Der Schlachtensee bot am Wochenende Abkühlung – aber nur für diejenigen, die früh am Tage einen Platz an einer der wilden Badestellen ergattern konnten. Schon zur Mittagszeit war alles überfüllt.
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BerlinEnde der Sommerferien, die Stadt ist wieder voll, Temperaturen von mehr als 35 Grad, kaum ein Luftzug in den Straßen, auch in den Parks wenig Gelegenheit zur Abkühlung: Das erste hochsommerliche Wochenende des Jahres in Zeiten der Pandemie hat in Berlin zu chaotischen Zuständen in privaten Strandbädern und an freien Badestellen der Seen und Flüsse geführt. Eingänge mussten geschlossen, Straßen gesperrt werden. Gleichzeitig hielt sich in den Sommerbädern der landeseigenen Berliner Bäder-Betriebe (BBB) der Andrang in exakt geregelten Corona-Grenzen, um den Abstands- und Hygieneregeln Genüge zu tun. Dort kann man nur im Voraus und ausschließlich online Tickets für bestimmte Zeitfenster kaufen. Ab Dienstag sollen nun in manchen Bädern an den Kassen Eintrittskarten verkauft und Zeitfenster verlängert werden. Ob das den Druck von den anderen Badestellen nimmt, wird sich zeigen.

Wie groß der Bedarf nach einem Platz am Wasser war und ist, zeigte sich unter anderem rund um die Kaulsdorfer Seen. Dort herrschte am Wochenende dichtes Gedränge. Ein Parkplatz nahe der B1 war am Sonnabend schon um 10 Uhr voll belegt. Von den Bushaltestellen marschierten große Gruppen unablässig zu den Seen. Vor allem bei Familien aus Marzahn-Hellersdorf sind die Seen beliebt. Denn im gesamten Bezirk gibt es seit der Schließung der Werner-Bads kein Freibad mehr.

Im Kaulsdorfer Habermannsee geriet nach Angaben der Feuerwehr am Sonnabendnachmittag ein Kind in Not, konnte aber gerettet werden. Dabei war zwischenzeitlich auch ein Rettungshubschrauber im Einsatz.

Auch am Biesdorfer Baggersee drängten sich zahlreiche Badelustige. Das Problem: Der See ist als Regenrückhaltebecken ausgewiesen, die Wasserqualität schlecht und Baden verboten. Ein RBB-Reporter filmte am Sonnabendnachmittag am See. Masken waren nicht zu sehen, auch von Abstandsregeln keine Spur. Ähnlich voll war es am Schlachtensee, wo es kein öffentliches Strandbad gibt. Schon um 9.30 Uhr tummelten sich unzählige Menschen im Wasser. Gegen Mittag waren die besten Liegeplätze am Ufer bereits vergeben.

Großer Andrang herrschte auch am Strandbad Müggelsee. Die Berliner Polizei bat darum, sich nicht mehr auf den Weg dorthin zu machen. Die Beamten schrieben am Mittag auf Twitter, dass die Obergrenze schon fast erreicht sei, das Strandbad stehe kurz vor der Schließung.

Auch im Freibad Plötzensee, eines von acht derzeit privat verpachteten Strandbädern, war am Sonnabend und Sonntag der Andrang besonders groß. Jeweils 4200 Besucher wurden eingelassen. Hunderte mussten an den Kassen enttäuscht wieder abdrehen. Das blieb nicht ohne Konflikte. Die Bad-Pächter standen nach eigener Auskunft im ständigen Kontakt mit der Polizei.

Nach diesem heißen Wochenende lockern die BBB ihr striktes Ticketsystem. Jetzt, wo die Ferien vorbei sind und damit auch das Risiko sinkt, sich in der Warteschlange zu infizieren, sollen die ersten Kassen wieder öffnen. Damit soll der Andrang besser kanalisiert und gesteuert werden. So sind etwa das Prinzenbad in Kreuzberg, das Bad am Columbiadamm in Neukölln, das Bad am Humboldthain oder das Sommerbad am Olympiastadion besonders beliebt. Weniger nachgefragt sind dagegen oft die Kombibäder Spandau Süd, Mariendorf, Gropiusstadt und Seestraße sowie das Sommerbad Wuhlheide. Ab Dienstag sollen nun dort auch an den Kassen Zeitfenstertickets angeboten werden.

Schon vor einigen Tagen haben die Bäder-Betriebe eine Sommerbilanz gezogen. Und die fällt durchwachsen aus: So hatten Berlins Freibäder im Vergleich zum vergangenen Sommer bisher nicht einmal halb so viele Gäste. Demnach wurden für die 14 BBB-Sommerbäder sowie für das Strandbad Wannsee bis Ende Juli rund 527.000 Online-Tickets verkauft. Im gleichen Zeitraum 2019 habe es 1.344.000 Besucher gegeben. Das waren 817.000 verkaufte Tickets mehr.

Coronabedingt begann die Saison erst am 25. Mai. Auch die Regelung, beim verpflichtenden Online-Ticketkauf den Namen angeben zu müssen, um etwaige Infektionsverläufe nachvollziehen zu können, mag Besucher abgeschreckt haben. Im Bad sahen sich die Besucher dann auch noch mit einer eingeschränkten Zahl geöffneter Sanitäranlagen konfrontiert.

Allerdings sind die erheblich niedrigeren Besucherzahlen nicht nur mit der Corona-Krise und den neuen pandemiegerechten Regeln für den Freibadbesuch zu erklären: Das Wetter spiele eine große Rolle, hieß es von den BBB. Im vergangenen Jahr sei der Juni außergewöhnlich heiß gewesen, in den Bädern habe es deshalb Besucherrekorde gegeben, lautet das Zwischenfazit. „In diesem Jahr war der Sommer bis Ende Juli eher durchwachsen“, so eine Sprecherin. Erst jetzt, zum Ende der Ferien, wurde es richtig heiß.

Finanziell betrachtet sei die Bilanz des Sommers nicht gut, erläuterte die Sprecherin. Für den Sommer rechneten die Bäderbetriebe mit einem Umsatzdefizit gegenüber dem Plan in Höhe von 2,2 Millionen Euro. „Aber wir haben das Baden unter Corona-Bedingungen möglich und damit sehr viele Kundinnen und Kunden sehr zufrieden gemacht.“