Berlin - Als ein Bekannter ihm zu seinem vermeintlichen neuen Reichtum gratulierte, begannen für den Berliner Street-Art-Künstler Prost die Probleme. Sein Kumpel zückte eine Postkarte, die ein Album-Cover mit lachenden Figuren zeigte, wie Prost sie als Aufkleber und Graffiti über ganz Berlin verteilt. Das Problem war nur, das Cover stammte nicht von Prost – er sah es an diesem Abend zum ersten Mal.

Prost will nun gegen die Verwendung des Covers klagen. Ausgerechnet Universal Music wird sich dann wohl vor Gericht wegen Urheberrechtsverletzung verantworten müssen. Ein Musikkonzern, der wegen dieses Vergehens sonst selbst wie am laufenden Band Abmahnungen verschicken lässt. Mit einer Party im Kater Holzig sollen an diesem Donnerstag die Kosten für den Rechtsstreit eingenommen werden.

Das Album, um das es dann bald vor Gericht gehen könnte, heißt „Duo“. Techno-Produzent und DJ Henrik Schwarz und Jazzpianist Bugge Wesseltoft haben es zusammen aufgenommen. Erschienen ist es auf dem Universal-Label Emarcy Records. Prost-Anwalt Philipp Beck geht daher davon aus, dass sich Universal auch belangen lässt. Der Konzern äußerte sich auf Anfrage der Berliner Zeitung nicht zu dem Fall.

Unstrittig dürfte vor Gericht sein, dass die Ähnlichkeit des Covers mit Prosts Figuren kein Zufall ist: Elektromusiker Henrik Schwarz fotografierte sie selbst – „eine schnell hingeworfene Skizze“ nennt er die Männchen. Ein Illustrator zeichnete dann nach dem Bild die Cover-Figuren. Die kamen so gut an, wie Universal in einer Mitteilung schrieb, dass der Konzern sogar Grafiker in ganz Deutschland dazu aufrief, die Figuren für eine Werbekampagne als Alter Egos der Künstler Schwarz und Wesseltoft zu animieren.

Dabei sind die Männchen bereits das Markenzeichen von Prost. Seit mehr als zehn Jahren überzieht er damit Berlin, inzwischen sieht man sie überall. Manchmal lachen sie nur, oft sind sie zugleich Kommentar zur Stadt – „Yuppies auslachen“ steht unter einem Männchen, das auf eine Figur mit Krawatte zeigt. In anderen Szenen geht es um Tourismus oder Gentrifizierung. „Humor ist eine gute Waffe,“ sagt Prost. „Und Straßenkunst ist das beste Medium, um Menschen zu erreichen.“

Prost sagt, er fühle sich durch das Cover nicht nur vereinnahmt – er fürchte um seine künstlerische Existenz. Zwar gehört Prost, der über seinen Hintergrund nur preisgibt, dass er nicht in Europa geboren wurde, aber in Deutschland ein Kunststudium mit Auszeichnung abschloss, in Berlin zu den bekanntesten Street-Art-Künstlern, und er stellte auch schon in Paris oder Bali aus. „Aber ich bin immer noch vor allem ein Lokalmatador“, sagt er.

„Wenn jemand plötzlich deine Figur nimmt, sie zu Werbezwecken auf Zehntausende Poster und Plakate druckt und Kampagnen im Netz startet, weiß bald niemand mehr, von wem die Figur kommt.“ Leute, die Prosts Arbeit vorher nicht kannten, sondern nur den Universal-Aufruf, hätten gedacht, dass er die Cover-Figuren kopiert habe. Dabei habe er schon mit 5 Jahren die ersten solcher Männchen gekritzelt – mit 21 seien sie dann zu seiner künstlerischen Identität geworden.

Kunst oder Sachbeschädigung?

Ob Prosts Figuren auch künstlerisch im Sinne des Urheberrechts sind, wird nun wohl ein Gericht entscheiden. Verhandlungen mit dem Künstler Henrik Schwarz und mit Universal sind gescheitert. Über deren Ablauf gibt es unterschiedliche Darstellungen. Prost-Anwalt Beck sagt: „Prost ging es zuvorderst darum, einen Aufkleber durchzusetzen, der kenntlich macht, dass das Cover von ihm inspiriert ist.“ Schwarz sagt dagegen, dazu sei er bereit gewesen und auch zur Zahlung eines für ein CD-Cover angemessenen Betrags – aber es habe völlig überzogene Schadensersatzforderungen von über 50.000 Euro gegeben.

In den Verhandlungen sagte Schwarz auch, dass sich Prost zu erkennen geben müsste, wenn er vor Gericht gehen würde – und dass dies schwierig sei, da er dann wohl Probleme wegen Sachbeschädigung bekommen würde. „Man kann das als indirekte Drohung verstehen“, sagt Prost-Anwalt Beck. Schwarz bestreitet, dass dies seine Absicht gewesen sei. Auch habe er Prost nicht bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Die Polizei kam trotzdem: Nachdem auch die Verhandlungen mit Universal scheiterten, stürmte ein Dutzend Einsatzkräfte frühmorgens Prosts Wohnung. Die Polizisten konfiszierten seinen Rechner und mehrere Skizzenbücher. Schwarz sagt: „Es tut mir leid, falls Prost jetzt größere Probleme bekommt.“ Prost zieht trotzdem weiterhin nachts los. Das Adrenalin treibe ihn auf die Straße, sagt er. Irgendwo in Berlin lachen dann am nächsten Morgen wieder neue Männchen die Passanten an.

Prostie Party, Kater Holzig, Donnerstag, 13. 12., ab 22 Uhr, Eintritt 8 Euro.