Berlin - Es ging rasend schnell. Kaum war der Strafverteidiger Roland Weber im Herbst 2012 in sein Amt als Opferbeauftragter des Landes Berlin eingeführt worden, trat er im spektakulärsten Prozess des darauffolgenden Jahres auf. Er vertrat die Familie des in der Nähe des Alexanderplatzes bei einer Schlägerei zu Tode gekommenen 20-jährigen Jonny K. als Nebenkläger.

Da konnte Weber erstmals vor einer großen Öffentlichkeit beweisen, was gemeint ist, wenn es auf der Seite der Senatsjustizverwaltung heißt: „Opfern von Straftaten – insbesondere von Gewalttaten – soll noch effektiver Unterstützung angeboten werden.“ Weber begleitete die Familie durch die quälend lange Gerichtsverhandlung, aber er bestärkte auch Jonnys Schwester Tina K. in ihren zahlreichen öffentlichen Auftritten gegen Jugendgewalt, die ihr am Ende den Medienpreis Bambi einbrachten.

Weitere Beschwerde möglich

Manchem ging nicht nur das Auftreten von Tina K. zu weit, sondern auch der Aufstieg des Anwaltes zu schnell. Kollegen witterten Wettbewerbsverstöße. Sie unterstellten, der 47-Jährige würde sich durch seine Stellung als Beauftragter des Landes Berlin einen ungerechtfertigten Vorteil im Rennen um Mandantschaften sichern. Auch den Hinweis auf der Senats-Homepage, Weber sei Strafrechtler, hielten manche für unfair.

Eine Partnerschaftsgesellschaft aus in Berlin zugelassenen Rechtsanwälten jedenfalls hatte geklagt, nun hat das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren beschlossen: Der Opferbeauftragte darf Fachanwalt für Strafrecht sein – und die Justizverwaltung darf im Internet auch auf diese Qualifikation Webers hinweisen. Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.

Roland Weber selbst sagt, er habe kein anderes Ergebnis erwartet. „Ich bin ja auch nicht blauäugig an meine ehrenamtliche Aufgabe herangegangen“, sagt er. Gescheitert war im vorigen Sommer bereits eine ähnliche Anzeige gegen ihn vor der Rechtsanwaltskammer. „Aus Sicht der Kammer und auch aus unserer Sicht gibt es nichts, was standes- oder berufsrechtswidrig sein könnte“, so Weber.

Einen geschäftlichen Vorteil für sich weist er zurück. Eher sei das Gegenteil richtig. „Ich mache sehr viel weniger Prozesse als vorher. Das liegt daran, dass ich voriges Jahr ein Drittel meiner Zeit komplett mit dem Ehrenamt verbracht habe“, sagt Weber. Die verbleibende Zeit nutzt er aber weiter zu spektakulären Mandaten. So war er als Nebenkläger im Fall der Kreuzberger Mutter tätig, die von ihrem Mann geköpft wurde. Und er vertrat Hinterbliebene im Fall des Doppelmordes an zwei Frauen in einer Bäckerei in der Flughafenstraße in Neukölln.

Warum die Mandanten ausgerechnet ihn als Anwalt ausgewählt haben, das könne er nur vermuten. „Schließlich habe ich mir über Jahre hinweg durch konsequente Arbeit in diesem Bereich einen gewissen Namen erarbeitet“, sagt er. Vielfach verwiesen Kollegen ihre Klienten an den erfahrenen Strafrechtler.

Etat wird verdoppelt

Auch die Justizverwaltung sieht sich durch den Gerichtsbeschluss bestätigt. Zumal es Rückenwind aus dem Parlament gibt. So beschloss jüngst das Abgeordnetenhaus auf Antrag der Piraten-Fraktion einstimmig die Verdoppelung des Etats von Weber. Statt 6 000 Euro kann er in diesem Jahr 12 000 Euro für Reise- und Bürokosten im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit ausgeben. „Ich freue mich, dass Roland Weber seine Tätigkeit fortsetzen kann und wird“, sagt Justizsenator Thomas Heilmann (CDU). „Opferschutz ist uns als Koalition ein besonders wichtiges Anliegen.“