In der Ritterstraße 12 in Kreuzberg bleibt der Blick an einer bunt bemalten Fassade hängen: Die drei Staatsoberhäupter Barack Obama, Angela Merkel und Wladimir Putin sind dort zu sehen. Der US-Präsident hält sich die Augen zu, die Bundeskanzlerin den Mund und der russische Präsident die Ohren.

Ihre Posen gehen auf die buddhistische Weisheit „nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“ zurück. Ein breites Publikum dürfte darin die Affen-Emojis auf dem Smartphone wiedererkennen.

„Ich kenne keine Street Art in Berlin, die in jüngster Zeit häufiger fotografiert wurde“, sagt Mohamed Ghouneim. Dabei besteht das Bild in der Kreuzberger Ritterstraße schon seit 2014. „Immer noch stehen stündlich Leute davor und fotografieren“, sagt er fasziniert.

Ghouneim betreibt in dem Haus einen stadtbekannten Laden für Klebebänder und war lange Jahre selbst als Street Artist aktiv. Aus dieser Zeit hat er auch noch einen guten Draht in die Berliner Sprayer-Szene.

„Der Eigentümer des Hauses hat sich mit der Idee, hier Street Art zu machen, an mich gewandt“, erzählt Ghouneim. Das Haus gehört der IMA, einer Berliner Vermögensverwaltung mit Sympathie für urbane Kunst, die verschiedene Liegenschaften in der Hauptstadt besitzt.

Mit dem IMA Design Village betreibt sie in der Ritterstraße 12 seit 2009 einen Raum für Kreative mit Ateliers und Verkaufsräumen - einen davon belegt Ghouneim mit seinem Laden Klebeland.

Die Wand an der Ritterstraße empfanden die IMA-Verantwortlichen als grau und lieblos und wollten dort ein Statement setzen. Die Idee mit den drei Affen kommt von ihnen. Sie umzusetzen war gar nicht so einfach: Viele Künstler, die Ghouneim für die IMA anfragte, lehnten den Auftrag ab. Das Motiv sei ihnen "zu politisch“ gewesen, erklärt Ghouneim.

Der Künstler Jadore Tong alias S.Y.R.U.S sagte schließlich zu. Der Sohn eines Kambodschaners und einer Französin wuchs in Berlin auf und kreierte bereits mit 17 Jahren Arbeiten in der damals noch geteilten Stadt.

Persiflage der Weltpolitik

Sein Werk an der Ritterstraße, so Ghouneim, soll die aktuellen Misslichkeiten der Weltpolitik karikieren: Obama reise in der Welt umher und ducke sich doch nur vor wichtigen Entscheidungen weg.

Merkel mische sich überall ein, ihre "Politik der kleinen Schritte" lasse konkrete Aussagen und einen politischen Kompass aber häufig vermissen. Putin schließlich höre bei den wichtigen Entscheidungen ohne weiteres weg – etwa dann, wenn es um Menschenrechtsverletzungen und die Rechte für Minderheiten geht.

Erst kürzlich hat Jadore Tong ein anderes, unpolitischeres Werk fertig gemalt: An  der rückseitigen Wand der Wilhelmstraße 7 leuchtet sein Mural mit dem Titel "Elephant playing with balloon".

Berlin ist weltweit ein Hotspot für ausgefallene Street Art. Mitte 2017 soll sogar ein eigenes Museum für StreetArt eröffnen, das Museum for Urban Contemporary Art, in der Berliner Bülowstraße.