Berlin - Man muss die Geschichte Pankows schon gut studiert haben, damit man mit diesen Namen etwas anfangen kann: Gertrud Hanna, Aenne Saefkow, Anna Maria Tobis, Emma Reich, Elisabeth Gamlin…

Doch es sind keine Unbekannten. Noch in diesem Jahr, so der Plan, sollen diese Namen und die Namen weiterer Frauen auf Straßenschildern stehen. 15 Straßen im Pankower Ortsteil Karow, die derzeit noch Nummer zwischen 42 und 69 tragen, heißen dann nach verdienstvollen Frauen. Das Wohnviertel mit Nummernstraßen liegt südöstlich der Blankenburger Chaussee. Bald wird es zum Frauenviertel.

Von der Öffentlichkeit vergessen

Intensiv hat sich die Arbeitsgruppe Spurensuche im Frauenbeirat Pankow mit der Auswahl verdienstvolle Frauen beschäftigt, die in Pankow gelebt und gearbeitet haben. Es gibt etliche: Politikerinnen, Künstlerinnen, Schriftstellerinnen, Lehrerinnen, Pfarrerinnen, Schauspielerinnen. „Diese Frauen haben in gleicher Weise wie Männer Leistungen vollbracht“, sagt Heike Gerstenberger, Frauenbeauftragte in Pankow. „Doch in der Geschichtsschreibung kommen sie nicht vor.“ Oft hätten die Frauen unter dem Namen ihrer Männer gearbeitet. Spiegelten sich ihre Leistungen nicht in der Öffentlichkeit wider, würden sie bald vergessen, sagt die Frauenbeauftragte.

21 Namen stehen nun auf einer Liste. Mitarbeiter des Museumsverbundes Pankow überprüfen die Biografien, am Ende werden 15 ausgewählt. Zu den Frauen, die mit einem Straßennamen gehören unter anderem die Gewerkschafterin und Frauenrechtlerin Hanna Gertrud (1876–1944), die Sozialstadträtin Aenne Saefkow (1902–1962), die Ordensschwester Anna Maria Tobis (1888–1944), die Pädagogin für Taubstumme Emma Reich ((1857–1931), die Stadtoberschulärztin Minna Flake (1886–1958), die Montessori-Lehrerin Elisabeth Gamlin (1897–1989) sowie die Lehrerin an der Jüdischen Schule Rykestraße Käthe Rosenthal (1893–1942).

Alle außer Christa

Die Bewohner der Siedlung, deren Adresse sich bald ändert, wurden bisher nicht über das Vorhaben informiert. Sie entscheiden nicht mit. Grundlage ist ein Ersuchen der Pankower Bezirksverordneten vom März 2013 an das Bezirksamt, ein geeignetes Viertel zu ermitteln. Das ist nun geschehen. Im Herbst 2014 kann die Umbenennung erfolgen.

Den Namen der Schriftstellerin Christa Wolf (1929–2011), die in Pankow lebte, findet man allerdings nicht. „Christa Wolf braucht eine berlinweite Anerkennung“, sagt Heike Gerstenberger.

In Berlin gibt es bereits ein Frauenviertel und zwar in der Gartenstadt Rudow. Dort sind 20 Straßen und Plätze nach Bürgerinnen benannt. Auch in Friedrichshain, zwischen der Warschauer Straße und dem Ostbahnhof tragen die Straßen Frauennamen, ebenso rund um den Hauptbahnhof. In Pankow sollen später im Wohnviertel auf dem Gelände des Rangierbahnhofes alle Straßen nach Frauen benannt werden. Frauenbeauftragte Gerstenberger kennt noch viele Namen bedeutender Frauen. Zwei Bücher hat sie darüber geschrieben.