In Zeiten von Smartphones und lockerem Umgangston sehen viele Menschen Werte wie Höflichkeit und Respekt schon vor dem Untergang. Doch Benimm-Kurse boomen nach wie vor. Besonders Jugendliche interessieren sich für das Erlernen sozialer Kompetenzen.

„In den vergangenen zwei Jahren haben die Anfragen von Schulen enorm zugenommen“, sagte Jacqueline Schröder. Seit über 13 Jahren gibt die Berlinerin Knigge-Kurse für alle Altersgruppen in ganz Deutschland. Neben Schulen wende sich eine steigende Anzahl junger Menschen direkt an sie.

Interesse von Jugendlichen steigt

„Früher wurde ich zum größten Teil von Eltern kontaktiert. Heute melden sich die 12- bis 17-Jährigen direkt bei den Kursen an“, so Schröder. Oft wünschten sich die unter Zwanzigjährigen bessere soziale Umgangsformen, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. Viele möchten mit guten Manieren auch beim anderen Geschlecht punkten. „Das große Problem ist, dass soziale Kompetenz in vielen Schulen bewertet, aber nicht gelehrt wird“, sagte Schröder. Sie plädiert für ein Fach wie Werte- und Lebenskunde.

51 Prozent der Deutschen wünschen sich „Benehmen“ als Pflicht-Schulfach an Schulen, wie 2015 eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. Befragte aller Altersklassen wünschten sich mehr gegenseitige Anerkennung. Zwei Drittel  der 18- bis 24-Jährigen und vier von fünf Menschen, die älter als 55 Jahre sind, wünschten sich laut Umfrage mehr Respekt gegenüber älteren Menschen.

Teilnehmer von Benimm-Kursen kommen aus allen Berufs- und Altersgruppen

Fehlende soziale Fähigkeiten sind aber längst nicht nur bei Kindern und Jugendlichen verbreitet. „Meine Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern und Gruppierungen“, so Fulya Sonnenschein, die ebenfalls Knigge-Seminare in Berlin anbietet. Der Manager sei genauso vertreten wie die Hausfrau oder der Ehemann, der von seiner Frau zum Kurs geschickt wird.

Ein wachsender Themenbereich seien Kurse zur Interkulturellen Kommunikation, berichten beide Trainerinnen. Auch hier sei die Basis immer der gegenseitige Respekt und das Nachdenken über die eigenen Werte und die des Gegenübers. (dpa)