Angesichts der dramatischen Pensionierungswelle in den kommenden Jahren bemüht sich der Senat, einen funktionsfähigen öffentlichen Dienst aufrechtzuerhalten. Die Aufgabe ist ehrgeizig: Von den derzeit knapp 105.000 Vollzeitstellen in Senats- und Bezirksverwaltungen werden bis 2019 fast 29.000, also 27,5 Prozent, altersbedingt frei werden. Das weist die jüngste Prognose der Finanzverwaltung zur Beschäftigtenentwicklung aus. Seit Monaten arbeiten die Finanzverwaltung von Senator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) und die Innenverwaltung von Senator Frank Henkel (CDU) an einem Konzept, diesen Verlust an Mitarbeitern auszugleichen. Die Fluktuation droht ansonsten, ganze Bereiche arbeitsunfähig zu machen.

Durch die restriktive Einstellungspolitik der vergangenen Jahre – Ausnahmen gab es unter anderem für Lehrer, Polizisten und Finanzbeamte – ist der Altersdurchschnitt der öffentlich Bediensteten auf inzwischen 49,3 Jahre angestiegen. Gerade bei den Jahrgängen kurz vor dem Ruhestand gibt es exorbitante Steigerungen. Laut Prognose stieg die Zahl der mehr als 60-Jährigen in den Verwaltungen seit 2006, also innerhalb von sieben Jahren, um 58 Prozent. Die Altersstruktur hat sich insgesamt massiv nach hinten verschoben (siehe Grafik), so dass die Personalabgänge in den nächsten zehn bis 15 Jahren stets hoch bleiben werden.

Doch das ist nur noch wenige Jahre ein gewollter Effekt. Bis 2016 will der Senat die Zielzahl von 100.000 Vollzeit-Beschäftigten im unmittelbaren öffentlichen Dienst der Hauptstadt – also in Senats- und Bezirksverwaltungen, ohne die Landesunternehmen – erreicht haben; rund 80.000 davon in der Hauptverwaltung, rund 20.000 in den Bezirken. Weniger sollen es nicht werden. Es wäre, inklusive Auslagerungen wie den Kita-Eigenbetrieben, ein Personalabbau um etwas mehr als die Hälfte seit 1991, als Berlin nach der Vereinigung der beiden Stadtteile noch fast 207.000 Stellen hatte. Allein in den vergangenen zehn Jahren sind mehr als 32.000 Vollzeitstellen abgebaut worden.

Ausbildungsoffensive, um Lücken zu schließen

Ein stadtweites Personalbedarfskonzept hat die Koalition aus SPD und CDU mit dem Haushaltsentwurf für die Jahre 2014 und 2015 gleich mit beschlossen. Schwerpunkt ist eine Ausbildungsoffensive, um per Neueinstellungen von in Berlin ausgebildeten Fachkräfte die Lücken zu schließen. Schon 2012 werden 8 860 Beschäftigte ausgebildet, das ist eine Quote von 8,4 Prozent – deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 5,5 Prozent.

Bis 2015 sollen Berlins Ausbildungsmittel laut Etatentwurf um fast 20 Millionen Euro aufgestockt werden, um so weitere 1 340 Plätze zu finanzieren. Die Ausbildungsquote stiege damit auf rund zehn Prozent. Hinzu kommen noch einmal zehn Millionen Euro als Reserve, falls weitere Mittel benötigt werden, etwa um Neueinstellungen vorzuziehen oder noch mehr Ausbildung zu finanzieren. Es gehe darum, den „Wissenstransfer“ der Älteren zum Nachwuchs zu sichern, betont Finanzsenator Nußbaum bei jeder Gelegenheit. Dafür müssen die Generationen aber eine Weile zusammengearbeitet haben. Erst jüngst räumte der Senator ein, dass aufgrund des Spardrucks der vergangenen Jahre „qualitative Aspekte der Personalentwicklung“ vernachlässigt worden seien.

Einige Bereiche sind durch das Ausscheiden der künftigen Ruheständler besonders gefährdet. Daher soll eine neue „Servicestelle“ bereits in diesem Jahr beginnen, wie eine verwaltungsinterne Arbeitsagentur Mitarbeiter auf Stellen zu vermitteln, die dringend nachzubesetzen sind. Laut Nußbaum soll die Servicestelle auch Qualifizierungsmaßnahmen steuern. Sie richte sich an „alle Dienstkräfte, die sich beruflich verändern möchten“, sagt Nußbaum.

Um die Attraktivität des öffentlichen Dienstes in Berlin zu verbessern, sollen zudem Führungskräfte besser gefördert werden. Finanz- und Innenverwaltung haben dafür bereits ein Konzept erarbeitet, mit dem das Thema „erstmals systematisch“ angegangen wird, wie es heißt. Hauptproblem ist, dass Berlin seine Angestellten und erst recht seine Beamten unterdurchschnittlich bezahlt. Daher müssen andere Angebote her: Ziel ist letztlich ein besseres Arbeitsklima, etwa durch optimale Aufgabenverteilung und eine gut organisierte Balance zwischen Arbeit und Privatleben.

„Schlechte Führungskräfte und Chefs, die ihre Mitarbeiter nicht fördern, sind Motivationskiller“, sagt Senator Nußbaum. Ablesbar sind solche Probleme etwa am Krankenstand. Der liegt im öffentlichen Dienst von Berlin mit gut zehn Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.