Es ist ein Straßenbauprojekt, das schon im Generalverkehrsplan von 1969 vorgesehen war. Doch die Fertigstellung rückt in immer weitere Ferne. Die Tangentiale Verbindung Ost (TVO), die eine Lücke im Straßennetz zwischen Marzahn und Köpenick schließen soll, wird frühestens 2026 dem Verkehr übergeben. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine CDU-Anfrage hervor. „Nach derzeitigem Stand ist frühestens 2021 mit einem Baubeginn und einer Bauzeit von fünf Jahren zu rechnen“, teilte Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner mit.

Im Norden ist die TVO schon seit rund vier Jahrzehnten fertig, dort heißt sie Märkische Allee. Auch die TVO-Abschnitte in Köpenick, zu denen die Wilhelm-Spindler-Brücke über die Spree gehört, sind fertig. Dazwischen klafft in der Nord-Süd-Straße eine sechseinhalb Kilometer lange Lücke – und dabei wird es erst mal bleiben. Für die Autofahrer bedeutet dies, dass sie auf der Köpenicker Straße in Biesdorf-Süd weiterhin im Stau stehen werden. Das Mittelstück der TVO, das diese Verbindung entlasten soll, lässt länger als angekündigt auf sich warten.

Dabei mussten die Kraftfahrer schon in den vergangenen Jahren Stillstand hinnehmen. Als der Senat 2012 mit ersten Planungen begann, war davon die Rede, dass der Lückenschluss 2018 fertig werden könnte. Vor zwei Jahren hieß es dann, dass der Straßenbau 2018 beginnen und mit etwas Glück 2020 enden könnte. Auch von einer TVO-Freigabe 2022 wurde gesprochen.

Radschnellweg an der Ostseite

Nun also erst 2026. Aber warum dauert das so lange? Es liegt nicht daran, dass die Planer im Senat das Projekt nicht wollen. Doch ihr Arbeitspensum ist immer größer geworden. So wurde entschieden, die Zahl der Fahrstreifen von eins auf zwei pro Richtung zu erhöhen. Neue Daten mussten erhoben werden, Bürger wurden einbezogen, ein Planungsbeirat wurde gegründet. Die Planer sind sorgfältig. Der angestrebte Planfeststellungsbeschluss, die Genehmigung, muss wasserdicht ausfallen – damit er nicht später von einem Gericht gekippt wird.

Noch nicht einmal die Vorzugsvariante für den Verlauf steht fest. Wo die TVO verläuft, wird mit einem formalisierten Abwägungs- und Raumordnungsverfahren ermittelt. „Der Abschluss wird im ersten Quartal 2018 erwartet“, so Kirchner. Jüngst wurde erneut das Planungssoll erhöht. Der Radweg, der die TVO an der Ostseite begleiten wird, soll breiter ausfallen als bisher geplant – mindestens vier Meter breit, damit er im Zweirichtungsverkehr als Radschnellweg dienen kann.

Christian Gräff von der CDU kritisierte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). „Aufgrund der Umplanung von einem Rad- zu einem Radschnellweg ist das Verfahren um mindestens ein Jahr verzögert“, so der Abgeordnete. Dabei seien in diesem Bereich nur wenige Radler unterwegs. Senatszählungen ergaben, dass die Spindlersfelder Straße in Köpenick innerhalb von zwölf Stunden von 273 bis 724 Radfahrern genutzt wird.