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Anfragen hatte es schon einige gegeben, trotzdem verweigerten sich der Sänger und der Schauspieler, Vater und Sohn, bisher immer gemeinsamen Interviews. Für die eine Ausnahme schlug Ludwig Trepte das Lokal Blaues Band in der Alten Schönhauser Straße in Mitte vor. Weil er dort öfter sitzt und weil er mit seinem Vater, dem Sänger Stephan Trepte, nur fünf Autominuten entfernt im Bezirk Prenzlauer Berg wohnt. Beide sind die einzigen Künstler der Familie (Ludwig: „Der Rest besteht aus Überlebenskünstlern“), das bringt besonders viel Verständnis für die Situation des Anderen mit sich.

Stephan Trepte war als Sänger von DDR-Bands wie Lift, electra und Reform ein Star. „Wenn ich in einer Sendung des DDR-Fernsehens zu sehen war, dann wurde ich am nächsten Tag in Dresden, wo man ja nur die beiden Ost-Programme empfangen konnte, in der Kaufhalle darauf angesprochen. Das habe ich hinter mir. Jetzt ist Ludwig dran!“ Vater Trepte sang Lieder wie „Tritt ein in den Dom“, „Nie zuvor“, „Soldat vom Don“ und „Mein Herz soll ein Wasser sein“. Letzteres gehört aktuell zum Repertoire von Jan Josef Liefers, wenn der mit seiner Band auf Tour ist.

Papa liest sogar die Drehbücher

Mit der Antwort auf die Frage, ob er Lieder seines Vaters auswendig könne, überrascht der 23-Jährige: „Viele!“ Stephan Trepte wirkt spontan perplex: „Das wusste ich nicht.“ Der Sohn erklärt: „Ich mag viele seiner Lieder sehr gern. Das ist auch Band-abhängig. Die Band Reform mag ich musikalisch wie inhaltlich am meisten.“ Sein Vater schaut sich ausnahmslos alles an, was der üppig mit Auszeichnungen wie dem Grimme-Preis (gleich zweifach), Goldener Kamera und dem Max-Ophüls-Preis geehrte Ludwig dreht. „Ich lese, wenn ich die Zeit finde, sogar vorher die Drehbücher. Als er noch jünger war, habe ich dann mitunter gefragt: Willst Du das wirklich machen?“

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Wenn es sich einrichten lässt, schauen Vater und Sohn Ludwigs Filme gemeinsam an. Diesen Montag wird das wieder so sein. In der ARD läuft zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr „Rate mal, wer zur Hochzeit kommt“, was eine doppelte Premiere wird. Weil der Film zum ersten Mal läuft und Ludwig Treptes erste Komödie ist. Sein Vater: „Darauf bin ich sehr gespannt. Auch wegen Henry Hübchen, der mitspielt.“ Der Vater sah früh, dass sein Sohn als Schauspieler seinen Weg gehen würde: „Er war damals noch Schüler und ich hatte den Eindruck, dass er in die Filmerei gut reinpasst“, sagt er. „Wir haben dann auch die Schule gewechselt, nachdem der Direktor wegen der Freistellungen für die Dreharbeiten Stress gemacht hatte.“

Dass Ludwig als Autodidakt unterwegs ist, bereitet seinem Vater keine schlaflosen Nächte: „So viele Schauspieler haben studiert und keinen Job! Ludwig war mal bei einem Workshop an einer Filmhochschule und sagte danach: Papa, an 10 Drehtagen lerne ich mehr als in einem jahrelangen Studium.“

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Wenn sich ein Kindheitswunsch von Stephan Trepte erfüllt hätte, dann würde der 61-Jährige heute auch vor der Filmkamera stehen. „Als ich sechs Jahre alt war, hatten wir zu Hause in Radebeul weder Radio noch Fernseher. Also bin ich in jede Vorstellung des Kinos Flohkiste gegangen. Manchmal habe ich dort den ganzen Tag verbracht und mir immer wieder denselben Film angeschaut.“ Dabei wuchs ein Berufswunsch: „Damals habe ich gedacht, wenn ich groß bin, werde ich Schauspieler. Weil ich die Zuschauer zum Heulen bringen wollte, wie es der Film ,Der Mameluck’ bei mir geschafft hatte.“ Als Schüler nahm Stephan Trepte an Rezitationswettbewerben teil. Und im Film „Kombat Sechzehn“, in dem sein Sohn seine erste Kinohauptrolle spielte, war er als Komparse dabei. Ein gemeinsamer Film soll noch entstehen. Beide wollen darüber nicht viel verraten. Nur soviel: Es wird um das wilde Leben von Stephan Trepte gehen.

Vater und Sohn sind Nachbarn in einem Haus im Bötzowviertel. Sie sehen und sprechen einander täglich. Manchmal ist es nur ein „Wie geht es Dir?“ von Balkon zu Balkon. Manchmal ist es mehr. Stephan Trepte erzählt: „Gestern kam Ludwig zu mir runter und sagte: Papa, ich habe „ne Bitte. Du hast jetzt drei Tage lang getrunken, jetzt ist mal Schluss!“ Der Sohn hatte recht: „Es ging mir schlecht“, sagt der Vater. Ludwig weiß auch, warum: „Wir sind ja keine 15 mehr.“

Kein Problem mit Partytouristen

Stephan Trepte hat sich aus der Musikbranche weitgehend verabschiedet und bezeichnet seine gelegentlichen Auftritte als Hobby: „Ich habe alles gesagt und gesungen. Jetzt müssen die Jungen ran.“ Seinen Lebensunterhalt bestreitet er mit der Vermietung von Ferienapartments in Prenzlauer Berg. Probleme mit Partytouristen, die den Nachbarn den Schlaf rauben, hat er dabei nicht: „Ich habe viele Gäste in meinem Alter. Die kommen oft aus Schwaben und besuchen ihre Kinder in Berlin. Die sind ganz ruhig und umgänglich.“