Wird Königin Nzinga, die vor 400 Jahren in Angola einen florierenden Sklavenhandel betrieb, Namensgeberin einer Straße im Afrikanischen Viertel? Diesen Vorschlag hatte eine mehrheitlich aus Vertretern der afrikanischen Community in Berlin bestehende Jury gemacht.

Nzinga gehört zu fünf Afrikanerinnen und einem aus Afrika stammenden Mann, die aus einer Vielzahl von Vorschlägen ausgewählt wurden.

Sabine Weißler, Mittes grüne Stadträtin für Kultur und Bildung, zuständig auch für Straßenumbenennungen, verwies auf Nachfrage der Berliner Zeitung am Dienstag auf die Zuständigkeit der Bezirksverordnetenversammlung Mitte.

Im Auftrag der Bezirksverordneten

Diese habe den Auftrag erteilt, Vorschläge für die Umbenennung von drei Straßen zu machen, die bisher die Namen von deutschen Kolonialisten tragen: dem Kaufmann Adolf Lüderitz, dem Forscher Gustav Nachtigal und Carl Peters, Begründer der deutschen Kolonie Ost-Afrika, wegen seines brutalen Umgangs mit   den schwarzen Menschen  „Hänge-Peters“ genannt.

Sabine Weißler weist darauf hin, dass die von der Jury ausgewählten  Kandidaten nicht an bestimmte Straßen gebunden seien. Es sei nun Sache der BVV, die Entscheidung zu fällen. Dort werde auch über Königin Nzinga befunden.

Weißler geht davon aus, dass die entsprechend befassten Ausschüsse auch Expertise zu den einzelnen Kandidaten einholen. Das Bezirksamt habe den Abgeordneten keine Vorschriften zu machen.

Weißler: Nicht meine Geheimjury

Die Arbeit der Jury sei beendet. Diese habe achtmal jeweils drei Stunden lang beraten. Sabine Weißler, die selbst Mitglied der Jury war, spricht von intensiven Diskussionen. Als „Weißlers Geheimjury“ will sie das Gremium nicht bezeichnet wissen.

Man habe die Mitglieder im Auftrag der BVV berufen und dabei auf bekannte Gruppen und Initiativen zurückgegriffen. Die Geheimhaltung der Namen habe die Jury selber beschlossen, um während der Beratungen „einen Schutzraum“ zu schaffen.

Auf die Frage, ob alle betroffenen Anwohner über die Umbenennungspläne informiert waren, sagt die  Bezirksstadträtin, man habe zu Beginn all jene  angeschrieben, deren Adressen beim Einwohnermeldeamt vorgelegen haben und räumt ein, dass „vielleicht einige nicht dabei“ waren.