Heiko Maas gilt als Politiker neuer Prägung, der Außenminister macht auf dem internationalen Parkett zumeist eine gute Figur, ist alert und - für einen deutschen Politiker seit Gerhard Schröder eher ungewöhnlich - immer bemerkenswert gut angezogen. Maas‘ Anzüge sitzen, seine Krawatten zeugen von gutem Stil und vor allen Dingen Stilbewusstsein.

Und wer einmal Gerhard Schröder in einer Badehose gesehen hat, der weiß, wie wichtig ein gut geschnittener Anzug für die Außenwahrnehmung in einem politischen Amt sein kann. Maas ist nicht der Größte und vom Wuchs her eher schmächtig, der Schneider hat als auch bei ihm alles richtig gemacht. Wie sehr, das zeigte sich am Sonntagabend, wenn man eigentlich keine Lust mehr auf schlimme Bilder in den Medien hat und das Wochenende ausdämmern lassen möchte.

Was war passiert? Der Außenminister kam zur Präsidiumssitzung der SPD in die Parteizentrale der Partei im Willy-Brandt-Haus. Der Termin hatte Maas offenbar daheim auf dem Sofa überrascht. Das kann passieren, der Fahrer wartet schon und man wirft halt so über, was an der Garderobe hängt. Im Falle des Außenministers war das eine Lederjacke, einen sogenannten Herrenschal und ein paar Sneaker zu einer dunklen Jeans. Kann man machen. Bei Heiko Maas ergeben sich nur zwei Probleme.

Erstens ist der Mann der Außenminister dieses Landes, man möchte ihn aus den einen oder anderen Gründen nicht in seiner Privatkleidung sehen. Auch Guido Westerwelle ließ sich in legerer Kleidung ablichten, doch diese bestand zumeist aus der zwar biederen aber durchaus seriös daherkommenden Kombination Chino, Hemd und Pullover. Womit wir beim zweiten Problem wären: Maas‘ Lederjacke sieht billig aus, nach Massenproduktion vom schwedischen Oberbekleidungsdiscounter, dessen zu glänzendes Leder, gar Kunstleder knittrig am Arm hängt und dort auch noch eine Idee zu lang ist. Das Schälchen des Außenministers dient offenbar der reinen Zierde, vor rund zehn Jahren war diese Art von Tuch en vogue, warum, das weiß heute kein Mensch mehr. Als ob das nicht schlimm genug wäre, trägt Maas dazu ein paar Hightop-Sneaker die ihm in der Gesamterscheinung etwas von einem sympathischen Känguru verleihen. Das ist ganz süß. Wenn man 15 ist.

All das kann man abtun und für irrelevant erklären, Maas ist eben nicht mehr jene Art Politiker, der in Zeiten nach dem Krieg und später im Kalten Krieg den Anzug wie eine Rüstung trug, bei manchen Politikern dieser Zeiten hatte man das Gefühl, sie würden darin schlafen, so wenig konnte man sich Menschen wie Edmund Stoiber, Helmut Kohl oder Helmut Schmidt in so genannte Leisure Wear vorstellen. Aber will man das denn überhaupt? Erwartet man von einem Politiker in diesen schwierigen Zeiten nicht auch am Sonntagabend vollen Einsatz, gut erkennbar am seriösen Tuch? Darüber lässt sich geteilter Meinung sein. Aber eines muss Maas lassen – so grauenhaft bekleidet wie sein Kollege von der CSU, Alexander Dobrindt, ist der Außenminister nicht einmal am späteren Sonntagabend.