Berlin wird in den kommenden Jahren große Probleme haben, genug Schulplätze zur Verfügung zu stellen. Das geht aus dem neuen Schulentwicklungsplan für Berlin hervor, der der Berliner Zeitung vorliegt. Demnach rechnet der Senat damit, dass die Schülerzahl an allgemeinbildenden Schulen bis zum Jahr 2022/23 um knapp 15 Prozent auf 335.720 Schüler zunehmen wird.

Besonders bemerkenswert: Während die Gesamtbevölkerung Berlins bis ins Jahr 2030 um etwa sieben Prozent zunehmen soll, heißt es nun vorausschauend, dass die Zahl der 6- bis 18-Jährigen im gleichen Zeitraum um 20 Prozent steigen wird. „Der größte Teil dieses Zuwachses wird bereits bis 2020 erfolgt sein“, heißt es in dem Plan, der an diesem Dienstag im Senat behandelt wird. Deshalb sollen 2500 Lehrer zusätzlich eingestellt werden.

Die Stadt kommt beim Bauen nicht hinterher

Vor besonders großen Herausforderungen stehen die östlichen Bezirke, insbesondere Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Pankow. Im Berliner Osten waren in den 1990er-Jahren wegen des Geburtenrückgangs und des Wegzugs ins Umland zahlreiche Schulgebäude aufgegeben oder gar abgerissen worden. Jetzt ist alles anders: Die Stadt kommt angesichts der wachsenden Schülerzahlen mit dem Bauen nicht hinterher.

„Der starke Anstieg hat zur Folge, dass die erforderlichen Schulraumkapazitäten bei den üblichen Planungs- und Bauzeiten nicht zeitgerecht zur Verfügung stehen würden“, räumt der Senat in seiner Planung ein. Deshalb müsse nun mit den Bezirken verstärkt geprüft werden, ob alte Schulstandorte wieder aktiviert werden können. Gleichzeitig sollen an geeigneten Standorten weitere Ergänzungsbauten in Modulbauweise entstehen. Mit diesen Bauten würde vor allem der kurzfristige Bedarf abgedeckt werden. „Neben der Reaktivierung leer stehender Gebäude setzen wir auch darauf, Flächen aus dem Landeseigentum zu sichern“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) auf Anfrage.

Große Hoffnungen setzten die Verantwortlichen in der Bildungsverwaltung auf die neue Liegenschaftspolitik des Senats. So sollen alle zum Verkauf stehenden landeseigenen Grundstücke daraufhin überprüft werden, ob sie als Schulstandort taugen. Wenn das der Fall ist, könnte die Bildungsverwaltung ein Veto gegen den Verkauf einlegen. Für die schulische Infrastruktur benötigte Flächen sollten auch langfristig „als Vorhalteflächen gesichert“ werden können, heißt es dazu bürokratisch in dem Senatspapier. Investoren, die landeseigene Grundstücke für Wohnbauprojekte erwerben, müssten zudem nicht nur Wohnungen, sondern auch Schulen mitbauen. Städtebauliche Verträge nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung bieten hier eine Handhabe. In der Vergangenheit hatte es in Berlin immer wieder Streit gegeben, weil die Bezirke bei größeren Wohnungsbauprojekten nicht an zusätzliche Kitas und Schulen gedacht hatten.

Belastungen für bestehende Gebäude

In den kommenden zehn Jahren werden zusätzliche Klassenräume und Gebäude laut den Planungen des Senats vor allem für Grund- und Sekundarschulen benötigt, aber auch für Gymnasien. Damit kommen auch erhebliche Belastungen auf bereits bestehende Schulgebäude zu. Künftig soll jede Grundschule mindestens drei statt zwei Klassen pro Jahrgang aufmachen und jedes Gymnasium mindestens vier statt drei Klassen. Stefanie Remlinger, Grünen-Bildungspolitikerin im Abgeordnetenhaus, fragt sich allerdings, wie in vollen Schulbauten zeitgemäße Pädagogik umgesetzt werden kann. „Im Kern geht es um die Frage, wie die Schulgebäude des 21. Jahrhunderts aussehen sollten“, sagte Remlinger.