Zum ersten Mal in ihrer Geschichte stehen der Zoo und der Tierpark möglicherweise vor Streiks. Anlass sind die Tarifverhandlungen über die Gehälter der Beschäftigten, die Ende April in dritter Runde gescheitert sind. „Die Mitarbeiter sind sehr aufgeregt“, sagt Jürgen Stahl, der für die Gewerkschaft Verdi die Verhandlungen führt, „viele sind zum Streik entschlossen.“

Zoo und Tierpark haben eine gemeinsame Geschäftsführung; der 1844 gegründete Zoo ist eine Aktiengesellschaft, der 1953 eröffnete Tierpark eine Tochter-GmbH der Zoologischer Garten AG. Verdi fordert 6,7 Prozent mehr Gehalt für die 439 Beschäftigten, die Geschäftsführung hat für 2013 und 2014 aber nur je 1,5 Prozent mehr Gehalt zugesagt. Die letzten Gehaltssteigerungen gab es 2009 und 2010 – in eben dieser Höhe. Tierpfleger verdienen durchschnittlich 1 900 Euro brutto monatlich.

Die Kaufmännische Direktorin von Zoo und Tierpark, Gabriele Thöne, verteidigte am Montag den Sparkurs. Würden die Verdi-Forderungen in dieser Höhe erfüllt, würden die Mehrausgaben die Höhe des Stammkapitals des Tierparks überschreiten, „so viel ist das.“ Das jetzt unterbreitete Angebot entspreche den Möglichkeiten des Unternehmens. Verantwortlich dafür sei unter anderem die Situation im Tierpark. Dort seien die Zuschüsse des Landes Berlin gesunken, zudem habe es durch die schlechte Witterung Umsatzeinbußen gegeben.

Tiere werden nicht hungern

Endgültig über einen Streik entscheiden werden die Mitarbeiter am 16. Mai auf einer offenen Mitgliederversammlung, an der auch Nicht-Gewerkschaftsmitglieder teilnehmen dürfen. „Wir bereiten zurzeit vor, wie die Streiks aussehen könnten“, sagt Verdi-Mann Stahl. Klar sei, dass die Tiere nicht hungern dürfen, wenn die Mitarbeiter streiken. Dass die angespannte finanzielle Situation vor allem mit dem Tierpark begründet wird, setze die Mitarbeiter dort sehr unter Druck, sagt Stahl. „Aber sie arbeiten auch dafür, dass der Tierpark genauso gut dasteht wie der Zoo.“

Der Zoo, der viel kleiner ist und über deutlich mehr Tiere verfügt als der Tierpark, hat mehr als doppelt so viele Besucher. Um den Bestand vom Tierpark zu sichern, soll dieser eigentlich eine neue Ausrichtung bekommen. Doch zurzeit mangelt an einem tragfähigen Konzept und vor allen Dingen an Geld.

Die Tarifverhandlungen fallen in eine Zeit, in er Stimmung schlecht ist in Zoo und Tierpark – gut möglich also, dass sich Unmut über die Situation nun ein Ventil sucht. Vor allem Direktor Bernhard Blaszkiewitz steht seit langem in der Kritik, die Hoffnung vieler, dass der Aufsichtsrat der Zoo AG ihn vor Vertragsende Mitte 2014 abberuft, hatte sich vor zwei Wochen nicht erfüllt.

Um im Konflikt zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung zu vermitteln, hatte der Aufsichtsrat im Januar beschlossen, dass sich die Mitarbeiter bei Problemen an einen externen Vertrauensanwalt wenden können. Schon mehrfach, so Anwalt Peter Otto, hätten Mitarbeiter davon Gebrauch gemacht. „Ich bin aber an die Schweigepflicht gebunden, nicht nur gegenüber Dritten, sondern auch dem Zoo-Vorstand.“ Deshalb nur so viel: Die Konflikte, mit denen Kollegen zu ihm kämen, ähnelten einander. „Das ist aber nicht ungewöhnliches“, sagt Otto. „Konflikte im Arbeitsverhältnis stellen sich häufig als Hierarchie-Problem dar.“ Der Vertrauensanwalt bleibt vorerst bis März 2014 im Amt.