Straße aufreißen, Schienen verlegen, Strippen ziehen, fertig – schön wär’s. So einfach sind Neubauprojekte für die Straßenbahn schon lange nicht mehr. Die Vorbereitung wird immer komplizierter. Das bekommen nun auch die Berliner zu spüren, die in Friedrichshain und Moabit auf neue Tram-Verbindungen warten. Dort zeichnet sich ab, dass der bisherige Zeitplan nicht mehr einzuhalten ist. Bis die Straßenbahn zum Ostkreuz und zur Turmstraße fahren kann, wird mehr Zeit vergehen. „Hier zeigt sich die Selbstlähmung der Berliner Verwaltung“, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB.

Es geht um wichtige Projekte, die vielen Fahrgästen die tägliche Reise durch Berlin erleichtern würden.

„Wenns und Abers“

In Moabit soll die Strecke, die seit 2014 unweit vom Hauptbahnhof endet, nach Westen verlängert werden – zum U-Bahnhof Turmstraße. Die Straßenbahn würde mit der U-Bahn-Linie U 9 verknüpft, eine neue Ost-West-Route würde entstehen.

Das Friedrichshainer Neubauvorhaben ist nicht minder bedeutsam. Weil das Ostkreuz immer wichtiger wird, will der Senat die Straßenbahn, die heute einen Bogen fährt, an die Station heranführen. Geplant ist eine Strecke, die über die Sonntag- zur Marktstraße verläuft.

Die Projekte haben auch für Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel und Staatssekretär Christian Gaebler Priorität. Die SPD-Politiker wünschen sich, dass der Betrieb auf der Turmstraße 2020 beginnt, zum Ostkreuz möglichst 2019. Doch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die im Senatsauftrag mit der Planung begonnen haben, sehen das anders. Zwar sagte Sprecherin Petra Reetz:„Wir sind gut im Rennen. Wir gehen derzeit davon aus, dass die Entwurfsplanungen Ende des Jahres stehen.“ Bevor aber als Nächstes die Genehmigungsprozedur beginnen kann, stünde weitere Arbeit bevor. Erst einmal müssten diverse Gutachten fertiggestellt werden – etwa zum Schall, zur Verkehrsführung oder zum Naturschutz.

Das bedeute, dass die BVG vermutlich im zweiten Halbjahr 2017 in das Planfeststellungsverfahren gehen kann. Falls es gut klappt, könnten 2019 Leitungsbauarbeiten starten. „Wenn auch das schön läuft, dann könnte 2020 Baubeginn sein“, so Reetz. „Da liegen aber noch einige Wenn und Aber dazwischen.“

Vorgaben werden immer strenger

Beobachter erwarten, dass die Straßenbahn erst 2021 zum Ostkreuz fährt, zur Turmstraße 2021 oder 2022. Die BVG dementiert das nicht: „Es sieht zurzeit danach aus.“

Künftig müssten die Verfahren schneller und effizienter werden, fordert Jens Wieseke. Es gibt noch einen anderen Faktor, sagt Mitstreiter Christfried Tschepe: „Die Rechtsprechung hat die Anforderungen an Planfeststellungsverfahren unangemessen in die Höhe getrieben.“

Die Vorgaben werden immer strenger, bestätigt ein Planer. Bevor ein Genehmigungsverfahren startet, müsse auch die Baustelleneinrichtung bis ins Detail geplant werden, um vor Gericht bestehen zu können. Vor allem in Friedrichshain wird befürchtet, dass Anlieger klagen – wie Hauseigentümer in Mitte gegen den Bau der U 5. „Gute Vorbereitung ist wichtig, auch wenn sie lange dauert“, so der Planer. „Dann kann der Bau zügig vorangehen.“