen. Um den Turm zu erwerben, muss die CG Gruppe jedoch noch eine Hürde nehmen. Der landeseigene Liegenschaftsfonds hat die Immobilie in einer öffentlichen Ausschreibung zum Kauf angeboten. Als Kaufpreis wird im Exposé ein „Richtwert“ von 14 Millionen Euro genannt. Insgesamt 14 Bieter haben bis zum Ende der verlängerten Bewerbungsfrist ihre Angebote eingereicht. Diese werden jetzt ausgewertet. „Wir hoffen, das Verfahren in den nächsten Monaten abgeschlossen zu haben“, sagt Marlies Masche vom Liegenschaftsfonds. Bis die Bauarbeiten am Turm beginnen können, wird es jedoch noch dauern.

Das Gebäude, das seit 2007 leer steht, wird derzeit asbestsaniert. Nach Angaben der Berliner Immobilienmanagement Gesellschaft (BIM), die für den Kreisel zuständig ist, sind die Arbeiten zur Schadstoffsanierung „zu gut 40 Prozent erbracht“, wie eine Sprecherin sagte.

In den Unter- und Sockelgeschossen sei die Sanierung im Wesentlichen abgeschlossen. „Aktuell laufen die Arbeiten zur Sanierung der Regelgeschosse, die bis Ende 2016 abgeschlossen werden.“ Die gesamte Schadstoffsanierung werde etwa 18,5 Millionen Euro kosten. Davon seien bisher acht Millionen Euro ausgegeben.