Berlin - Voll, voller, Tegel: Auf dem wichtigsten Berliner Flughafen ist die Zahl der Passagiere erneut gestiegen. Im Februar wurden 1.254.056 Fluggäste registriert. Das sind 5,1 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres, teilte die Flughafengesellschaft am Mittwoch mit. Weil die Nachtflugregelungen Ausnahmen zulassen, ist es auch spätabends, nachts und frühmorgens laut.

Gab es 2011 zwischen 22 und 6 Uhr 6816 Starts und Landungen in Tegel, wurden im vergangenen Jahr zu diesen Zeiten 8135 Flugbewegungen registriert, teilte die Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz auf Stadtflughäfen nach der Auswertung offizieller Daten mit. Nun haben Anwohner in einer Petition an den Bundestag gefordert, Flüge nach Schönefeld zu verlagern. Doch die Chancen dafür sind gering.

In Tegel starten und landen die Flugzeuge „zeitweise im Minutentakt“, heißt es in der Petition der Interessengemeinschaft Fluglärm Tegel an den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert. „Nicht nur die Gesundheit der Menschen ist gefährdet, sondern auch die europäischen Sicherheitsstandards und Katastrophenschutzbedingungen sind nicht mehr gewährleistet.“

Postflüge rauben Anliegern Schlaf

Darum verlangen sie, die Flüge, die nach dem 3. Juni 2012 in Tegel zusätzlich genehmigt wurden, zum Flughafen Schönefeld zu verlagern, der nur zu 35 Prozent ausgelastet sei. Am 3. Juni sollte eigentlich der BER den Betrieb aufnehmen, doch weil die Eröffnung mindestens bis Herbst 2014 auf sich warten lässt, haben viele Airlines ihr Angebot in Tegel erweitert. „Es ist eine neue Situation entstanden, die komplett neue Lösungen erfordert“, hieß es.

Doch der Senat machte den Bürgern keine Hoffnung. „Wir können nicht unter den Fluggesellschaften differenzieren nach dem Motto: Du darfst nach Tegel fliegen, Du nicht“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Die Verwaltung habe rechtlich keine Handhabe, Flüge nach Schönefeld zu verlagern.

„So etwas kriegen Sie nicht hin“, pflichtete Elmar Giemulla, Berliner Professor für Luftrecht, bei. So lange die Kapazität der Start- und Landebahnen sowie der anderen Betriebsanlagen in Tegel noch nicht zu 100 Prozent ausgeschöpft sei, müsse jeder Flug zugelassen, dürfe keine Airline abgewiesen werden. „Es gibt ein Recht auf Zugang zu jedem Flughafen“, sagte Giemulla. Eine Aufteilung des Verkehrs würde für die betroffenen Gesellschaften eine Diskriminierung darstellen, die nach europäischem Recht nicht zulässig ist und Nachprüfungsverfahren zur Folge hätte. „Wir können es nachvollziehen, dass Lufthansa und Air Berlin in Tegel bleiben und keine zweite Basis in Schönefeld einrichten wollen – allein wegen der Kosten“, sagte Gaebler. Air Berlin habe in Tegel einen Umsteigeknoten aufgebaut. Zudem, wissen Branchenkenner, wohnt die Kundschaft der beiden größten Gesellschaften vor allem im Tegeler Einzugsgebiet.

So lange diese Airlines nicht umziehen wollten, hätte eine Aufteilung des Verkehrs ohnehin wenig Sinn, sagte Horst Amann, Technikchef der Flughafengesellschaft FBB. Wenn nur kleinere Luftfahrtgesellschaften in Tegel ausziehen würden, „würde uns das für den Betriebsablauf in Tegel nichts bringen. Zu den Spitzenzeiten wäre weiter viel los.“

Und so nimmt der Verkehr in Tegel weiter zu – während das Fluggastaufkommen in Schönefeld im Februar mit 441 161 acht Prozent unter dem Vorjahresmonat lag. Im Oktober zog die Germanwings von SXF nach TXL. Selbst die Zahl der Postflüge, die stets im Zeitraum von Mitternacht bis 6 Uhr stattfinden, ist in Tegel gestiegen, teilte die Bürgerinitiative gegen das Luftkreuz mit: 2011 gab es 68 Starts und Landungen, im vergangenen Jahr 370.

„Tegel zu entlasten ist eine Frage des politischen Willens – den der Senat nicht hat“, sagte Anwohner Johannes Hauenstein. Die Verwaltung könnte die Betriebsgenehmigung neu festsetzen und dabei die Kapazität auf ein vertretbares Maß senken. Das wären elf Millionen Passagiere pro Jahr, so Hauenstein. 2012 gab es 18,2 Millionen Fluggäste.