Berlin - Herr Müller hat uns geantwortet, was wir begrüßen, aber auf die Probleme ist er in keinem Satz eingegangen“, sagt Ulrike Hamann, „er listet nur Zahlen auf“. Hamann, 37, ist eine von vier Vertretern der Mieterinitiative „Kotti & Co“, die am Freitag über den aktuellen Stand der Proteste gegen steigende Mietkosten am Kottbusser Tor berichtete. Die heiß ersehnte Antwort von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) ist ernüchternd für die Anwohner, aber außer zwei jungen Frauen und einigen Journalisten erreicht das an diesem windigen, wolkigen Morgen niemanden.

Seit acht Wochen protestiert „Kotti & Co“ rund um die Uhr in einem Bretterverschlag zwischen Skalitzer Straße und Admiralstraße und das wird weiterhin so bleiben. Der Senator hat zwar einer Konferenz mit der Mieterinitiative unter Teilnahme von Staatssekretär Ephraim Gothe im Herbst zugestimmt, aber weder hat er persönlich mit den Anwohnern gesprochen noch enthält sein Brief Hinweise darauf, dass er sich mit der sozialen Verdrängung im Viertel beschäftigt hat. So sieht es jedenfalls Ulrike Hamann. „Wir strecken keinesfalls nur die Hand aus, wir haben uns mit Experten hingesetzt und die Kosten durchgerechnet. Aber Herr Müller sagt nur, was alles nicht geht, was geht, das sagt er nicht.“

Alle gegen das "Schwachsinnsystem"

Es ist auch keine leichte Sache zu sagen, wie man die Sanierung der rund 8000 betroffenen, renovierungsbedürftigen Wohnungen am Kottbusser Tor finanzieren soll, ohne die Mietobergrenze von vier Euro netto kalt zu überschreiten, wie „Kotti & Co“ fordert. Mehr können die Mieter, von denen viele auf Hartz IV angewiesen sind, nicht bezahlen.

Aber viele von ihnen wohnen schon jahrzehntelang hier und wollen auch bleiben, obwohl ihre Mieten ohnehin schon seit Jahren um 13 Cent pro Quadratmeter und Jahr gestiegen sind. „Der Bezirk unterstützt uns mit allen Mitteln“, sagt Alexander Kaltenborn von „Kotti & Co“, „das haben sie auf der Bezirksverordnetenversammlung klar geäußert. Auch in der Mietobergrenze vier Euro netto kalt. Die Oppositionsparteien sind ebenfalls auf unserer Seite. Auch von der Regierung haben wir informellen Zuspruch. Alle sind sich darin einig, dass das System, das wir kritisieren, ein Schwachsinnsystem ist.“

Zwanzig Mieter zählt die Kerngruppe von „Kotti & Co“; die sich von Müllers Brief wenig beeindruckt zeigt. Sie würden nicht ruhiger, sondern lauter, auch wenn heute Ramadan beginne. „Bisher ging es kuschelig zu“, sagt Kaltenborn, „wir können aber auch böse werden.“ Man fragt sich, ob er dabei an die gewaltsame Auseinandersetzung um die Häuser in der Liebigstraße in Friedrichshain denkt.

Dazu sagt er nichts. Er sagt nur, „wir bekommen Unterstützung von Betroffenen aus der ganzen Stadt“. Am Sonnabend um 16 Uhr findet erstmal die sechste sogenannte Lärmdemonstration am Kottbusser Tor statt. Die Veranstalter rechnen mit 600 Teilnehmern. „Und wir überlegen, wie wir weiter Druck machen können“, sagt Ulrike Hamann.