Straßenreinigung: Cleaning-Kur für die City West

Berlin - Zigarettenkippen, gebrauchte Kaffeebecher und zerknülltes Papier sollen künftig nicht mehr Straßen und Gehwege in der City West verunreinigen. Ab 1. März wird an Kudamm und Tauentzien häufiger als in Berlin bisher üblich saubergemacht. Die Kosten dafür tragen die Anrainer. Die Händlervereinigung AG City und die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) haben dafür in einjähriges Pilotprojekt vereinbart.

Kudamm und Tauentzien gehören bereits jetzt, wie beispielsweise auch der Hackesche Markt oder die Friedrichstraße in Mitte, zu den Orten in der höchsten Reinigungsklasse in Berlin. Dort kehrt, fegt und putzt die BSR einmal am Tag, siebenmal in der Woche. „Obwohl am Morgen saubergemacht wurde, sieht es aber oft schon am Mittag wieder schmutzig aus“, sagt Klaus-Jürgen Meier, der Vorstandsvorsitzende der AG City. „Weil da etwas passieren muss, haben wir das Projekt mit der Stadtreinigung vereinbart.“ Schließlich werde dem Kurfürstendamm schon längst wieder Weltstadtniveau attestiert, habe die City West mit vielen gut frequentierten Geschäften und dem ersten Waldorf Astoria Hotel Deutschlands internationales Flair. „Dreck und Schmutz passen nicht dazu.“

Service von 6 bis 22 Uhr

Ab Freitag nächster Woche wird deshalb viermal täglich zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße gereinigt – von 6 bis 22 Uhr. Gehwege und Straßen werden mehrfach gekehrt, Papierkörbe häufiger als bisher entleert. Acht BSR-Mitarbeiter werden vor Ort sofort reinigen, wenn es nötig wird. Später soll auch der Kudamm-Abschnitt zwischen Uhlandstraße und Adenauerplatz einbezogen werden.

Der zusätzliche Service kostet natürlich auch Geld: Zwischen 248 und 5 590 Euro pro Jahr werden dafür bei den Grundstückseigentümern in den beiden Straßen fällig, insgesamt rund 60.000 Euro. Die Höchstsumme zahlt das KaDeWe, aber auch das Europa-Center gibt beinahe ähnlich viel dazu. Centermanager Uwe Timm sagt, dass sich das lohne: „Wenn sich die Kunden wohlfühlen, bleiben sie länger und kaufen mehr ein.“ Allerdings hat die AG City noch nicht alle Anlieger zum Mitwirken überzeugen können – für 30 Prozent musste sie finanziell in Vorleistung gehen.

„Die vorgegebenen Reinigungsklassen stammen aus einer Zeit, in der die Geschäfte abends um 18 Uhr und sonnabends um 13 Uhr schlossen. Einer Zeit, in der Berlin auch längst nicht so viele Besucher wie heute hatte“, sagt Vera Gäde-Butzlaff, die BSR-Vorstandsvorsitzende. Die höchste Reinigungsklasse sei sogar schon 80 Jahre alt. „Es gibt aber Straßen und Plätze, an denen eine tägliche Reinigung nicht mehr ausreicht“, sagt sie.

Die BSR, die an hoch frequentierten Orten wie beispielsweise dem Alexanderplatz schon heute mehr putzt als gesetzlich vorgeschrieben ist, drängt deshalb auf eine Änderung, die dem tatsächlichen Bedarf Rechnung trägt. „Das gemeinsame Pilotprojekt wird zeigen, dass das geht und die Kosten dabei überschaubar bleiben“, sagt Gäde-Butzlaff

„Wir sind darüber schon mit der BSR im Gespräch“, sagt Petra Rohland, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Für mögliche Änderungen bei der Straßenreinigung müssten allerdings erst einmal genaue Kostenkalkulationen auf den Tisch. „Wir beobachten deshalb zunächst einmal, wie das Pilotprojekt in der City West läuft“, sagt Rohland.