Berlin - Dieser Schritt ist überfällig, wenn man gesehen hat, wie Buschkowsky im vergangenen Jahr mit Neukölln umgegangen ist.“ So kommentiert Gabriele Vonnekold, Fraktionschefin der Grünen im Neuköllner Bezirksparlament, den angekündigten Rücktritt von Heinz Buschkowsky.

Vonnekold war von 2006 bis 2011 Jugendstadträtin, sie hatte in dieser Zeit etliche harte Auseinandersetzungen und unschöne Begegnungen mit Buschkowsky gehabt. Im vergangenen Jahr, so sagt sie, habe sie den Neuköllner Bürgermeister desinteressiert erlebt. „Buschkowsky kümmert sich nicht mehr um die Dinge, die in seinem Aufgabenbereich liegen.“

Stefanie Vogelsang war von 1995 bis 2009 Neuköllner Bezirksstadträtin der CDU, dann wechselte sie in den Bundestag. Sie vermutet, Buschkowskys Rücktritt habe mit dem Beschluss der SPD-Fraktion vom vergangenen Wochenende zu tun, die Ausländerbehörde in ein Landesamt für Einwanderung umzubenennen und Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) zuzuordnen. „Buschkowsky hat sicher keine Lust, diesen Kurswechsel mitzutragen“, sagt Vogelsang. „Da schreibt er doch lieber Bücher.“

Im Hinblick auf seine geleistete Arbeit urteilt die frühere CDU-Bundestagabgeordnete: „Er hat viel versprochen, was er nicht gehalten hat. Er wollte immer nur reden, am liebsten in Talkshows.“ Buschkowsky habe es nicht geschafft, seine Vorstellungen umzusetzen. „Er hat jetzt wohl einen passenden Zeitpunkt gesucht, in Würde ,Tschüss‘ zu sagen“, vermutet Vogelsang.

Lob kommt hingegen aus der eigenen Partei. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh sagt: „Heinz Buschkowsky ist ein verdienstvoller Bezirksbürgermeister mit bundesweiter Bekanntheit.“ Der SPD-Bundestagsabgeordnete aus Neukölln und langjährige Kreisvorsitzende Fritz Felgentreu meldet sich am Dienstag auf Facebook zu Buschkowskys Rücktritt. „Ein großer Bürgermeister, ein unermüdlicher Diener des Gemeinwesens, ein leidenschaftlicher Politiker, ein streitbarer Mann.“

„Buschkowsky hat Neukölln weltweit berühmt gemacht“

Der CDU-Landesvorsitzende und Innensenator Frank Henkel sagte: „Heinz Buschkowsky gehört praktisch zum Inventar der Berliner Bezirkspolitik. Dass er jetzt abtritt, dürfte der SPD wehtun, denn er ist einer der profiliertesten Politiker seiner Partei. Ich bin sicher, dass er über Kolumnen oder Bücher auch weiter seine Meinung sagen wird.“

Nader Kahlil vom Deutsch-Arabischen Zentrum für Bildung und Integration in Neukölln kritisiert Buschkowsky: „Die Migranten waren nicht immer erfreut über seine Äußerungen. Er war bestimmend und belehrend, das war weit weg von einer Willkommenskultur und einem ,Ihr-gehört-dazu‘. Er wollte auf die Schwierigkeiten Neuköllns hinweisen, bei ihm waren die Migranten schuld. Buschkowsky hat uns aber auch dieses Haus zur Verfügung gestellt. Ich hoffe, es wird sich einiges zum Positiven ändern nach seinem Weggang.“

Martin Steffens, Organisator des alljährlichen Kunstfestivals 48 Stunden Neukölln, sagte: „Buschkowsky war sehr charismatisch, und er hat Neukölln weltweit berühmt gemacht. Das hat unser Festival auch geschafft, wir setzen aber durchaus andere Akzente.“