Dass viele Köche den Brei verderben, muss nicht immer stimmen. Manchmal braucht es sogar viele Köche, um etwas Neues zu kreieren. So wie in der Markthalle Neun in Kreuzberg, die sich seit eineinhalb Jahren zum Treffpunkt für Fans regionaler Lebensmittel entwickelt.

Täglich bieten dort Köche und Imbissbetreiber ihre Kreationen an. Am Donnerstag kommen mehr als 20 weitere Köche hinzu, darunter der Berliner Sternekoch Stefan Hartmann. Sie alle laden zum ersten „Street Food Thursday“ ein. Street Food, was man auch mit „Bürgersteig-Delikatessen“ übersetzen könnte, soll es jetzt immer donnerstags geben, wie Nikolaus Driessen vom Team der Markthallenbetreiber sagt: „Wir wollen zeigen, was es international so zu schmecken gibt.“

Street Food ist ein Trend im mobilen Imbissgeschäft. Köche bereiten Snacks frisch am Straßenrand zu und verkaufen sie gleich vor Ort. In vielen Ländern hat das eine lange Tradition: In Thailand oder Vietnam etwa liebt man Garküchen, die Tandoori-Chicken, Saté oder die Reisnudelsuppe Pho anbieten. In Mosambik und Kenia sind Prego (Steak-Sandwiches) der Renner, und in Mexiko schwört man auf Tortillas und Churros (frittierte Teigkringel). Street-Food-Festivals und Wettbewerbe in den USA oder in England ziehen Zehntausende Besucher an.

Nichts zu tun mit Fast Food oder fettigen Pommes

Dieser Trend, der so gar nichts zu tun hat mit Fast Food oder fettigen Pommes und laschem Salat, soll jetzt in Kreuzberg fest installiert werden. Die Markthalle Neun fungiert dabei sozusagen als Bürgersteig oder Straßenrand.

Die Köche kommen aus ganz unterschiedlichen Orten und Ländern. Italiener, die ihre Pasta anbieten, Spanier, die Tapas mitbringen, Engländer, die ihren typischen Kuchen präsentieren, Thailänder, die Frühlingsrollen zubereiten. Auch die Bayern, die mit einem Transporter namens „rollender Hobel“ kommen, sind dabei. Garküchen müssen allerdings nicht extra aufgebaut werden. Die meisten Spezialitäten werden vorbereitet angeliefert. Vor Ort sind dann nur noch letzte Arbeiten nötig, die Ausrüstung bringen die Köche mit.

So auch für die Scottish Eggs – hartgekochte Eier, die mit Wurstbrät umhüllt, paniert und dann frittiert werden. Was vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig klingen mag … „Die Köche sind größtenteils Berufsanfänger, aber sehr ambitioniert“, sagt Nikolaus Driessen. Einige gehören dem internationalen Netzwerk kitchensurfing an, bei dem sich jeder einen Koch mieten kann – für private Partys oder Firmenevents.

In der Markthalle werden derzeit bunte Stände aufgebaut, der Hallenboden wird extra noch mit Linoleum belegt. Driessen: „Das fordern die Ämter, die sehr auf Ordnung und Hygiene achten.“ Für den ersten Street Food Thursday haben die Betreiber einen Star der Berliner Küche gewonnen: Stefan Hartmann, der seit 2007 sein Restaurant an der Fichtestraße führt und für sein Können 2010 mit einem Michelin-Stern dekoriert wurde.

Der 36-Jährige will Snacks aus frischem Ostsee-Hering, dreierlei Erbsen und sauer geschmorten Radieschen anbieten. „Ich mache da gerne mit, weil ich es toll finde, wenn Menschen Spaß an Ernährung haben“, sagt Hartmann.

Und noch ein Prominenter hat sich angesagt: Dimitri Hegemann. Der ist kein Koch, sondern Markthallen-Nachbar und Clubbetreiber. Als solcher will er für die musikalische Begleitung des Abends sorgen. Mit „Mädchenmusik“, wie er sagt: „Ich spiele Musik für Frauen, die im Herzen noch Mädchen sind.“ Auch darauf darf man gespannt sein.