Die Bauexperten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wählten deutliche Worte. Das Mauerwerk weise „teilweise substanzgefährdende Schäden und Risse“ auf, schrieben sie. Es gebe Wasser- und Korrosionsschäden, bei Brückenlagern sei das Ende der Lebenszeit in Sicht. So viel steht fest: Der mehr als hundert Jahre alte Viadukt, auf dem die Züge der U-Bahn-Linie 2 durch Kreuzberg und Schöneberg fahren, muss saniert werden. Jetzt haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) damit begonnen, das Großprojekt vorzubereiten. Im nächsten Jahr soll es noch keine längeren Bauarbeiten geben. Doch dafür ist für 2014 auf anderen Strecken Pendel- und Schienenersatzverkehr geplant.

Von 2009 bis 2011 wurde der U-2-Viadukt in der Schönhauser Allee von Grund auf instand gesetzt, was den Straßenverkehr lange behinderte und Anwohnern Baulärm bescherte. Der Zugbetrieb musste fast anderthalb Jahre unterbrochen werden. Nun steht fest, dass auch die 1902 fertig gestellte Hochbahn in der Bülowstraße und auf dem anschließenden Teilstück saniert werden muss. Dabei handelt es sich um die allererste Strecke der Berliner Untergrundbahn.

Betroffen sei der Viadukt vom „Tunnelmund am Nollendorfplatz bis zum U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park“, teilte BVG-Sprecherin Petra Reetz auf Anfrage mit. Dort müsse der Korrosionsschutz der Bahnhofs- und Streckenbauwerke erneuert werden. Gleiströge seien abzudichten, Stahlbauten sowie Kabelkanäle instand zu setzen. „Die Vergabe der Planungsleistungen wird in Form einer europaweiten Ausschreibung derzeit vorbereitet“, sagte die Sprecherin.

Stadtbahn wochenlang dicht

Dem Vernehmen nach kostet das Großprojekt in den ersten Stufen 26 Millionen Euro, langfristig sind sogar 62 Millionen Euro kalkuliert. Ausgaben sind bereits für nächstes Jahr geplant. So sind für Juli 2014 erste nächtliche Sperrungen vorgesehen, damit Lager saniert werden können. 2015 werden die Dächer der U-Bahnhöfe Bülowstraße und Nollendorfplatz erneuert, dabei werden auch die stählernen Tragkonstruktionen überarbeitet. 2016 geht das Bauprojekt „U-2-Viaduktsanierung West“ dann in die Vollen. Das heißt aber nicht, dass die Fahrgäste in der Zwischenzeit Ruhe haben. So setzt die BVG 2015 die Sanierung des Gleisdreiecks fort. Gleiströge, Halle und Diensträume werden erneuert. „Mit Behinderungen des U-Bahn-Verkehrs ist zu rechnen“, sagte Reetz. Betroffen ist auch die Linie U 1.

Östlich davon wird bereits im kommenden Jahr an der U 2 gearbeitet: Zwischen Potsdamer Platz und Mohrenstraße lässt die BVG Matten einbauen, die Schall und Erschütterungen verringern. Über dem Tunnel entsteht ein Einkaufszentrum mit Wohnungen. Geplant ist, dass Busse sonntags bis donnerstags ab 22 Uhr die Bahnen ersetzen – ab Mai zwei Monate lang. Eine weitere Ost-West-Strecke, die zu den am stärksten genutzten S-Bahn-Trassen Berlins gehört, wird ebenfalls unterbrochen – durchgehend zwei Wochen lang. „Auf der Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Zoo müssen wir die Schienen der S-Bahn wechseln und die Strecke Anfang August sperren“, sagte Ingulf Leuschel, der Konzernbeauftragter der Bahn für Berlin.

Damit werden wichtige Stationen wie Hauptbahnhof oder Alexanderplatz während der Sommerferien 2014 zeitweise ohne S-Bahn-Verkehr sein. Wie die Fahrgäste an ihre Ziele gelangen, steht noch nicht fest, so ein Sprecher. Nur so viel sei klar: „Es werden Ersatzmaßnahmen für die betroffenen Reisenden notwendig.“

Pendelverkehr auf der U 6

Auf der U 6 zwischen Hallesches Tor und Platz der Luftbrücke soll es im neuen Jahr spätabendlichen Schienenersatzverkehr geben – im April drei Wochen lang. Überhaupt wird auf der U 6 viel gebaut. Vom 9. bis 25. Juli wird zwischen Hallesches Tor und Schwartzkopffstraße gependelt, weil an der U-5-Baustelle Kabel verlegt werden müssen. Daran schließt sich zwischen Otis- und Scharnweberstraße ein weiterer Pendelbetrieb an – rund vier Wochen lang.

Auf der U 5 im Osten Berlins müssen die Fahrgäste anderthalb Monate lang wieder auf Busse ausweichen. Dort setzt die BVG die Sanierung von Kabelkanälen fort.