Patricia, Kathy, Sie arbeiten beide als Solokünstlerinnen, warum jetzt wieder ein gemeinsamer Auftritt mit der Familie?

Patricia Kelly: Das hat sich einfach so ergeben, das ist ein ganz natürlicher Prozess. Den Wunsch, wieder mit den anderen zusammen zu singen, hatte ich schon lange. Und die Idee mit der Weihnachtsgeschichte war mir von Anfang an eine Herzensangelegenheit.

Kathy Kelly: Berlin ist eine Hochburg der Kelly-Fans, unsere Auftritte hier waren immer ein großer Erfolg.

Wir sitzen hier in einem kleinen Hotel in Friedrichshain. Bei 20 Millionen verkauften Platten und CDs hätte ich mindestens ein Hotel Unter den Linden erwartet.

Patricia: Wie sind keine Künstler, die großen Luxus brauchen. Den hatten wir nicht mal während der größten Erfolge der Kelly Family. Den einzigen Luxus, den wir uns zu dieser Zeit gegönnt haben, war ein Privatjet und den auch nur, weil wir im Jahr rund 250 Auftritte in ganz Europa hatten. Mit der Bahn geht das nicht. Aber ansonsten leben wir Rock ’n’ Roll (lacht).

Wie viele Auftritte absolvieren Sie denn?

Kathy: Pro Jahr circa 80 Solo und rund 20 mit der Familie.

Patricia: Nicht mehr als 50 Solo. Im Dezember sind es allerdings 13 Auftritte mit der Familie, aber das ist schon in Ordnung.

Die Kelly-Family musste als Band immer viel Spott ertragen. Ein Beispiel war „Die singende Altkleidersammlung“. Sind Sie heute damit versöhnt?

Kathy: Versöhnt? Also ich hatte immer viel Spaß bei der Kelly-Family. Für mich war es sehr befreiend, ein Hippie zu sein (lacht).

Patricia: Ich bin sehr stolz auf unsere Vergangenheit, spätestens nachdem Karl Lagerfeld über die Kellys gesagt hat, dass nach der Kelly-Family modisch alles möglich sei. Wir waren also Trendsetter. Nein, im Ernst: Wir haben das gelebt von Kindesbeinen an. Unser Vater hat das Theater ja geliebt und oft Sachen aus Theaterbeständen gekauft, einmal einen ganze Fundus. Da waren tolle und auch sehr teure Sachen dabei. Das ist doch ein Traum für jedes Kind: Sich mit richtigen Kostümen verkleiden zu dürfen. So auch für uns.

Ihre Geschwister Maite und Joey sind im deutschen Fernsehen immer noch sehr präsent. Sie hingegen sieht man selten. Sind Talkshows und Tanzwettbewerbe nichts für Sie?

Patricia: Wir sind Bühnentiere und oft unterwegs. Aber natürlich muss man seinen Namen auch im Spiel halten. Ich hatte neulich eine Anfrage für die Jury einer Castingshow, aber das ist wirklich nicht meine Welt.

Kathy: Ich bin eine leidenschaftliche Musikerin und Live-Künstlerin. Reden ist nicht wirklich meine große Stärke, Interviews schon gar nicht (lacht). Ich bin entweder sehr schüchtern oder sehr explosiv.

Sie kehren regelmäßig nach Berlin zurück. Wie ist Ihr Verhältnis zu der Stadt?

Kathy: Berlin ist super, wir haben ja Ende der 70er-Jahre hier gelebt und hatten auf dem Gelände des Don-Bosco-Kinderheims ein eigenes Haus. Meine Schwester Maite ist in West-Berlin geboren und mein Sohn Sean im Osten, in der Charité. Meine beste Freundin kommt aus Berlin und nach der Wende haben wir direkt auf dem Alexanderplatz gesungen. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Meine Berliner Freunde sind die beständigsten. Sie sind immer da, egal, wie erfolgreich oder erfolglos wir waren. Berliner sind einfach sehr treu.

Patricia: Eure Stadt ist immer up-to-date und so lebendig. Nur der Verkehr ist mittlerweile ein Alptraum.

Was erwartet die Fans bei der musikalischen Weihnachtsgeschichte in der Max-Schmeling-Halle?

Patricia: Es ist kein typisches Kelly-Konzert, es geht für uns um die Frage „Was ist der Sinn von Weihnachten?“ Aber natürlich spielen wir auch Kelly-Hits. Es wird eine große Show mit mehr als 40 Leuten „On the road“. Auf der Bühne werden neben uns Tänzern, ein Erzähler der Weihnachtsgeschichte und eine Sandmalerin sein, die die Schöpfungsgeschichte illustriert. Es ist aber nicht nur ein christliches Konzert, wir singen für alle Menschen jeden Glaubens, und die drei großen Themen werden Familie, Freundschaft und natürlich Liebe sein.

Das Gespräch führte Marcus Weingärtner.

Stille Nacht Tour 2012, eine musikalische Weihnachtsgeschichte für die ganze Familie. Mit Paddy, Patricia, Joey, Kathy und Paul Kelly, 20. 12., 20 Uhr, Max-Schmeling-Halle, Tickets unter: 030/61 10 13 13