Mehr als 220.000 Menschen wollen jedes Jahr die Story of Berlin erleben. 800 Jahre Stadtgeschichte werden in 23 thematisch gestalteten Räumen im gleichnamigen Museum im Kudamm-Karree in Charlottenburg präsentiert. Die Stadtgründung im Jahr 1237 spielt dabei ebenso eine Rolle wie Religionszuwanderungen, Könige, Revolutionen und Kriege, die Teilung der Stadt und der Mauerfall.

Die Besucher wandern durch begehbare Kulissen, die aus Computersimulationen und Originalexponaten bestehen. Vor allem Touristen, darunter viele Schüler auf Klassenfahrt, zählen zu den Gästen. Beliebt ist das Museum auch, weil zur Ausstellung ein original eingerichteter Atomschutzbunker gehört. Dieser stammt aus Zeiten des Kalten Krieges Anfang der 1970er-Jahre.

Doch wie lange es die Story of Berlin noch gibt, ist ungewiss. Denn das Kudamm-Karree am Kurfürstendamm 207–208 soll vom Herbst kommenden Jahres an abgerissen und danach neu gebaut werden. In den aktuellen Plänen des Investors, der irischen Ballymore-Group, spielt das Museum keine Rolle. Zum neuen Kudamm-Karree gehören ab 2015 eine der beiden Kudamm-Bühnen, bis zu 300 Wohnungen sowie vor allem Büros, Geschäfte und Restaurants.

„Wir suchen dringend einen neuen Standort für unser Museum, ansonsten sind wir bald heimatlos“, sagt Bernhard Schütte, der Geschäftsführer der Story of Berlin. Der neue Standort soll an einem touristischen Brennpunkt liegen, bevorzugt in der City West. „Dorthin wollen wir als bekannte Kulturinstitution weiterhin Touristen locken“, so Schütte. Der Kurfürstendamm dürfe nicht dem Konsum überlassen werden. „Nachdem dort schon viele Traditions-Kinos verschwunden sind, darf nicht noch mehr Kultur wegbrechen“, so der Museumschef. Vor allem junge Besuchergruppen, die hauptsächlich in Hostels im Ostteil wohnten, kämen sonst gar nicht mehr in die City West.

Bierpinsel ungeeignet

Im Gespräch für die Story of Berlin war längere Zeit das Amerika-Haus nahe dem Bahnhof Zoo. Doch dort zieht jetzt die renommierte Fotogalerie C/O aus Mitte hin. Gespräche gab es auch über die Nutzung des Bierpinsels an der Steglitzer Schlossstraße. Der markant-eckige, 46 Meter hohe Turm aus den 1970er-Jahren steht schon seit Jahren leer.

Die beiden Eigentümerinnen wollen einen Veranstaltungsort entwickeln, doch stehen Investoren dafür nicht gerade Schlange. Für die Story of Berlin, sagt deren Chef Bernhard Schütte, habe sich der Bierpinsel aber als ungeeignet erwiesen. „Der Ort passt nicht, weil er zu weit ab von der City liegt, zudem wäre der Turm viel zu klein.“ Und ein von den Eigentümerinnen ins Gespräch gebrachter Anbau sei wirtschaftlich nicht tragbar.

Wo das Museum zur Berlin-Geschichte, das ausschließlich mit privaten Mitteln arbeitet und keinerlei öffentliche Zuschüsse erhält, einmal landet, bleibt abzuwarten. Man führe einige Gespräche, heißt es lediglich. Vielleicht lässt es sich doch noch, in verkleinerter Form, in das neue Kudamm-Karree integrieren? Für das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, so teilt Stadtrat Marc Schulte (SPD) mit, sei vor allem der Erhalt der Kudamm-Bühnen dort wichtig. Das sei gelungen.

Eines allerdings steht bislang fest: Der Atomschutzbunker, in dem einst 3500 Menschen für 14 Tage überleben sollten und der erst seit dem vergangenen Jahr offiziell kein Schutzbunker mehr ist, kommt definitiv weg.