Wenn der Architekt nachts aus dem Fenster schaut, sieht er sie oft auf dem Spielplatz vor dem Haus: Prostituierte und Freier, die versuchen, sich hinter Spielgeräten und Büschen zu verbergen. Manchmal auch Gruppen von jungen Männern, die sich anbrüllen. „Ich wohne seit 34 Jahren hier – und die Probleme rund um die Kurfürstenstraße sind immer noch die gleichen“, sagt der Mann. Er ist an diesem Montagabend ins Veranstaltungshaus Alte Pumpe an der Lützowstraße gekommen. Hier stellt Mittes grüner Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel die Ergebnisse einer Anwohnerbefragung zu den Problemen im Kiez vor.

Der Architekt erntet von den rund 50 Gästen im Saal Applaus für seine Worte. Die repräsentative Umfrage ergibt, dass der öffentliche Vollzug von Geschlechtsverkehr die Nachbarn am meisten stört. Auch Begleiterscheinungen des Strichs wie Müll und Fäkalien rauben besonders vielen Anwohnern die Nerven. „Kinder laufen durch den Strich zur Schule, Prostituierte sprechen Jugendliche an, Exhibitionisten zeigen sich“, schimpft der Architekt. Die Ansprache durch Sexarbeiter erleben laut der Erhebung ebenfalls viele Nachbarn als störend. Baustellen und Lärm rangieren in diesem Kiez, den seit ein paar Jahren auch die Investoren für sich entdecken, im Mittelfeld. Wie der Architekt fühlen sich viele Umfrageteilnehmer vor allem nachts gestört: Zwischen 22 und 0 Uhr geben 60 Prozent der Befragten an, keine Ruhe zu finden.

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