Berlin - Erst die gute Nachricht: Nach langem Hin und Her wird jetzt der Ausbau Bahnstrecke nach Szczecin (Stettin) vorbereitet. Dadurch wird es möglich, die Fahrzeit von Berlin in die polnische Hafenstadt auf rund anderthalb Stunden zu verringern. Im Vergleich zu heute ist das eine große Verbesserung. Derzeit dauert die 135 Kilometer weite Reise mindestens zweieinhalb Stunden.

Doch ein langer Abschnitt soll eingleisig bleiben, kritisiert der Fahrgastverband Pro Bahn. Das sei „vollkommen unzureichend“, bemängelt Peter Cornelius, der Vorsitzende des Landesverbands Berlin-Brandenburg. „Der Bund will Berlin–Stettin auf schlechteren Standard als vor dem Krieg ausbauen.“

Pro Bahn ist wieder da. Jahrelang war von der Organisation, die sich für Bahnnutzer einsetzt, in Berlin und Brandenburg wenig zu hören. Doch inzwischen hat sich der Landesverband neu organisiert. Am 11. Februar wurde ein neuer Vorstand gewählt – mit Peter Cornelius an der Spitze. Sprecher ist Hans Leister, ebenfalls 65 Jahre alt und ein Bahner durch und durch. Als er in Potsdam Beauftragter der Konzernleitung der Deutschen Bahn (DB) und Regionalbereichsleiter war, hat sich die Zahl der Fahrgäste im Regionalverkehr verdoppelt. Nach 2001 war er für DB-Konkurrenten tätig.

Leister ärgert sich darüber, wenn Politiker und Planer die Möglichkeiten des Schienenverkehrs nicht erkennen. So ist es auch im Fall der Stettiner Bahn, die 2018 auf ihrem grenzüberschreitenden Abschnitt 175 Jahre alt wird. „Wir können nur hoffen, dass ein späterer Ausbau auf zwei Gleise möglich ist“, sagte er.

Die Bahn verbinde eine Millionenstadt und ein wichtiges Wirtschaftszentrum, sagt er. Wenn der BER in Betrieb ist, werde der Verkehr weiter zunehmen. Dafür müssten Bund und Bahn Vorsorge treffen.

Ein City-Ticket für ganz Berlin

Der derzeit geplante Ausbau zwischen Angermünde und der Grenze reiche für die erwartete Fahrgastzahl nicht aus. Die Geschwindigkeit wird zwar auf Tempo 160 erhöht, die Fahrleitung durchgehend verlängert. Die Arbeiten sollen Ende 2020 beginnen und dreieinhalb Jahre dauern. Kosten: rund 300 Millionen Euro. Bis Passow, wo die Trasse PCK Raffinerie Schwedt abzweigt, wird es weiter zwei Gleise geben. Doch auf den folgenden 28 Kilometern bis zur Grenze bleibt es bei der Eingleisigkeit. Zwar sollen in Schönermark und Casekow neue Überholmöglichkeiten entstehen. Doch unterm Strich bleibe die Kapazität geringer als früher, so Pro Bahn. Von 1873 bis 1945 war die Strecke durchgehend zweigleisig, dann wurden Schienen demontiert.

Der Verband kritisiert auch, dass die Strecke jenseits von Passow von Dezember 2022 bis Juni 2024 gesperrt werden soll. Anderthalb Jahre Schienenersatzverkehr nach Polen werde Fahrgäste vergraulen, hieß es.

Pro Bahn hat noch weitere Themen auf den Zettel. Eines ist die Ausschreibung zahlreicher Regionalzugstrecken, die der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) noch für 2017 angekündigt hat. „Wir werden darauf achten, dass die Kapazität im Netz Elbe-Spree deutlich erhöht wird“, sagte Leister. „Ein Drittel der Arbeitnehmer, die in Brandenburg leben, arbeitet in anderen Bundesländern.“ Für sie müssten endlich mehr Züge fahren. „Finanziell ist Luft da“, so Leister.

Ein anderes Thema ist das City-Ticket, das Bahn-Card-Kunden dazu berechtigt, ohne Aufpreis den städtischen Nahverkehr zu nutzen. Berlin ist eine von drei Städten, wo das Angebot nicht für das gesamte Stadtgebiet gilt – hier gilt es nur im Zentrum, auf der Ringbahn und in der S-Bahn nach Lichtenberg, „Die Mehrheit der Berliner ist ausgeschlossen“, kritisierte Leister. Für Touristen sei die Regelung schwer zu verstehen: „Inakzeptabel in einer Stadt, die von Tourismus lebt.“ Forderung: Das City-Ticket müsse auch im Tarifgebiet B gelten.

„Der Verkehrsverbund hat sich bereits mehrfach dafür eingesetzt, das City-Ticket auszuweiten. Das wurde von DB Fernverkehr abgelehnt“, entgegnete VBB-Sprecherin Elke Krokowski. „Die Kosten für die Ausweitung würden nach unseren Schätzungen im mittleren einstelligen Millionen Euro-Bereich pro Jahr liegen.“ Die DB zahle bereits einen „sehr hohen Preis“, so die Bahn – so hoch wie nirgendwo sonst im Land.