Jene Läufer, die am Sonntag für die Marathon-Strecke etwas mehr Zeit benötigen werden als erträumt, seien schon jetzt getröstet: Die meisten von ihnen sind eine deutlich längere Strecke gelaufen als nur 42,195 Kilometer. „Ein Volksläufer beim Marathon läuft erheblich mehr als die offizielle Distanz“, sagt Thomas Steffens, Sprecher des SCC Events, der den Berlin-Marathon seit vielen, vielen Jahren organisiert.

Nur die ersten, denen noch die gesamte Breite der Straße zur Verfügung steht, könnten wirklich die „kurze“ Marathon-Strecke laufen – die Ideallinie inklusive Wechsel der Straßenseite und Kurvenschneiden. All das können die meisten Starter nicht, weil sie im großen Läuferfeld unterwegs sind. Da ist für Abkürzungen schlicht kein Platz.

Es ist eine echte Strecken-Wissenschaft, die so ein Marathon mit sich bringt. Diese beginnt damit, dass es ja tatsächlich 42,195 Kilometer sein müssen, sonst haben Rekorde auf der Strecke keinen Bestand. „Zuerst vermessen wir mit einem geeichten Fahrrad die Strecke“, sagt SCC-Sprecher Steffens.

Etwa zwei Wochen vor dem Event werde die Strecke noch zweimal offiziell ausgemessen – einmal von einem international bestellten Vermesser aus England, später noch mal von einem Berliner Vermesser, der extra mit Polizeieskorte unterwegs ist.

„In den 80er-Jahren ist mal in New York ein Marathon zu kurz gewesen“, sagt Thomas Steffens. Damit das nicht passiert, wird standardmäßig pro Kilometer mindestens ein Meter Toleranz dazugerechnet. Damit nicht genug des Messens. „Wird in Berlin ein Rekord aufgestellt, so muss nach dem Lauf die Strecke noch mal ausgemessen werden.“

Die ersten Hinweisschilder auf den Marathon entlang der Strecke stehen seit fast zwei Wochen, in den vergangenen Tagen wurde mit dem Markieren der Fahrbahn begonnen, in Blau, wie das international üblich ist. „Wir fangen eigentlich immer montags vor dem Lauf damit an“, sagt Wolfgang Weising, beim SCC als „Resortleiter Blaue Linie“ schon seit 24 Jahren dafür zuständig. Diesmal aber habe es zuerst technische Probleme gegeben, dann Regen. „Es regnet fast immer, wenn wir die Markierung aufbringen“, sagt Weising, deshalb seien die Arbeiten bei Kilometer 15 unterbrochen worden. „Wir machen später weiter.“

Immer dem Kameramann hinterher

Seit Langem hält sich übrigens das Gerücht, dass die blaue Linie die Ideallinie beim Marathon verkörpert – wer auf ihr läuft, ist exakt 42,195 Kilometer unterwegs. Falsch. „Die Linie ist eine Werbeaktion von Adidas und zeigt, dass hier der Marathon stattfindet“, sagt SCC-Sprecher Steffens. Der erste Läufer peile automatisch den kürzesten Weg um die Kurven an. „Im Übrigen kann der bei dem Tempo auch nicht auf den Boden schauen.“ Und woher weiß er, wohin er laufen muss? Ganz einfach, sagt Steffens, „vor ihm fährt ein Motorrad mit Kameramann, dem rennt er einfach hinterher.“

Bevor die Läufer am Sonntag starten können, muss jedoch die Strecke frei geräumt werden – Falschparker am Fahrbahnrand müssen weg. „Ab 4 Uhr morgens beginnt das große Abschleppen“, sagt Michael Feistkorn, Streckenchef des Berlin-Marathons. 270 Autos würden im Schnitt am Marathon-Wochenende umgesetzt, „Berlin freut sich immer über die schöne Einnahmequelle“, sagt Feistkorn.