Der private Fernzugbetreiber Leo Express ist seit Donnerstag mit dem Locomore-Zug auf der Strecke Berlin-Stuttgart unterwegs. Zudem denkt man über weitere Strecken nach. „Das hängt davon ab, wie sich unsere Strecke zwischen Berlin und Stuttgart entwickelt. Wir wollen wachsen“, sagte Peter Köhler, der Chef des tschechischen Unternehmens, am Donnerstag auf dem Bahnhof Lichtenberg.

Am Gleis 15 war Köhler bei der Abfahrt des Locomore-Zugs dabei, der nach mehr als dreimonatiger Unterbrechung wieder zwischen Berlin, Hannover, Frankfurt am Main und Stuttgart den Betrieb aufnahm. Der deutsche Ableger von Leo Express ist als Eisenbahnverkehrsunternehmen für den Betrieb zuständig, der Fernbusbetreiber Flixbus verkauft die Fahrkarten und übernimmt das Marketing. Der Betrieb ruhte seit Mitte Mai, weil Locomore Insolvenz anmelden musste. Die Kosten für den Zugbetrieb waren höher als die Fahrgeldeinnahmen.

Der private Fernzug hält in Berlin in Lichtenberg, am Ostbahnhof, Hauptbahnhof und am Bahnhof Zoo. Derzeit startet er donnerstags, freitags, sonnabends und sonntags um 14.19 Uhr in Lichtenberg, Ankunft in Stuttgart ist 21.20 Uhr. Von dort aus geht es freitags bis montags um 6.21 Uhr nach Berlin zurück. Eingesetzt werden wieder die ehemaligen Schnellzugwagen der Deutschen Bundesbahn, die Locomore in Rumänien überarbeiten ließ. Das Innen- und Außendesign in Orangerot und Braun ist geblieben, weiterhin gibt es auch sechs Fahrradstellplätze.

WLAN und tschechisches Bier

Es gibt Abteile und Großraumbereiche sowie WLAN, viele Fenster lassen sich öffnen. Aufkleber weisen nun auf die Kooperation mit Leo Express und Flixbus hin. Neu ist auch, dass es außer Bio-Limonade und anderen Erfrischungen tschechisches Bier der Marke Staropramen im Bordverkauf gibt. Die von Hector Rail gemietete Elektrolok wird derzeit nicht mit Ökostrom betrieben, das sei jedoch wieder geplant, kündigte Köhler an.

Die Ticketpreise liegen unter denen bei der DB, sagte Michael Mittag, Netzplaner bei Flixbus. 10.000 Tickets Berlin-Stuttgart für 9,90 Euro waren innerhalb von drei Tagen ausverkauft. Das zeige, dass Locomore ein loyales Publikum habe, das dem Unternehmen treu geblieben sei. In Tschechien und der Slowakei betreibt Leo Express ebenfalls Fernzüge.

„Wir wollten immer schon nach Deutschland“, sagte Peter Köhler. Nun werde Personal rekrutiert. Gesucht werden unter anderem Lokführer, Zugführer, technisches Personal und Wagenmeister. „Wir verstehen uns als europäisches Unternehmen“, sagte Köhler weiter. Für Leo Express könnte es sinnvoll sein, auch zwischen Berlin und Prag Züge fahren zu lassen, um Streckennetze zu verknüpfen. Das hänge allerdings davon ab, wann die tschechische Regierung auf dem Abschnitt Prag-Bad Schandau eigenwirtschaftliche Fernzüge zulasse.

Umsteigetickets Zug-Bus

Die Route Berlin–Stuttgart ist nun Teil des Liniennetzes, das Flixbus vermarktet. „Der Netzeffekt und die Bekanntheit unserer Marke kommen dem Zug zugute“, sagte Flixbus-Planer Mittag. Das soll dazu beitragen, dass die Einnahmen steigen. Durchgehende Tickets mit Umsteigen in Hannover können bereits gebucht werden. Konkret: Man fährt mit dem Zug nach Hannover und dann mit einem Flixbus weiter - etwa nach Celle. In der niedersächsischen Landeshauptstadt liege der Busbahnhof neben dem Hauptbahnhof, sagte Mittag. Umsteigetickets Zug-Bus via Berlin gebe es allerdings nicht. Zwar befinde sich die Flixbus-Haltestelle Alexanderplatz in der Nähe des dortigen Bahnhofs, doch dort könnten nur Fernzüge mit maximal vier Wagen halten, hieß es. Doch schon die erste Fahrt am Donnerstag war mit sechs Wagen unterwegs. Bis zu acht Wagen können eingesetzt werden.

Das Bahn-Engagement lässt sich gut an, so der Flixbus-Manager: Die erste Fahrt ab Berlin sei zu 70 Prozent ausgelastet. „Allein ab Berlin Hauptbahnhof sind rund 200 Fahrgäste gebucht“, sagte Michael Mittag. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Start.“ Der Zug Berlin-Stuttgart werde zunächst bis zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2017 weiterfahren. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagte Peter Cornelius, Vorsitzender von Pro Bahn Berlin-Brandenburg. Er hoffe, dass der Zug dauerhaft fahren kann und nicht wieder eingestellt werden muss. „Die Frage bleibt: Wie kann ein solches Angebot wirtschaftlich sein? Nur mit 9,90-Euro-Tickets wird das nicht möglich sein“, sagte Cornelius.