Straßenmusiker in Berliner Bahnen: S-Bahn geht gegen Musiker in Zügen vor

Berlin - Nicht schon wieder, klagen die Berliner. Kann man denn nicht einmal in der S-Bahn seine Ruhe haben? So haben wir uns Berlin vorgestellt, freuen sich dagegen die Touristen. Mehr davon! Wenn Musiker eine S-Bahn betreten und loslegen, sind die Reaktionen der Fahrgäste unterschiedlich. Doch meist überwiegt die Kritik, berichtet die S-Bahn Berlin GmbH. Darum geht sie jetzt verstärkt gegen organisierte Musikergruppen in ihren Zügen vor – mit Einsätzen von Sicherheitskräften und mit Beförderungsverboten.

Musiker aufdringlich, Fahrgäste genervt

„Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.“ Der Dichter Wilhelm Busch (1832-1908) hat es auf den Punkt gebracht. „Insbesondere Pendler sind von der Dauerbeschallung in den Zügen genervt, vor allem, wenn sie sich dauernd dasselbe anhören müssen – noch dazu in schlechter Qualität“, sagt eine Sprecherin der S-Bahn. Es gebe zahlreiche Beschwerden.

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„Auch bei uns“, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. „Die Musiker sind aufdringlich, Fahrgäste fühlen sich genötigt. Das können wir nicht akzeptieren.“ Bei der S-Bahn sind die Musiker meist auf der Stadtbahn zwischen Zoo und Alexanderplatz unterwegs. Dort fahren viele Touristen mit – und die geben viele Münzen. „Die Gruppen reisen extra an, um auf diese Art Geld zu machen“, so die S-Bahn. Dabei sei nach den Beförderungsbedingungen Betteln und Musizieren im Nahverkehr verboten. Jetzt würden die Vorschriften durchgesetzt.

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Sicherheitsleute in Zivil sprechen Abmahnungen aus, die ein Jahr gelten, und fragen nach den Personalien. Wer wieder beim Musizieren erwischt wird, kann ein Beförderungsverbot für drei Monate erhalten. Solche Verbote wurden bereits ausgesprochen. Bei wiederholten Verstößen droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Allerdings sei es nicht erlaubt, Instrumente einzuziehen.

„Das Ganze ist doch nur eine Schauveranstaltung“, heißt es bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Meist gäben die Musiker vor, kein Deutsch zu sprechen, und Pässe hätten sie oft auch nicht dabei. BVG-Sprecher Klaus Wazlak will sich dazu nicht äußern.

Doch er berichtet, wie schwierig es ist, die Verbote durchzusetzen. „Die Musiker haben fast immer einen Fahrschein.“ Nach einer Kontrolle steigen sie aus, warten einfach auf die nächste Bahn und spielen dort weiter. „Wir würden es für viel wirkungsvoller halten, wenn die Fahrgäste einfach kein Geld mehr geben“, so Wazlak. „Schließlich wird nicht aus Liebe zur Musik gespielt, sondern weil es um Geld geht.“

Warum nicht ein Festival?

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Im Übrigen habe die BVG gute Erfahrungen damit gemacht, den Andrang der Musiker zu kanalisieren. Mittwochs von 7 bis 11 Uhr erteilt sie im U-Bahnhof Rathaus Steglitz Musikgenehmigungen für 7 Euro, die eine Woche lang für den Vorraum einer U-Bahnstation gelten.

Pro Jahr werden rund 350 vergeben, ein Service, der in Deutschland einzigartig ist. Besonders beliebt ist der U-Bahnhof Stadtmitte.

„Auch ich fühle mich manchmal bedrängt“, sagt Bosiljka Schedlich vom Verein Südost Europa Kultur. „Aber ich habe schon großartige Musiker erlebt“ – nicht nur Roma aus Südosteuropa, sondern auch anderer Herkunft. „Die Musiker wollen hier vernünftig arbeiten, sie spielen, um zu überleben. Wir können sie nicht verbannen.“ Warum könne nicht auch die Bahn das Musizieren in Stationen erlauben? Und wie wäre es mit einem Festival dieser Musik? „Das würde gut nach Berlin passen.“

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