Weil es nicht genug Fahrerinnen und Fahrer gibt, lassen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) weniger Straßenbahnen verkehren. Zum zweiten Mal in diesem Sommer passte das Unternehmen den Fahrplan der Realität an – und strich weitere Fahrten am Sonnabend.

Bereits Mitte Juli hatte die BVG den Sonnabend-Verkehr auf den Linien 18 und 67 eingestellt. Nun ging es weiter: „Wir haben seit dem 1. August auf den Linien M?2 und M?10 geringfügige Taktanpassungen vorgenommen“, teilte BVG-Sprecher Markus Falkner auf Anfrage mit.

Auf der Linie M??2, die Heinersdorf mit dem Alexanderplatz verbindet, rollen die Bahnen sonnabends zwischen 16 und 20 Uhr nun alle sechs oder sieben Minuten statt im Fünf-Minuten-Takt. Auf der M 10 gilt sonnabends in den Zeiten, in denen alle fünf Minuten eine Bahn kam, jetzt ein Sechs-Minuten-Takt. Diese Strecke verbindet Friedrichshain mit Prenzlauer Berg.

„Verlässlichkeit ist das oberste Ziel“, so Falkner. „Durch diese Änderungen werden insgesamt sechs Fahrerdienste frei.“ Sie tragen dazu bei, dass Überstunden abgebaut werden können, und sie stabilisieren das Angebot für die Fahrgäste.

Zu knapp geplant

An Stabilität hatte es in den bisherigen Monaten des Jubiläumsjahres „150 Jahre Straßenbahn“ gemangelt– worüber sich Fahrgäste beschwerten. Wie berichtet konnten zum Beispiel im April rund 53?000 und im Mai fast 77?000 Kilometer nicht gefahren werden, weil kein Fahrpersonal verfügbar war. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lag der monatliche Durchschnittsausfall unter der 20?000-Kilometer-Marke. Für dieses Jahr wird mit 572?000 nicht gefahrenen Kilometern gerechnet – was inzwischen als konservative Schätzung gilt, wahrscheinlich wird die Zahl höher sein.

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass die BVG ihren Personalbedarf zu knapp geplant habe. Ein Insider bestätigte: „Wenn man immer von oben Krankenstände für die Planung vorgibt, die mit der Realität nichts zu tun haben, und Geld für sinnlose Projekte ausgibt, dann hat man eben irgendwann ein Personalproblem, weil die Menschen und ihre Krankheiten sich nicht an Planungen und erwünschte Projektergebnisse halten.“ Auch im Busverkehr sei knapp geplant worden. Doch dort könnten die Auswirkungen besser versteckt werden, in dem Fahrer von Subunternehmen angeheuert würden, sagte der Insider.

Im Vergleich zu anderen Straßenbahnbetreibern biete die BVG immer noch einen dichten Fahrplan an, so BVG-Sprecher Falkner. Wenn sich die Personalsituation bessere, würden die Einschränkungen zurückgenommen. Derzeit erbringe die Straßenbahn fast 97 Prozent der vom Senat bestellten Leistung.