Schwarzfahren mag ja für manchen Zeitgenossen ein Hobby sein, sollte es aber nicht. Denn wer erwischt wird und nicht zahlt, für den kann die Reise schnell im Gefängnis enden. „Schwarzfahren ist ein Straftatbestand“, sagt Claudia Engfeld, die Sprecherin der Justizverwaltung. Wegen „Erschleichens von Leistungen“, wie es im Strafgesetzbuch heißt, sitzt derzeit zum Beispiel etwa jeder siebte Häftling in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee ein. Am gestrigen Donnerstag waren es 68 von insgesamt 463 Gefangenen. Außer Schwarzfahrern sind darunter aber auch Fälle, bei denen sich jemand beim Besuch eines Schwimmbades oder bei einer Veranstaltung an den Ordnungskräften vorbeischmuggeln wollte, ohne zu bezahlen. Und erwischt wurde.

Altfälle aufgearbeitet

33.723 Strafanzeigen haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im vergangenen Jahr wegen des „Erschleichens von Leistungen“ gegen Schwarzfahrer gestellt. Im Jahr 2013 waren es nur 480. Der extreme Anstieg liege daran, dass vor zwei Jahren die Firma gewechselt wurde, die für die BVG in U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen kontrolliert, begründet die BVG. Daher seien einige Altfälle aus den Vorjahren erst im Jahr 2014 aufgearbeitet und angezeigt worden. Die BVG stellt eine Anzeige, wenn jemand drei Mal innerhalb von zwei Jahren beim Schwarzfahren erwischt wird. Auch bei der Berliner S-Bahn ist die Zahl der Anzeigen im vergangenen Jahr drastisch angestiegen – sie hat sich auf 18.174 Anzeigen im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt.

„Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt“, sagt BVG-Sprecher Markus Falkner. Durch Schwarzfahren gehen dem Unternehmen Einnahmen verloren, der wirtschaftliche Schaden beträgt etwa 20 Millionen Euro pro Jahr. Um die Verluste einzudämmen, wird in Bussen und Bahnen häufiger kontrolliert. Notorische Schwarzfahrer gehen also ein höheres Risiko ein. Die Kontrollen seien auch „ein deutliches Signal an die große Masse der ehrlichen Fahrgäste“, so Falkner.

In Bussen und Bahnen der BVG sind täglich bis zu 140 Kontrolleure unterwegs. 100 gehören zu einer Firma, die vor zwei Jahren eine anderes Kontrollunternehmen abgelöst hat, mit dem die BVG unzufrieden war. Seitdem wird in der Hauptstadt strenger kontrolliert: So mussten 2014 von den 970 Millionen BVG-Fahrgästen knapp 5,3 Millionen ihren Fahrschein zeigen, im Jahr davor waren es lediglich 2,8 Millionen. Wie bereits im Februar berichtet, wurden bei den Kontrollen deutlich mehr Schwarzfahrer erwischt – die Zahl stieg im selben Zeitraum von rund 229.000 auf 355.000.

233.000 Fahrgäste ohne gültige Karte

Auch bei der S-Bahn wird schärfer kontrolliert, so stieg die Zahl der Fahrausweiskontrollen innerhalb eines Jahres von 7,2 Millionen auf fast 7,9 Millionen im Jahr 2014. 233.000 Fahrgäste hatten keine oder zumindest keine gültige Fahrkarte. Am häufigsten stellten die Kontrolleure dabei fest, dass der Fahrausweis nicht abgestempelt oder abgelaufen war. Oft wurde der Fahrschein nicht nur für die Hin-, sondern auch für die Rückfahrt genutzt, was aber nicht erlaubt ist.

Obwohl die Fahrgastzahlen in diesem Jahr weiter ansteigen werden, bei der BVG zum Beispiel werden erstmals mehr als eine Milliarde Menschen befördert, erwarten die Verkehrsunternehmen für 2015 eine ähnlich hohe Zahl an Schwarzfahrern. Prognosen wagen die Unternehmen nicht, weil sie unsicher sind, wie sich das erhöhte Beförderungsentgelt auswirkt. Es wurde im Sommer von 40 auf 60 Euro erhöht. Bisher zahlte aber nur jeder zweite Schwarzfahrer sofort, viele erst nach einer Mahnung. Reicht die nicht, übergeben BVG und S-Bahn die Fälle einem Inkasso-Unternehmen, das noch einmal Gebühren aufschlägt, sodass schnell ein paar Hundert Euro zusammenkommen können.

Wer kein Geld hat und die Schuld nicht zahlt, kann auch zu einer Ersatzfreiheitsstrafe verurteilt werden. Und landet in Plötzensee. Die Unterbringung kostet den Berliner Steuerzahler übrigens 133 Euro – pro Tag.