Steuern: Reiche Berliner bekommen seltener Besuch vom Steuerprüfer

Immer weniger Berliner Einkommensmillionäre werden einer Steuerprüfung unterzogen. Das geht aus der Antwort einer Anfrage der Linke-Abgeordneten Sebastian Schlüsselburg und Steffen Zillich an den Senat hervor.

Im Jahr 2006 wurden nach Angaben der Senatsverwaltung für Finanzen 72 Außenprüfungen bei Berlinern mit bedeutendem Einkommen durchgeführt. 2010 waren es nur noch 45 und im Jahr 2016 lediglich 11. Steuerpflichtige mit "bedeutendem Einkommen" sind nach Definition des Bundesfinanzministeriums Menschen mit mehr als 500.000 Euro Jahreseinkommen. 

Gegenüber der Berliner Morgenpost erklärte der Linke-Politiker Schlüsselburg, dass dies ein nicht hinnehmbahrer Verlust für das Land Berlin sei, wenn man bedenke, dass durchschnittlich fast 89.000 Euro pro Prüfung nachgezahlt würden. 2016 haben Berlins Finanzämter demnach 837.840 Euro Steuern nachgefordert.

Steuereinnahmen könnten Neubau von sechs Schulen decken

Laut Schlüsselburg würde eine Prüfung aller Berliner Einkommensmillionäre mögliche Mehreinnahmen von 43,5 Millionen Euro ergeben, was den jährlichen Gesamtausgaben für die Feuerwehr der Direktion Nord oder dem Neubau von sechs Schulen entspräche.

In der Hauptstadt leben mehr als 450 Steuerpflichtige mit bedeutenden Einkünften. Die meisten davon leben in Zehlendorf. Im Jahr 2016 wurden in diesem Stadtteil 114 Steuerpflichtige mit bedeutenden Einkünften gezählt.

In Wilmersdorf lebten 80 Menschen mit mehr als 500.000 Jahreseinkommen, in Charlottenburg waren es 63. In Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Kreuzberg lebten dagegen gar keine Menschen mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen ab 500.000 Euro. (kln)