Der Lichtenberger Kiez rund um die Weitlingstraße wird ein Milieuschutzgebiet. Bezirkspolitiker und Anwohner diskutieren über die Maßnahme bereits seit Jahren. Nun hat die Bezirksverordnetenversammlung entsprechend entschieden. Beschlossen wurde der Schritt bereits am 17. Mai und soll ab dem 15. Juni mit der geplanten Veröffentlichung im Berliner Amtsblatt auch rechtsverbindlich gelten.

An das betroffene Gebiet grenzen unweit des S-Bahnhofs Lichtenberg nördlich die Frankfurter Allee sowie die Straße Alt Friedrichsfelde, westlich das Bahnareal zwischen den S-Bahnhöfen Lichtenberg und Nöldnerplatz, südlich die Lückstraße sowie Teile der Fischlerstraße und östlich die Marie-Curie-Allee, die Bietzkestraße und die Lincolnstraße bis zur Ecke Einbecker Straße. 

Grundlage für die Entscheidung des Bezirks war ein Gutachten des Planungsbüros Topos Stadtforschung. Ergebnis der Analyse ist unter anderem, dass der Mietspiegel im Weitlingkiez mittlerweile über dem Berliner Durchschnitt liege.

Auch bestehen fast 40 Prozent der Haushalte erst seit 2012, was für eine entsprechende Austausch der Mieter spreche. Dieser Wechsel wirke sich bereits spürbar auf die Mieten aus. Die zuziehende Bevölkerung verfüge zudem über ein höheres Einkommen als die bereits im Kiez lebenden Menschen.

Und: Mehr und mehr Mietwohnungen würden gezielt in Eigentum umgewandelt. Heißt konkret: Die Immobilien werden entweder aufgewertet und selbst vom Eigentümer genutzt oder kommen dann erneut auf den Markt - zu entsprechend höheren Preisen.

Im Hinblick auf aktuelle Bau- und Sanierungsvorhaben teilt die zuständige Bezirksstadträtin, Birgit Monteiro (SPD), der Berliner Zeitung auf Anfrage mit, dass unter anderem die Deutsche Wohnen im nun unter Millieuschutz stehen Areal größere Immobilienbestände gekauft habe. Im Süden des Gebiets befände sich zudem ein Neubaugebiet. Hier entstehen Eigentumswohnungen gehobenen Standards. Die Angst der Bewohner vor einer sich in den Mieten niederschlagenden schnellen Aufwertung des Kiezes rund um die Weitlingsstraße sei folglich nicht unbegründet.

Die für Stadtentwicklung zuständige Monteiro sieht mit Hilfe des Milieuschutzes aber eine echte Chance, die „Gentrifizierung im Weitlingkiez aufzuhalten.“

Bezirksbürgermeister Michael Grunst von der Linken sagt zwar, dass es nun eine Handhabe gäbe, weitere Verdrängungsprozesse zu vermeiden. Allerdings sei dies nur eine mögliche Maßnahme und „kein Allheilmittel im Kampf um bezahlbaren Wohnraum oder gegen Verdrängung. Dazu bedarf es vielmehr einer mieterorientierten Bundesgesetzgebung.“

Am 25. Juni ist um 18.30 Uhr eine Informationsveranstaltung für Anwohner in der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in der Heinrichstraße 31 geplant. Hier soll das für das Millieuschutz-Gutachten vorgestellt werden.