So mancher träumte sich an den vergangenen Hitze-Tagen an einen anderen Ort im Kosmos, vielleicht auf den Mond. Nur gut, dass es jetzt etwas kühler geworden ist, dass die Nächte länger werden und die Tage kürzer, sodass man gut durchlüften kann. Der jährliche Umlauf unserer Erde um die Sonne schreitet unermüdlich voran, und mit der Tag-und-Nacht-Gleiche am 23. September beginnt der astronomische Herbst. An diesem Tag geht die Sonne um 19:03 Uhr über Berlin unter, gegen 20 Uhr ist es dunkel genug, um den Sternenhimmel betrachten zu können. Der Herbstanfang offenbart uns, dass die Erdachse 23,5° gegen die Ebene Sonne- Erde geneigt ist und die Jahreszeiten nur durch diese Schieflage und den sich über das Jahr hinweg verändernde Sonneneinfall entstehen.

Noch in der Dämmerung fällt der Blick auf Jupiter, den größten Planeten des Sonnensystems. Am 1. September ging Jupiter um 23.09 Uhr unter, am 30. September wird es um 21.25 Uhr sein. Die immer früher untergehende Sonne rettet dem größten Gasplaneten konstante zwei Stunden Sichtbarkeit, obwohl er im Sternbild Schlangenträger nur knapp über dem Horizont steht.

Sternenhimmel: Im Nordwesten steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährender Wegweiser zum Polarstern

Derzeit sind stolze 79 Monde bekannt, die Jupiter auf zum Teil merkwürdigsten Bahnen umrunden. Ein Indiz dafür, dass sich der Riesenplanet einige Asteroiden, vagabundierende Gesteinsbrocken im Sonnensystem, eingefangen hat. Die Entstehungsgeschichte des Sonnensystems gleicht einem gigantischen Tanz, bei dem Jupiter mit seiner großen Masse die vielen aus der Bildung der Planeten übriggebliebenen Gesteinsbrocken auf geregelte Bahnen gezwungen hat.

Etwas leichter zu erspähen ist der Ringplanet Saturn, der seine Untergänge ebenfalls um zwei Stunden von 1.16 Uhr am Monatsanfang zu 23.17 Uhr am 30. September, verlagert. Im Sternbild Schütze steht Saturn nicht unbedingt höher als Jupiter, doch kann er sich durch seine späteren Untergangszeiten besser gegen die Dämmerung durchsetzen. Hier sind es immer noch 62 bekannte Monde.

Die Sternkarte zeigt den Sternenhimmel jeweils etwas später in der Nacht: am 1. September um 0 Uhr, am 15. September um 23 Uhr, am 30. September um 22 Uhr. Im Nordwesten steht das Sternbild des Großen Bären als immerwährender Wegweiser zum Polarstern, der uns wiederum den Weg gen Norden weist. Einen Teil des Sternbildes der Großen Bärin kennen wir gemeinhin als Großen Wagen. Verlängern wir die gedachte Linie über den Polarstern weiter, erreichen wir das Himmels-W, das Sternbild Kassiopeia. In dieser Konstellation eine sitzende Königin zu erkennen, die sich mit Spiegel in der Hand ihre Haare kämmt, bleibt auch für das geübte Auge gewagt.

Mond im September: In der Nacht des 14. September leuchtet der Vollmond

Unser Mond eignet sich wunderbar als Zeitmesser über irdische Wahlperioden hinweg, da er seit seiner Entstehung die Erde auf seiner elliptischen Bahn umrundet und je nach Beleuchtung die bekannten Mondphasen entstehen: Am 6. September steht der Halbmond (erstes Viertel) am Abendhimmel, der Vollmond erleuchtet die Nacht des 14. September, der abnehmende Halbmond (letztes Viertel) steht am 22. September am Morgenhimmel, am 28. September verschwindet der Mond als Neumond zwischen Sonne und Erde. Besonders schön anzusehen ist es, wenn am Abendhimmel des 8. September der Mond nahe Saturn steht.

Im Süden wandern die hellsten Sterne des Sommers stetig gen Westen. Wega in der Leier, Atair im Adler und Deneb im Schwan bilden das Sommerdreieck, während die Herbststernbilder um das Herbstviereck, dem Sternbild Pegasus, schon auf ihren großen Auftritt warten. Knapp unterhalb des Sommerdreiecks steht das kleine, aber einprägsame Sternbild Delfin.

