Himmelsanblick von Berlin im Januar.
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BerlinSterne, Planeten, Emotionen. Vor uns liegen 940 Millionen Kilometer neuer Begegnungen, Erfahrungen, Freundschaften und Herausforderungen, die vom kosmischen Lauf der Erde, der Planeten und der Sterne begleitet werden. Willkürlich legen wir auf dem etwas über 365 Tage dauernden Orbit fest, wo und welche neue Runde beginnt. Der 1. Januar ist somit gleichzeitig der Beginn des japanischen Jahres 2680. Blicken wir weiter um die Welt, beginnt am 25. Januar das 37. Jahr im 79. Zyklus des traditionellen chinesischen Kalenders als das Jahr der Ratte, das islamische Jahr 1442 wird am 19. August eingeläutet und ab dem 18. September wird das jüdische Jahr 5781 gefeiert.

Allen Kalendern liegt die genaue Beobachtung des Kosmos zugrunde – Monat und Jahr sind nur die auf unterschiedliche Weise niedergeschriebenen Zyklen des Himmels, die uns gewisse soziale Strukturen und Handel ermöglichen. Das neue Jahr beginnt mit astronomisch perfekten Bedingungen langer Nächte und kurzer Tage, um dem Chaos irdischen Treibens zu entkommen und fernab der Stadtlichter die feiertägliche Massenträgheit zu überwinden. Die weihnachtlichen Feierlichkeiten haben trotz des gegenläufigen Eindrucks global keine Veränderung der Erdmasse von 5,97 Trilliarden Tonnen zur Folge gehabt. Auch hier bleibt es ein kosmischer Kreislauf.

Gleich am 5. Januar erreicht die Erde unbeeindruckt den sonnennächsten Punkt auf ihrer elliptischen Umlaufbahn. Uns trennen dann 147 Millionen Kilometer von unserem Tagesgestirn Sonne. Viel dichter und einträglicher ist uns der Mond ein Wegweiser durch die Nacht: Am 3. Januar leuchtet die Sichel des zunehmenden Halbmondes (erstes Viertel) am Abendhimmel, der Vollmond mit halbschattiger Mondfinsternis belebt die Nacht des 10. Januar, der abnehmende Halbmond (letztes Viertel) kann am 17. Januar beobachtet werden, und am 24. Januar verschwindet der Mond zwischen Sonne und Erde als Neumond. Knapp über 29 Tage benötigt der Mond für einen Orbit um die Erde. Zwölf Mondmonate ergeben nur ein Jahr von 354 Tagen, sodass unsere heutigen Monate vom Namensgeber Mond entkoppelt sind und die etwas krude Aufteilung von 30 oder 31 Tagen mit dem Ausreißer des Februars aufweisen. Das Jahr 2020 wird zur Synchronisation kosmischer und irdischer Abläufe ein Schaltjahr mit einem 29. Februar.

Halbschatten-Mondfinsternis am 10. Januar

Am Abend des 10. Januar erleben wir eine halbgare Halbschatten-Mondfinsternis. Auch wenn der Mond ab 18.06 Uhr langsam in den Erdschatten hineinwandert und bis 20.10 Uhr zu 92,1 Prozent im Halbschatten der Erde liegt, so wird nur das geübte Auge einen leichten Grauschleier über dem Mond erkennen. Bis 22.14 Uhr wandert der Mond dann langsam wieder aus dem Erdschatten heraus. Die Mondbahn ist gegen die Ebene Sonne–Erde geneigt, sodass es bei Vollmond nur alle halbe Jahr zu einer Mondfinsternis kommt. In diesem Fall wandert der Mond nicht zentral durch den Schatten hindurch, sodass wir nur ein stark abgeschwächtes Schauspiel bewundern können.

Der Planet Venus hingegen erstrahlt schon kurz nach Sonnenuntergang in Richtung Westen als Abendstern – von Wintermüdigkeit keine Spur. Venus durchschreitet schnell die Sternbilder Steinbock und Wassermann. Im Fernrohr oder im Feldstecher offenbart sich ihre wahre Gestalt, da sie als von der Erde aus gesehen innerer Planet Beleuchtungsphasen aufweist. Im Januar erscheint sie im Fernrohr passend zur Jahreszeit noch klein und rundlich. Am 27. Januar wandert der Planet der Liebe nur in geringem Winkelabstand am Planeten Neptun vorbei. Natürlich sind diese beiden Planeten Millionen Kilometer voneinander entfernt. Nur von der Erde aus gesehen stehen beide in derselben Himmelsregion. Zu Beginn des Jahres geht Venus um 18.54 Uhr, am 31. Januar erst um 20.32 Uhr unter.

Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel über Berlin in seiner allnächtlichen Schönheit etwas später: Am 1. Januar um 23 Uhr, am 15. Januar um 22 Uhr und am 31. Januar um 21 Uhr. Über dem Nordosthorizont steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährender Wegweiser zum Polarstern: Einen Teil des Sternbildes kennen wir gemeinhin als Großen Wagen. Verbindet man die hinteren beiden Sterne des Wagenkastens und verlängert diese Linie fünfmal nach oben, erreicht man den Polarstern. Zieht man die kürzeste Verbindung zum Horizont, findet man die Nordrichtung. Verlängert man die gedachte Linie über den Polarstern hinaus, erreicht man das Himmel-W, das Sternbild Kassiopeia, die als eitle, schlanke Königin den Weg zu den Sternen gefunden hat.

Wintersechseck mit prächtig hellen Sternen

In südlicher Richtung hat sich der Winterhimmel eingerichtet. Imposant erstreckt sich das Wintersechseck mit prächtig hellen Sternen: Kapella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier, Rigel im Orion, Sirius im Großen Hund, Prokyon im Kleinen Hund und Kastor in den Zwillingen. Das Sternbild des Himmelsjägers Orion ist dabei die auffälligste Sternenanordnung. Dennoch ist viel Fantasie gefragt, um aus der Reihe der drei Sterne einen Gürtel zu erkennen. Die zwei hellen Sterne „oben“ stellen die Schultern dar und die zwei Sterne Rigel (17 Sonnenmassen) und Saiph (16 Sonnenmassen) die Knie. Hier finden wir auch das berühmte Sternentstehungsgebiet M42, den Orionnebel. Der Stern Beteigeuze in der Schulter des Orion ist mit 20 Sonnenmassen ein ziemlicher kosmischer Klopper. Als Roter Überriese steht der Stern vor dem Kollaps, dem größten anzunehmenden Sternenunfall im Kosmos, einer Supernova. Derzeit schwächelt der Stern, und Astronomen wie Amateurastronomen sind aufgerufen, ihn genauer zu beobachten. Auch wenn der Sternentod in kosmisch naher Zukunft passieren wird, kann dies immerhin noch Hunderttausende Jahre dauern.

Um Aldebaran (1,7 Sonnenmassen) im Sternbild Stier zu finden, eignet sich der Gürtel des Orion als Wegweiser. Verlängert man diesen nach oben, erreicht man den gesuchten Stern. Verlängert man die Sternreihe gen Horizont, findet sich dort der hellste Fixstern des Himmels, Sirius im Sternbild Großer Hund.

Auf weitere Planeten müssen wir bis in die frühen Morgenstunden warten. Den Anfang macht Mars, der im Januar nahezu konstant um 5 Uhr aufgeht. Dabei durchwandert er die Sternbilder Waage, Skorpion und Schlangenträger, den der Mars am 15. Januar betritt. Am 17. Januar wandert er dicht am Stern Antares, dem hellsten Stern im Sternbild Skorpion, vorbei.

Jupiter, der größte und mit 318 Erdmassen massereichste Planet unseres Sonnensystems, ist ebenfalls nicht untätig. Gegen Monatsende kämpft er sich im Sternbild Schütze aus dem hellen Schein der Sonne hervor und kann zumindest kurz am Morgenhimmel beobachtet werden. Am 31. Januar geht der Riesenplanet um 6.37 Uhr auf.

Sternschnuppenstrom bis 10. Januar

Nicht minder schön erscheinen uns Sternschnuppen, auch wenn diese nur wenige Milligramm bis Gramm schwer sind – kosmische Staubkörnchen, die mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre eindringen und verglühen. Vom 1. bis 10. Januar ist der Sternschnuppenstrom der Quadrantiden aktiv. Scheinbar ausgehend vom Sternbild Bärenhüter (lat. Bootes) können beim Maximum in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar unter guten Bedingungen bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde bestaunt werden.

Im Januar haben wir die längsten Nächte und kürzesten Tage überwunden, das Bergfest der Wintersonnenwende gefeiert und blicken gemeinsam auf ein neues, spannendes Jahr. Unumstößlich sind die Kreisläufe des Universums, die uns Zeit und Orientierung geben – auch wenn es auf Erden so mancher nicht mehr ganz genau nimmt mit den kosmischen Wahrheiten und offen unumstößliche Fakten infrage gestellt werden. Mögen uns die nächtliche Ruhe und die kosmischen Wahrheiten des schier unendlichen Universums Trost und Kraft spenden, um der irdischen Entropie der Gesellschaft entgegenzuwirken. Neben Zeit und Raum ist auch das Gewicht bzw. die Masse im Kosmos nur relativ. Sollten wir irgendwann einmal die Möglichkeit einer Kolonialisierung des Mondes angehen, ergeben sich durch die im Vergleich zur Erde geringere Masse des Mondes ungeahnte Möglichkeiten. Denn auf dem Mond würde alles, was wir kennen, Menschen, Tiere, Festtagsbraten nur ein Sechstel des üblichen wiegen. Ein kosmischer Trost – im Himmel wie auf Erden.