Berlin - Nach außen wird sich nichts ändern an den Gates des Flughafens Tegel. Weiterhin wird das Check-in-Personal die Passagiere von Lufthansa, Swiss und anderen Airlines in adretten blauen Uniformen mit dem Logo des Traditionsunternehmens Globeground begrüßen. Doch hinter den Kulissen stehen Umwälzungen bevor. Denn Globeground hat seiner eigenen Tochtergesellschaft, der Aviation Passage Service Berlin (APSB), die Verträge gekündigt. Das Unternehmen wird seine Tätigkeit einstellen. Rund 220 Mitarbeiter verlieren Anfang November ihre Jobs.

Am Mittwochnachmittag wurden sie von APSB-Geschäftsführer Bernhard Alvensleben auf einer Betriebsversammlung informiert. Statt APSB werden nun andere Unternehmen im Auftrag von Globeground arbeiten, deren Mitarbeiter teilweise deutlich weniger verdienen. Denn obwohl an den Berliner Flughäfen die Passagierzahlen Jahr für Jahr steigen, stehen die Abfertiger unter Druck. Grund ist der erbarumungslose Konkurrenzkampf der Airlines.

Globeground gehörte bis 2008 der Flughafengesellschaft und der Lufthansa und wurde dann von dem Frankfurter Dienstleistungskonzern Wisag übernommen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) versprach damals, die Arbeitsplätze würden langfristig gesichert.

Verhandlungen über Sozialplan

Heute, sechs Jahre später, hat sich Globeground radikal verändert. Wisag strukturierte das Unternehmen 2012 um und trennte die Vorfeld-Tätigkeiten unternehmerisch vom Abfertigungsgeschäft, die Abfertigungsmitarbeiter wechselten in das eigens gegründete Tochterunternehmen APSB. Globeground selbst ist inzwischen eine Holding. Sie vergibt Aufträge an Dienstleistungsunternehmen, die miteinander konkurrieren. Insgesamt sind nach Auskunft von Flughafensprecher Ralf Kunkel alleine in der Abfertigung an den Berliner Flughäfen 18 Unternehmen tätig.

Globeground fordert von allen Auftragnehmern, dass sie Gehälter entsprechend des 2013 vereinbarten Flächentarifvertrags zahlen. Die darin vereinbarten Gehälter liegen jedoch deutlich unter dem Lohnniveau bei APSB. Manche APSB-Beschäftigte mit mehreren Jahrzehnten Berufserfahrung müssten beim Wechsel in ein Unternehmen mit Flächentarifvertrag Lohneinbußen von bis zu 1000 Euro hinnehmen, sagt die Betriebsratsvorsitzende Cornelia Hecht.

Die Stimmung unter den Angestellten sei deprimiert, sagt sie, auch wenn das Ende von APSB absehbar gewesen sei. So verlor das Unternehmen im Sommer den Auftrag für die Abfertigung in Schönefeld. Zuvor war der Zuschlag für die Air-Berlin-Flüge an das Unternehmen Airlink gegangen. Auch einige APSB-Mitarbeiter wechselten zu dem Konkurrenten und nahmen teilweise Gehaltseinbußen in Kauf.

Cornelia Hecht beharrt darauf. dass die Gehälter bei APSB angemessen seien. „Wir arbeiten im Schichtdienst und in einem Hochsicherheitsbereich.“ Außerdem sei APSB ein sehr effizientes Unternehmen. „Bei uns machen drei Leute die Arbeit, für die andere Firmen sieben Angestellte brauchen.“ Am 3. November ist der letzte Arbeitstag für die APSB-Beschäftigten. Betriebsrat und Geschäftsführung wollen nun über einen Sozialplan verhandeln.