Vier Monate nach dem Start des neuen Betreuungsgeldes für Eltern von Kleinkindern nimmt das Interesse an der umstrittenen staatlichen Leistung auch in Berlin langsam zu. Nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung gingen in den Bezirken bis Ende Oktober 1187 Anträge ein. Davon waren aber 225 ungültig. Ende September waren es erst 534. Beantragen können das Betreuungsgeld Eltern, die ihre ab August 2012 geborenen Kinder im ersten und zweiten Lebensjahr nach dem Ende der Elternzeit nicht in eine Kita geben wollen, sondern zu Hause betreuen.

Zum Vergleich: Am 31. Dezembers vergangenen Jahres lebten in Berlin 66.003 Ein- und Zweijährige. Davon besuchten 43 469 eine Kindertagesbetreuung und 22.534 nicht. „Es steht den Eltern frei, welche Betreuungsform sie wählen. Dass ich nicht zu den Verfechterinnen des Betreuungsgeldes zähle, ist kein Geheimnis“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Sie werbe aktiv dafür, dass Eltern ihre Kinder in einer Kita anmelden, denn der Kita-Besuch mache nicht nur Spaß, er eröffne auch Chancen und sei damit wichtig für die gesamte spätere Entwicklung.

In Charlottenburg-Wilmersdorf gab es die meisten Anträge

Mit 142 Betreuungsgeld-Anträgen liegt Charlottenburg-Wilmersdorf nach den Zahlen der Bildungsverwaltung an der Spitze der Bezirke. Danach folgen Pankow (140), Spandau (135) und Mitte (128). Die wenigsten Anträge gingen in Lichtenberg (53) und Treptow-Köpenick(48) ein. Einen eindeutigen Zusammenhang mit den Geburtenzahlen gibt es offenbar nicht. Zwar werden in Pankow tatsächlich besonders viele Kinder geboren, aber auch Lichtenberg zählt zu den kinderreichen Bezirken, steht jedoch auf der Rangliste an vorletzter Stelle.

Neukölln, ein Bezirk in dem die Quote der Einjährigen in den Kitas vergleichsweise gering ist, liegt mit 100 Anträgen im Mittelfeld. Für Eltern, die Hartz IV beziehen, gibt es keine Verbesserung: Die Zuwendung wird vom Arbeitslosengeld abgezogen. Der Anspruch auf Betreuungsgeld ist am 1. August parallel zum Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für unter dreijährige Kinder in Kraft getreten. Eltern, die für die Betreuung ihres ein- oder zweijährigen Kindes keinen öffentlich geförderten Platz in Anspruch nehmen, können vom Staat 100 Euro, ab 2014 dann 150 Euro pro Monat bekommen. (epd/ab.)