Berlin - Auch die Aussicht auf eine so angesehene Auszeichnung wie den Titel „Berliner Meisterkoch“ hat den Finnen Sauli Kemppainen nicht in der Stadt halten können. Der Sternekoch verließ das Restaurant Quadriga im Hotel Brandenburger Hof zu Beginn der Sommerpause Richtung Heimat, wo er ein eigenes Lokal planen soll. Damit ist der Michelin-Stern futsch. Sebastian Völz, Kemppainens Nachfolger am Herd in der Eislebener Straße, muss ihn erst neu erkochen.

Das funktioniert üblicherweise nicht so schnell, im nächsten Michelin-Führer dürfte das Restaurant Quadriga also wohl unbesternt bleiben (es sei denn, die Tester kämen mal besonders flott vorbei). Völz lernte den Kochberuf in seiner Geburtsstadt Weimar im Hotel Elephant. Berliner Gourmets begegneten ihm seit 2007 in verschiedenen Funktionen in den Lokalen im Hotel Adlon.

Bei der Vergabe des begehrten Titels „Berliner Meisterkoch“ hat der Weggang Sauli Kemppainens die Chancen der übrigen Kandidaten Matthias Diether (first floor), Daniel Achilles (Reinstoff), Sebastian Frank (Horváth) und Hendrik Otto (Lorenz Adlon Esszimmer) erhöht. Am 6. September wird der Gewinner dann bekannt gegeben.

Gayle Tufts im Prime Time Theater

Es gibt große, aufwendige Theaterinszenierungen, bei denen die Drehbühne rotiert, die pyrotechnischen Effekte knallen, der Lichtmann zaubert und das Ballett schwitzt. Und es gibt die minimalistische Variante. Letztere kann durchaus ihren Reiz haben und glänzt durch besondere Flexibilität. Man mag von den „Vagina Monologen“ halten was man will (schon der Titel!), die Form dieses Monolog-Theaters war genial: Da lasen Frauen Texte vor. Nichts musste auswendig gelernt werden, es waren kaum Proben nötig.

So kam es, dass viel beschäftigte Film- und Fernsehschauspielerinnen wie Iris Berben und Heike Makatsch als Überraschungsgäste auf der Bühne auftauchten. Bei den „Vagina Monologen“ sammelte auch die Entertainerin Gayle Tufts schon Erfahrungen mit dieser Art von Theater.

Und sie, die sonst einen ganzen Abend singend, plaudernd und tanzend über die Bühne wuselt (wie auch wieder während des Septembers in der Bar jeder Vernunft mit „Some like it heiß“), liebt es: „Ich genieße es, einfach mal Teil eines Ensembles zu sein und nicht den ganzen Abend auf meinen Schultern tragen zu müssen.“

Diese besondere Erfahrung gönnt sie sich wieder ab Oktober. Im Prime Time Theater wird sie in „Liebe, Leid und alle meine Kleider“ zusammen mit vier Kolleginnen auf der Bühne stehen und monologisieren. Es geht um den Kleiderschrank ihrer Erinnerungen, Schönheits-ideale, Selbstzweifel, Gewichtsprobleme. Gayle Tufts mag das Stück von Autorin Nora Ephron, von der die Drehbücher für Filmhits wie „Harry und Sally“ und „Schlaflos in Seattle“ stammen: „Es ist so witzig! Ich liebe ihren jüdischen Humor.“

Das Prime Time Theater kennt sie von vielen Besuchen als Zuschauerin der dort seit Januar 2004 laufenden Theater-Sitcom „Gutes Wedding – schlechtes Wedding“, von der alle vier Wochen eine neue Folge auf die Bühne kommt: „Ich bin ein großer Fan, das ist ein witziges, neues Volkstheater.“ Dieses Haus in der Müllerstraße 163b (Tickettelefon 49 90 79 58) braucht nach ihrer Einschätzung keinen Vergleich zu scheuen: „Das könnte so auch in Brooklyn stehen.“

Bei den Vorstellungen von „Liebe, Leid und alle meine Kleider“ (Premiere am 5. Oktober) stehen jeweils fünf Frauen auf der Bühne. Die Besetzung wechselt. Zum Ensemble stoßen immer wieder Sabine Kaack („Diese Drombuschs“), Susanne Pätzold und Petra Nadolny (beide: „Switch Reloaded“).