Die Berliner sind das Fahren mit dem Schienenersatzverkehr eigentlich gewöhnt, wenn an S- und U-Bahntrassen oder Straßenbahnstrecken gebaut wird. In der Regel klappt der Ersatzverkehr mit Bussen auch ganz gut. Doch in Pankow ist es seit dem vergangenen Wochenende anders. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erneuern dort insbesondere in der Breiten Straße die Schienen der Straßenbahnlinie 50. Tausende Fahrgäste sind täglich betroffen – und sie sind genervt.

Denn sie müssen für einen Monat auf Busse umsteigen, die zwischen Pankow-Kirche und der Endhaltestelle in Französisch Buchholz hin und her pendeln. Die BVG verspricht zwar einen Zehn-Minuten-Takt wie bei der Tram, doch der wird auch außerhalb des Berufsverkehrs nur selten eingehalten.

Keine Chance mit Kinderwagen

Bis zu einer halben Stunde müssen Fahrgäste am Montag und Dienstag warten, bis ein Bus kommt. Und der ist dann hoffnungslos überfüllt. „Die müssten mehr Busse einsetzen“, fordert eine Frau. Eine Straßenbahn könne viel mehr Leute transportieren. Schon nach wenigen Stationen ist der Bus voll. An den folgenden Haltestellen haben Mütter mit Kinderwagen keine Chance mitzukommen, sie müssen draußen bleiben. Auch im Bus wird die Stimmung immer gereizter: „Rücken Sie doch mal nach hinten durch, dann kommen wir auch noch mit“, ruft ein Mann am Einstieg. „Wie denn, wenn alles voll ist“, schreit ihm jemand als Antwort zu.

Nach Angaben der BVG wird die Erneuerung der Gleise etwa vier Wochen dauern. Außer in der Breiten Straße werden die Schienen auch in Kurven etwa in der Mühlenstraße und in der Hauptstraße in Buchholz ausgetauscht. Die Arbeiten sollen bis 14. Juni abgeschlossen werden. Ab 16. Juni will die BVG den Normalbetrieb wieder aufnehmen. Von Schienenersatzverkehr waren die Pankower in den vergangenen Jahren mehrfach betroffen. So auf der Linie M1, als die Pankebrücke im Bereich der Grabbeallee erneuert und die Kreuzung umgebaut wurde. Auch die Sanierung der U 2 ist noch nicht vergessen, als täglich 40.000 Fahrgäste auf Busse umsteigen mussten und dann auf der Schönhauser Allee im Stau standen.

Gegebenenfalls nachjustieren

So schlimm ist es jetzt nicht. Doch auch die Busfahrer der Privatunternehmen, die die BVG für ihre Busse engagiert hat, sind nach zwei Tagen Ersatzverkehr schon bedient. „Ich fahre wirklich gern Bus, aber das nervt hier total“, sagt ein Fahrer. Zehn Minuten beträgt seine Verspätung nach der letzten Tour, weil nicht nur das Ein- und Aussteigen länger als geplant dauert, sondern zudem auch ein Müllwagen die Umleitungsstrecke im Stiftsweg blockiert hat. „Die Menschen verstehen dann nicht, dass wir nicht auf Schienen fahren. Wir Fahrer sind dann immer die Dummen.“ Der Fahrplan für den Ersatzverkehr sei nicht einzuhalten. „Ich bin jetzt vier Runden durchgefahren, etwa zwei Stunden. Jetzt brauche ich eine Pause.“

Erste Beschwerden haben inzwischen auch die BVG erreicht. „Wir sehen uns die Situation mit den Verkehrsexperten noch einmal an und werden auch mit den Fahrern reden. Gegebenenfalls werden wir nachjustieren“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz.