Für die hochbetagte Jubilarin könnte es kein schöneres Geschenk geben. Die Straßenbahnstrecke vom S-Bahnhof Friedrichshagen nach Rahnsdorf, die an diesem Donnerstag 85 Jahre alt wird, ist gerettet. Die Trasse im Osten Berlins, die noch vor Kurzem von der Stilllegung bedroht war, kann über das Jahr 2020 hinaus weiterbetrieben werden. Das haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Dienstag bekräftigt. „Eine gute Nachricht“, sagte Thomas Scholze vom Vorstand des Bürgervereins Wilhelmshagen-Rahnsdorf. Doch die Zusage der BVG gilt nicht für immer.

Der östlichste Abschnitt der Linie 61 gehört zweifellos zu den schönsten Straßenbahntrassen in Berlin. Ein Gutteil der rund 4,5 Kilometer langen Verbindung verläuft in Sichtweite des Großen Müggelsees, Bäume säumen die Gleise. Doch so reizvoll die Strecke zur Waldschänke in Rahnsdorf auch ist: Die Zahl der Fahrgäste hält sich Grenzen, so die BVG.

Bei gutem Wetter, wenn viele Fahrgäste mit der 61 zum Strandbad Müggelsee fahren, sind die Züge voll – sonst selten. Im Winter wird die Strecke nur von wenigen Hundert Fahrgästen pro Tag genutzt.

„Wenn die Trasse komplett von Grund auf instand gesetzt werden muss, stellt sich die Frage, ob das wirtschaftlich vertretbar ist“, sagte Petra Reetz, die Sprecherin der BVG. Weil die Strecke durch die Schutzzone des Wasserschutzgebiets Friedrichshagen verläuft, würde eine Generalsanierung teuer – die Rede ist von 15 Millionen bis 20 Millionen Euro. Um das künftige Trinkwasser vor Schmieröl zu schützen, werde ein Betontrog erforderlich.

Zitterpartie ist erst mal zu Ende

Lange Zeit war ungewiss, wann dieses Bauprojekt und damit die heikle Entscheidung über die Zukunft der Bahn ansteht. Nun ist die Zitterpartie zu Ende, denn die BVG gab das Ergebnis ihrer Untersuchungen bekannt. Die Strecke könne noch über einen längeren Zeitraum weiterbetrieben werden, ohne dass eine Generalsanierung nötig ist, hieß es.

Im Wortlaut: „Ein Weiterbetrieb der Straßenbahn kann mit gezielten baulichen Anpassungen über das Jahr 2020 hinaus aufrechterhalten werden, ohne sofort eine komplette Grundinstandsetzung für den gesamten Abschnitts durchführen zu müssen.“ Das schrieb ein Mitarbeiter des Landesunternehmens Klaus Kotzur, einem der Unterzeichner der Petition für den Erhalt der Strecke. Wann die grundhafte Erneuerung ansteht, ließe sich noch nicht sagen. Klar sei jedoch, dass die „geringe Streckenbelastung auch zu einem geringeren Verschleiß der Anlagen beiträgt“, erklärte die BVG.

„Eine gute Sache“

„Die BVG bekennt sich dazu, dass die Straßenbahn über das Jahr 2020 hinaus weiter nach Rahnsdorf fährt. Darüber freuen wir uns“, so Kotzur. Nun sollten die Verantwortlichen daran gehen, das Umfeld der Trasse attraktiver zu gestalten. Am Strandbad Müggelsee müsste ein Zebrastreifen markiert, am S-Bahnhof Friedrichshagen die Ampelschaltung gerändert werden, damit Umsteiger zügiger über die Kreuzung kommen. Als Teil des Berliner Verkehrssystems sei die Linie 61 wichtig, so Kotzur. Dass die Züge im Winter leerer sind, wäre kein Argument: Dann könnte man in den Alpen Skilifte stilllegen, weil sie nur wenige Monate im Jahr genutzt werden.

Auch der Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar würdigte das Ja zur Linie 61. „Eine gute Sache!“, sagte er. „Ich hatte vor einiger Zeit mal per Anfrage nachgehakt, da war das noch sehr offen. Der Bezirk Treptow-Köpenick hat sich ebenfalls für den Erhalt stark gemacht. Jetzt scheint die Schienenverbindung von Senat und BVG vorerst nicht mehr infrage gestellt zu werden.“

Reparaturen reichen aus, um die Strecke für die nächsten Jahre fit zu machen, bestätigte BVG-Sprecherin Reetz. Doch sie betonte auch, dass die nun gegebene Bestandsgarantie nicht lange über das Jahr 2020 hinaus gelte, sondern „um 2020“ erst einmal endet. Reetz: „Dann werden wir um die grundsätzliche Entscheidung, was mit dieser Strecke passiert, nicht mehr herumkommen.“