Strausberger Platz 19: Erinnerungen an das Haus des Kindes in Berlin-Friedrichshain

Berlin - Am Strausberger Platz 19 schlummert seit 25 Jahren eine Perle des frühen sozialistischen Bauens vor sich hin: das ehemalige Haus des Kindes. Wer sich daran erinnert, bekommt leuchtende Augen.

Das war etwas Besonderes, nicht bloß ein Laden – das war es auch, sogar einer, in dem es fast immer Interessantes zu kaufen gab. Die Autorin, mit ihrem Eltern aus Bitterfeld angereist, bekam dort in den 60ern als Dreizehnjährige ein dreiteiliges Set aus weinrotem Cord: Minirock, Schlaghose, Jacke. Sensationell.

Puppentheater und Kindergarten

Außer dem Kaufhaus auf zwei Etagen gab es ein Puppentheater, einen Kindergarten mit Spiel- und Leseecke für Kinder, die keine Lust auf Einkaufen mit Eltern hatten, und im obersten Geschoss ein Kindercafé (Erwachsene nur in Begleitung von Kindern). Unsere Leserin Maria-Ilona Arnhold erinnert sich an das Eisessen dort und die „die Tische und Stühle mit kurzen Beinen, so dass Kinder gut daran sitzen konnten“. Sie berichtet von Terrarien und Aquarien mit Schildkröten, Fischen und ähnlichem Kleingetier. Bei Kinderfesten und Faschingsfeiern zog man mit Akkordeon und per Polonaise durch beide Etagen. Ihr erschien es „wie für die Ewigkeit gemacht“.

Den Eingang schmückten Marmor, Säulen und ein Wandgemälde. Wundervoll waren die Treppengeländer mit Märchenmotiven: überall kleine eiserne Märchenfiguren, ausgeführt von der Kunstschmiede Berlin. Kinder liebten die Wandmosaike und das Sputnik-Modell. Dieses verschwand offenbar beim Umbau des Hauses in den 1990er-Jahren. Die Mosaiken und Gemälde befinden sich heute geschützt hinter Wänden und Schränken des Möbelhauses, das die unteren drei Etagen nutzt. Das Landesdenkmalamt versichert, man habe das historische Treppengeländer mitsamt Seepferdchen seit der Sanierung Mitte der 80er-Jahre im Depot; die Wohnungsbaugesellschaft Mitte besitze weitere Märchenfiguren und etliche der fantasievollen Miniaturtiere.

Voller Liebe gestaltet

Nicht nur die Innenkonzeption war hochmodern, auch der Bau: Architekt Herrmann Henselmann errichtete ihn als Montagebau aus Stahlbetonfertigteilen in 14 Etagen, einige davon mit Wohnungen.

Eingeweiht wurde das Haus am 7. Oktober 1954, am 5. Jahrestag der DDR-Gründung, durch den Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, – ein Höhepunkt der Wiederaufbaumühen insgesamt und des Prestigeprojektes Stalinallee im Besonderen. Doch von den politischen Hintergründen abgesehen: Das Haus des Kindes am Strausberger Platz war aus ganzem Herzen den Kindern gewidmet und voller Liebe gestaltet.

Nur fünf Jahre nach der Sanierung schloss das Haus des Kindes 1990. Eine Gedenktafel erinnert an die Eröffnung. Die meisten Etagen dienen als Wohnraum, auch das frühere Café. Das Gebäude ist als Bestandteil der Karl-Marx-Allee denkmalgeschützt und hat es nicht verdient, bloß Möbelhaus zu bleiben. Ideen einer Nutzung näher am ursprünglichen Sinn sind nicht bekannt. Doch die Öffentlichkeit hat ein Recht, dass die Perle wieder sichtbar wird. Die Denkmalbehörde äußert vorsichtig: Wenn einer einen Bauantrag für anderweitige Nutzung stelle, dann kämen womöglich die Mosaiken wieder ans Licht.