Ein ganzes Geschichtsepos entfaltet sich am Herbsthimmel in Form der Sternbilder. Der Sage nach hatte die eitle Königin Kassiopeia (das Himmels-W), sträflich behauptet, schöner als die Meeresnymphen der Nereiden zu sein, was jene so sehr erzürnte, dass der Meeresgott Poseidon Vergeltung schwor. Er schickte das Meeresungeheuer Cetus (am Himmel als Walfisch zu finden) auf das Land von Kassiopeia und ihrem Gemahl König Kepheus. Nur durch das Opfer der einzigen Tochter Andromeda sollte das Unheil, die Zerstörung des ganzen Landes, abgewendet werden. Gut nur, dass der Held Perseus der bereits an Felsen geketteten jungen Dame zur Seite sprang und sie rettete, spätere Heirat inklusive.

Sonnensystem: Planet Neptun wurde in Kreuzberg entdeckt

Dieser hochmotivierte Held hatte kurz zuvor die schlangenköpfige Medusa besiegt und nutzte nun ihr Haupt, um das Ungeheuer zu Stein werden zu lassen und damit zu besiegen. Pegasus hingegen war bei dem Kampf mit der Medusa aus ihrem Blut und den Wogen des Mittelmeeres entstanden.

Heute findet man solche Geschichten nur noch im Privatfernsehen. In den Mythen verstecken sich vielleicht wissenschaftliche Beobachtungen. So lässt sich erkennen, dass Algol, das schreckliche Auge der Medusa und der Zweithellste im Sternbild Perseus, über Tage hinweg die Helligkeit verändert. In einer Periode von 2,87 Tagen umrunden sich hier zwei Sterne. Je nachdem ob sie nebeneinander oder voreinander stehen, ändert sich ihre Gesamthelligkeit. Eine Koalition der Sterne, wie sie sehr häufig im Kosmos zu finden ist. Gar Konstellationen aus drei Sternen und mehr können über Milliarden Jahre hinweg stabile Systeme bilden.

Im Sternbild Wassermann versteckt sich für das menschliche Auge unsichtbar ein weiterer Planet, der am 23. September 1846 aus Berlin, genauer aus Kreuzberg heraus, entdeckte Neptun. Seine Entdeckung gleicht einer Kriminalgeschichte und offenbart die Wichtigkeit der internationalen Zusammenarbeit in der Forschung. Es war der Franzose Urbain Le Verrier, der die Position des Neptun vorausberechnete, und der Berliner Sternwartenassistent Johann Gottfried Galle, der letztlich den Planeten entdeckte. Am 10. September steht der Planet Neptun in Opposition und kann aufgrund seiner großen Entfernung nur mit einem Teleskop – zum Beispiel eines der Berliner Sternwarten – beobachtet werden.

Bis Mitte September zieht die Internationale Raumstation ISS ihre Bahn über Berlin

Beim Anblick des Sternenhimmels offenbart sich die ganze Geschichte des Kosmos. Mit unseren Augen sehen wir nur einen Bruchteil unserer Milchstraße, unserer Heimatgalaxis aus 300 Milliarden Sternen. Oft kaum zu beobachten und doch überall beheimatet, findet sich eine ganze Klasse verhinderter Sterne, sogenannter Brauner Zwerge. Das sind Sterne, bei denen die Kernfusion nicht gezündet hat und die aus diesem Grund nicht wirklich helle daherkommen.

Bis Mitte September zieht die Internationale Raumstation ISS in den frühen Morgenstunden ihre Bahn über Berlin. In 400 Kilometern Höhe kreist sie in 91 Minuten einmal um unseren Planeten. Wenn es auf der Erde noch dunkel ist, die Raumstation aber über uns schon von der Sonne beleuchtet wird, zieht sie als heller Punkt über den Himmel.

Blickt man wie die Astronauten von oben auf unsere Welt, erscheinen keine Grenzen, keine Unterschiede zwischen Ländern, Kontinenten und Weltanschauungen. Vielleicht ist dies der größte Wert der Raumfahrt. Sie zeigt uns, dass wir alle Bürger eines einzigen Planeten sind, von dem ein Umzug auf eine andere Welt ausgeschlossen ist. Kosmonauten wie Sigmund Jähn oder Alexander Gerst zeichnen uns dabei ein fragiles Bild eines ganz besonderen Planeten, unserer Heimat im All.