Fahrgäste der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) müssen sich am Freitag für andere Verkehrsmittel entscheiden. Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder bei dem Landesunternehmen für den 15. Februar zu einem Warnstreik aufgerufen. Die Arbeitsniederlegung soll vom Betriebsbeginn am frühen Morgen bis gegen 12 Uhr dauern und alle Bereiche betreffen – sowohl U- und Straßenbahnen als auch Busse. Zwei ganz unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema. 

Pro: Ein Streik muss wehtun 

von Arno Schupp

Die Mitarbeiter der BVG streiken. Sie wissen sich in ihrem Arbeitskampf nicht mehr anders zu helfen, als die ganze Stadt in Geiselhaft zu nehmen, um ihren Forderungen auf gleiche Bezahlung und eine Reduzierung der Arbeitszeit durchzusetzen. Und das ist völlig in Ordnung.

Ein Streik ist in der Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber das letzte Mittel, und als solches muss es wehtun. Das Kalkül dahinter: Wenn die Arbeitgeber-Seite schon nicht auf die Stimmen der BVG-Beschäftigen hört, vielleicht hört sie ja auf die Stimmen der ganzen Stadt. Stimmen, die sagen: Nun einigt Euch endlich. Wir brauchen unsere BVG.

Der Streik am Freitagvormittag wird die Stadt lahmlegen. Er wird viele Menschen hart treffen und vor Probleme stellen. Wie komme ich zur Arbeit? Wie zu Schule, zur Uni oder zum Arzt? Und natürlich darf man auch sauer sein. Aber nicht auf die Streikenden. Sie nehmen ihr legitimes Recht wahr. Und dabei kann man sie eigentlich nur unterstützen.

Contra: Die BVG streikt für mich jeden Tag

von Kerstin Hense

Am kommenden Freitag streikt die BVG. Diese Nachricht klingt in meinen Ohren zynisch. Für mich und für Tausende anderer Fahrgäste streikt sie nämlich derzeit jeden Tag. Seit Monaten muss ich mich nach meinem stressigen Arbeitstag in überfüllte U-Bahn-Waggons quetschen und um jede frei Lücke kämpfen. Wenn ich Pech habe, komme ich noch nicht einmal mit und muss auf die nächste oder gar übernächste Bahn warten.

Ich bekomme Beklemmungen in der Menschenmenge, es riecht unangenehm und es ist heiß. Ich will so viel unfreiwilligen Körperkontakt zu fremden Menschen nicht. Dieser Zustand macht mich jeden Tag aufs Neue sehr wütend, weil ich jeden Monat knapp 64 Euro für mein Ticket an die BVG zahle. Für meine Leistung erwarte ich eine reibungslose Beförderung. Nun bleiben Busse und Bahnen am Freitag ganz stehen und ich werde auf mein Fahrrad ausweichen. Vielleicht sollte ich das in künftig immer tun. Ich spare 64 Euro, habe weniger Stress und tue auch noch etwas für meine Figur.