Rund 3 000 angestellte Lehrer haben nach Angaben der Gewerkschaft GEW am Dienstag trotz Prüfungen zu Abitur und Mittlerem Schulabschluss (MSA) gestreikt. Damit seien etwa 600 der 800 Berliner Schulen vom Ausstand betroffen, sagte Sprecher Tom Erdmann. Die Streikbeteiligung war mehr als doppelt so hoch wie erwartet.

Die GEW will den Senat mit dem Warnstreik zu Tarifverhandlungen bewegen. Sie fordert eine tarifliche Eingruppierung und gleiche Einkommen für angestellte und verbeamtete Pädagogen. Derzeit gibt es etwa 28 000 Lehrer, rund 8 000 davon sind angestellt.

Die Lehrer zogen mit Trillerpfeifen und einem Fahrrad-Korso von der Innen- zur Schulverwaltung durch Tiergarten und Mitte. „Starke Schüler brauchen starke Lehrer!“ stand auf Plakaten.

Noch am Montag hatte der Senat versucht, den Warnstreik am Tag von Prüfungen gerichtlich untersagen zu lassen. Dem war das Arbeitsgericht aber nicht gefolgt.

„Voller Erfolg für uns“

Für Florian Bublys von der Initiative „Bildet Berlin“ war der Streik ein „voller Erfolg für uns“ und „ein Fiasko für den Senat“. Insbesondere ein Acht-Punkte-Plan, den Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag vorlegte, habe für „zusätzliche Mobilisierung“ gesorgt. Da darin auch Arbeitszeiterhöhungen enthalten seien, habe es eine „solidarisierende Empörung“ auch unter den verbeamteten Kollegen gegeben, so Bublys.

Einer der Hauptkritikpunkte war der Zeitpunkt des Streiks. Aktivist Bublys, Lehrer an einem Tiergartener Gymnasium, sagte: „An meiner Schule wird es wohl nicht einen einzigen Fall geben, wo ein Schüler durch den Streik in seinen Leistungen beeinträchtigt wurde.“

Am Donnerstag soll die Tarifkommission der GEW darüber entscheiden, ob sie dem Landesvorstand vorschlägt, zu einer Streikwoche vom 13. bis 17. Mai aufzurufen. Eine Zustimmung gilt als sicher.

Zu den schärfsten Kritikern hatte der Landeselternausschuss (LEA) gehört. Dessen geschäftsführender Chef André Nogossek zeigte sich am Nachmittag erleichtert, „dass die Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrganges und der 10. Klassen ihre Prüfungen trotz Widrigkeiten im Vorfeld absolvieren konnten“. An die weiter streikwilligen Lehrer sandte er „die Bitte“, ihr Streikrecht „nicht direkt zulasten der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen auszuüben“. (mit dpa)