Der Umgang einer Jury mit den Bürgervorschlägen, wie drei Straßen im Afrikanischen Viertel umbenannt werden sollen, stößt auf Empörung. Wie berichtet, hatte das bis zur Verkündung seiner Empfehlung anonyme Gremium unter Leitung eines Grünen und mit Beteiligung einer Stadträtin der Grünen drei mögliche neue Namenspatrone als erste Wahl präsentiert, die von den Bürgern jeweils nur ein oder zweimal genannt worden waren. Deutlich öfter genannte Namen wie zum Beispiel die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba wurden als zweite Wahl oder wie Nelson Mandela gar nicht aufgeführt.

Sven Rissmann, Kreisvorsitzender der CDU in Mitte: „Die Lachnummer weitet sich zu einem Skandal aus. Die Grünen haben immer Transparenz und Bürgerbeteiligung gefordert, aber kaum sind sie in Verantwortung, tun sie das Gegenteil. Das ist bigott und nicht zeitgemäß.“

Mandela hätte laut Jury bedeutendere Straße verdient

Der Jury-Vorsitzende Bertrand Njoume (Grüne) verteidigt die Entscheidung: Es sei von der BVV Mitte nicht vorgegeben worden, dass sich die Jury nach den meisten Namensvorschlägen richten müsse. Sie habe die Aufgabe gehabt, die Vorschläge fachlich zu beurteilen, und das habe sie getan. Mandela habe man nicht ausgewählt, weil er eine bedeutendere Straße verdient habe.

Die zuständige Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) argumentiert ähnlich: „Wir hätten keine Jury gebraucht, um Namensvorschläge auszuzählen.“ Njoume lässt auch die Kritik nicht gelten, die sich an der angolanischen Königin Nzinga entzündete. Es stimme nicht, dass die Frau, die im 17. Jahrhundert 40 Jahre lang gegen die Portugiesen gekämpft hatte, mit Sklaven gehandelt habe. Er führt an, dass sich eine Historiker-Kommission der Unesco mit ihr befasst hat: „Diese hat festgestellt, dass sie keine Sklavenhändlerin war.“ Der Wikipedia-Eintrag, der bei der Vorstellung der Namensvorschläge verteilt worden war, und in dem ebenfalls in Bezug auf Historiker von über 10.000 Sklaven pro Jahr die Rede ist, die Nzinga an die Holländer verkauft habe, sei falsch, sagte Njoume der Berliner Zeitung. 

Sabine Weißler gesteht dagegen zu, dass sich auch in Angola die Sicht auf die nationale Identifikationsfigur Nzinga geändert habe, sie „kritisch zu betrachten ist.“ Es handele sich nur um Vorschläge, die von den Ausschüssen der BVV abgelehnt werden könnten: „Ende.“   

Weißler ergänzte, dass Vorschläge, Straßen nach Orten oder Ländern zu benennen, nicht durch den BVV-Beschluss gedeckt gewesen seien – gesucht wurden vor allem Frauen „der (post-)kolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung“ Afrikas.

Petersallee, Lüderitzstraße und Nachtigalplatz sind nach Kolonialisten benannt

Drei Straßennamen sollen ersetzt werden: Petersallee, Lüderitzstraße und Nachtigalplatz. Sie sind nach deutschen Kolonialisten des 19. Jahrhunderts benannt. Carl Peters führte in Ostafrika ein brutales Regiment. Gustav Nachtigal war kurz Reichskommissar in Deutsch-Westafrika, vor allem aber Forscher und Gegner von Rassismus und Kolonialismus. Moralisch dazwischen liegt Adolf Lüderitz, der im heutigen Namibia durch Trickserei beim Landkauf aufgefallen war, nach dem aber nach wie vor die Stadt Lüderitz benannt ist. Die Einwohner waren gegen eine Namensänderung.

Rissmann ist gegen die Umbenennungspläne: Schon 1986 habe man eine anwohnerfreundliche Lösung des Problems „Petersallee“ gefunden. Sie heißt nach Hans Peters, im Nazireich im Widerstand, danach als Weddinger CDU-Bezirkspolitiker am Wiederaufbau beteiligt.