Berlin - In wohl jedem Brandenburger Ort gibt es Straßennamen, die in der DDR vergeben wurden: Straße des Friedens, Karl-Marx-Straße oder Straße der DSF. Eher unverfängliche Namen. Aber es gibt auch viele Straßennamen, die nicht jeder Anwohner akzeptabel findet. Ob Ernst Thälmann (KP-Chef), Wilhelm Pieck (DDR-Präsident), Kurt Fischer (KPD-Funktionär), Peter Göring (Mauerschütze und erschossener DDR-Grenzer) – die Liste ist lang.

Nach Angaben des Innenministeriums gibt es keine landesweite Statistik zur Häufigkeit von Straßennamen. „Deren Vergabe fällt ausschließlich in den Bereich der kommunalen Selbstverwaltung“, sagt Sprecher Ingo Decker.

Zur Demokratie passend

Eine genaue Auflistung der seit der Wende 1990 umbenannten Straßen gibt es auch in der Landeshauptstadt Potsdam nicht. Nach Angaben der Behörden sind die Straßen in den zu DDR-Zeiten neu entstandenen Plattenbaugebieten am Schlaatz, Stern, Waldstadt 2, Drewitz oder auch Zentrum Ost zwischen 1991 und 1993 durch Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung umbenannt worden.

Wenn ein Name eindeutig politisch schwer belastet war, wurde er meist schnell getilgt, sagt der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher. Für ihn ist klar: „Das Thema ist weitgehend durch.“

Dem widerspricht der Historiker Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin: „Der Umgang mit umstrittenen Straßennamen ist symptomatisch für den mangelnden Willen zur Vergangenheitsbewältigung in Brandenburg.“ Als DDR-Experte ist er in der Landtags-Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur tätig. „Ernst Thälmann war ein Stalinist der übelsten Sorte“, sagt der Historiker. Er weist darauf hin: „Eine Ermordung durch die Nationalsozialisten reicht nicht aus, um jemanden in den Heldenstand zu erheben.“ Straßennamen müssten nach Meinung von Schroeder den Werten der Demokratie entsprechen. Pieck als Befürworter einer Diktatur hätte dort ebenso wenig zu suchen wie Straßen oder Plätze der „Einheit“. Diese ehrten schließlich nicht die deutsche Wiedervereinigung, sondern die Zwangsvereinigung von SPD und KPD 1946.