Straßenumbenennung im Wedding: Gegner verwüsten das Bezirksamt Mitte

Unbekannte haben im Bezirksamt Mitte randaliert, sie stopften unter anderem eine Europafahne ins Klo. Die Täter wollen alte Straßennamen zurück.

Menschenandrang bei der Straßenumbenennung am Freitag im Afrikanischen Viertel: Die Lüderitzstraße wurde in Cornelius-Fredericks-Straße umbenannt. 
Menschenandrang bei der Straßenumbenennung am Freitag im Afrikanischen Viertel: Die Lüderitzstraße wurde in Cornelius-Fredericks-Straße umbenannt. Britta Pedersen/dpa

Unbekannte haben im Bezirksamt Mitte randaliert. Sie waren offenbar nicht einverstanden mit der Umbenennung eines Platzes und einer Straße an diesem Freitag im Wedding.

Nach Informationen der Berliner Zeitung entdeckten Mitarbeiter des Bezirksamtes Mitte bereits am Donnerstagnachmittag in dem Gebäude an der Karl-Marx-Allee zahlreiche Beschädigungen.

So hatten die unbekannten Täter eine öffentlich zugängliche Toilette mit Hygieneartikeln und einer Europafahne verstopft, die sie zuvor aus dem Sitzungssaal der Bezirksverordnetenversammlung entwendet hatten. 

An der gefliesten Wand war der Schriftzug „Gebt uns Lüderitz Str. & Nachtigal zurück“ aufgebracht. Mehrere Abflüsse waren mit Aufklebern abgeklebt und Spülungen fixiert, so dass dauerhaft das Wasser lief. Im Europasaal wurden zwei gleichlautende Schriftzüge an der Wand hinter dem Podium und auf einem Blatt eines Flipcharts festgestellt.

Eine Polizeisprecherin bestätigte am Freitagnachmittag auf Anfrage den Vorfall. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen. Eine Sprecherin des Bezirks konnte zu den Beschädigungen und dem Ausmaß des Wasserschadens bislang keine Angaben machen.

Straßenumbenennung gefällt nicht allen

Hintergrund der Tat dürfte die an diesem Freitag vollzogene Umbenennung der Lüderitzstraße und des Nachtigalplatzes im „Afrikanischen Viertel“ im Wedding sein. Die Namen wurden wegen ihres Kolonialismusbezugs getilgt.

Der bisherige Nachtigalplatz heißt jetzt Manga-Bell-Platz – zu Ehren von Rudolf und Emily Duala Manga Bell, einem Königspaar der Duala und Kämpfern gegen die deutsche Kolonialherrschaft in Kamerun. Die bisherige Lüderitzstraße wurde in Cornelius-Fredericks-Straße umbenannt. Fredericks kämpfte im heutigen Namibia gegen die deutsche Kolonialherrschaft.

Adolf Lüderitz (1834-1886) und Gustav Nachtigal (1834-1885) gelten als Vertreter und Wegbereiter des deutschen Kolonialismus.

Bei vielen Anwohnern und Gewerbetreibenden stieß die vom Bezirksamt vorangetriebene Umbenennung auf massiven Protest. Und so gab es bei der Umbenennungsveranstaltung am Freitag laut Polizei „vereinzelte Unmutsbekundungen und Zwischenrufe“. Im April 2018 war die Umbenennung mit den Stimmen der Grünen, SPD und Linken beschlossenen worden. Seitdem hatte es Diskussionen mit hunderten Namensvorschlägen gegeben.